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Das Gebiet lässt sich weitestgehend in zwei verschiedene Arten unterteilen. Die eine besteht aus dem Ebro mit den angrenzenden Uferregionen und die andere aus der Hochebene, „Terra Alta“ genannt. Im Laufe von vielen Jahrtausenden hat sich der Ebro sehr verschnörkelt in den sandig-weichen Grund geschnitten, welcher praktisch ausnahmslos in Farbtönen zwischen Gelb und Karminrot variiert. In diesen Bereichen gibt es viele Berge und Täler, die nahezu unbewohnt sind, über sehr weite Strecken sind lediglich asphaltierte Strassen ein Hinweis darauf, dass hier doch noch so etwas wie „Zivilisation“ vorhanden ist. Diese Gegend wirkt zerklüftet und teilweise muss man das eigene Fahrzeug (ohne welches in dieser Gegend es einfach nicht geht) gut beherrschen, gewisse Strecken sind um ein Vielfaches anspruchsvoller, als so manch ein Schweizer Alpenpass. Soweit es machbar war, wurden an den Hängen und in den Tälern die praktisch omnipräsenten Olivenbaum-Plantagen angelegt, insgesamt aber fällt auf, dass grosse Flächen nicht genutzt werden, weil es schlicht und ergreifend aufgrund Wassermangels oder aber zu unwegsamen Geländes nicht möglich ist, irgendetwas ertragreich anzubauen. Im Gegensatz hierzu stehen die direkten Uferbereiche des Ebro, die – soweit es das Gelände erlaubt – dicht hauptsächlich mit Olivenplantagen bedeckt sind, andere Nutzpflanzen finden sich hier so gut wie gar nicht. Erst in letzter Zeit wurde damit begonnen, wieder Haselnussbäume anzupflanzen, welche ursprünglich vor dem Spanischen Bürgerkrieg neben den Oliven eine der Haupteinnahmequellen jener Region waren. Die Spanische Zentralregierung bestrafte die Katalanen nach dem Krieg auf sehr vielfältige Weise, darunter fiel auch die systematische Vernichtung der Haselnuss-Gewinnung. Lediglich Oliven warfen für die Katalanen noch einen Ertrag ab, aber dieser war aufgrund stark benachteiligender Regelungen derart gering, dass man sich in dieser Region dazu gezwungen sah, praktisch jede noch so kleine geeignete Fläche für den Anbau von Oliven zu nutzen. Zwar hat jener Monokulturanbau von Oliven seinen optischen Reiz, insbesondere, wenn solche Bäume auf rötlichem Boden stehen, für diesen an sich aber ist diese Anbauform sehr schädlich – wie bei jeder anderen Art von Monokultur auch. Das ist kein Scherz: In diesem Gebiet von Katalonien fährt man teilweise bis zu 30 Kilometer und mehr, ohne je eine andere Pflanzenart zu sehen! Das gilt nicht so stark für die Gebiete direkt am Ebro, sehr wohl aber für die Hochebene. Einst waren die Berge direkt am Ebro auch Lieferanten für Kohle, die mit bestimmten Schiffen auf dem damals noch nicht aufgestauten und eher schmalen Ebro flussabwärts an die Küste gebracht und von wo aus sie vor allem nach Barcelona und die Balearen-Inseln transportiert wurde. Auch diese Industrie wurde direkt nach dem Bürgerkrieg systematisch von der Zentralregierung zerstört, aber wenn man nur lange genug in den zahlreichen Seitentälern herum wandert, kann man hier und da noch alte Mineneingänge finden. Bei meinem ersten Besuch im Jahre 2011 gab es einige wenige, dafür aber sehr grosse Solarstromanlagen. Erstaunlicher Weise wurden diese seither nicht ausgebaut, auch kamen keine neuen hinzu, obwohl das insbesondere in der Hochebene durchaus Sinn machen würde. Statt dessen hat man inzwischen vor allem die höheren Berge an den Rändern des Ebro stellenweise mit Windstromanlagen regelrecht zugepflastert, was manchmal den wunderschönen Anblick der Natur gnadenlos ruiniert, eine Natur, die eine erstaunliche Vielfalt aufweist, wenn man nur genau hin schaut.
Die „Terra Alta“, die Hochebene dieser Region, hat eine ganz andere Ausstrahlung. Durch sie ziehen sich einige Gebirgszüge, die zum Teil stark an den Grand Canyon erinnern. Erstaunlicher Weise finden sich hier sogar grössere Mischwälder, die man in der Ebro-Region vergeblich sucht, dort sind es eher Nadelgewächse, die kaum ein zusammenhängendes Waldgebiet bilden. Obwohl auch hier oben vor allem Olivenbaum-Monokulturen das Landschaftsbild prägen, finden sich auch vereinzelt Obst-Plantagen, hier und dort wird sogar Hafer und – msn lese und staune! – Reis angebaut, klassische Getreidesorten aber fehlen komplett, auch Weinanbau sieht man nur ausgesprochen selten, aber die Weine, die aus dieser Ecke Kataloniens kommen, sind ganz vorzüglich! Viehzucht gibt es nur an sehr wenigen Stellen, das für manches Getier notwendige Weideland fehlt in diesen beiden Regionen komplett, entsprechend handelt es sich oftmals um Legebatterien für Hühner und Schweineställe. Aus der flachen, dann oft auch recht monoton wirkenden Ebene erheben sich immer wieder Hügel- und Bergketten, von denen aus man oft einen fantastischen Ausblick hat. Die Ortschaften liegen hier relativ weit auseinander, Strecken von 20 bis 30 Kilometern sind keine Seltenheit und manchmal wurde mir hier sogar ein klein wenig langweilig, wenn ich durch die Gegend bretterte, da erschienen mir die Gebiete direkt am Ebro doch reizvoller, dennoch sollte man sich auch die Terra Alta genauer ansehen, denn auch hier gibt es einige „Perlen“, die man besuchen sollte. Für beide Regionen gilt: Beide sind sehr trocken, natürliche Wasservorkommen eine extreme Seltenheit, entsprechend sonnenverbrannt, staubig und bleich wirken gewisse Gebiete. Aber man sollte sich nicht davon täuschen lassen, dass es hier meistens sehr sonnig und warm ist, der Spätherbst und Winter können hier recht unangenehm werden und bis ich ein paar Fotos sah, konnte ich mir absolut nicht vorstellen, dass hier sogar ab und an Schnee nicht nur fällt, sondern auch liegen bleibt! George Orwell hat das auch in seinem Buch über den Spanischen Bürgerkrieg „Mein Katalonien“ eindrücklich beschrieben, wie unangenehm diese Region vor allem im Winter sein kann.
In Bezug auf den Spanischen Bürgerkrieg ist anzumerken, dass sich die heftigsten Kämpfe des gesamten Krieges hier in der Terra Alta abspielten. Hier kämpfte man vor allem um Wasserquellen und strategisch wichtige Punkte wie Strassen- und Kommunikationsverbindungen, entsprechend finden sich hier auch die meisten Gedenkstätten zur Ebro-Schlacht, die hier und an den Ufern des Ebro vom 25. Juli bis zum 16. November 1938 statt fand. Sie war der letzte gross angelegte Versuch der Republikaner, die vorrückenden Franquisten zurück zu drängen oder zumindest zum Stillstand zu bringen. Nach der Niederlage zogen sich die Republikaner über den Ebro zurück, der Krieg endete kurz darauf. Insbesondere hier liessen die Gewinner die unterlegenen Katalanen spüren, wer der Sieger war. Die katalanische Sprache wurde verboten, die traditionelle Industrie und Landwirtschaft systematisch benachteiligt oder gar vollständig zerstört, die katalanische Kultur und Lebensweise nahezu ausgelöscht. Vielleicht erklärt das, warum in diesen beiden Regionen die Bestrebungen, sich von Spanien abzutrennen, besonders stark ausgeprägt sind. Zumindest aber dürfte es erklären, warum diese Region nachwievor strukturschwach ist. Bei meinen Fahrten durch dieses Gebiet bin ich immer wieder auf Plantagen, Gutshöfe und Wohnhäuser gestossen, die entweder zum Verkauf standen oder aber vollkommen verwahrlost und in sich zusammen gefallen verloren mitten im Gelände ruhten, ein betrüblicher Anblick, der noch von jenen Olivenbaum-Monokulturen unterstrichen wird, aber dennoch einen ganz eigenen Reiz hat – einen entsprechenden Sinn dafür beim Betrachter voraus gesetzt. Beide Regionen haben sich seit meinem ersten Besuch 2011 praktisch nicht oder nur sehr wenig weiter entwickelt und ich möchte bezweifeln, dass sich das in absehbarer Zukunft ändert. Wenn es aber um den Bürgerkrieg geht, hat diese Region dem Grossteil des restlichen Spaniens etwas voraus. Erst kurz vor meiner Reise sah ich einen Bericht über jenen Krieg und wie schwierig sich der Verarbeitung des Erbes jenes Krieges besonders in Form von zahllosen bisher unbekannten Grabstätten ermordeter Menschen gestaltet. Nur langsam wächst auch in den Köpfen der Spanier der Gedanke, dass Franco mit diesem Krieg und vor allen dessen Hinterlassenschaften ein Unheil angerichtet hat, welches bis zum heutigen Tag starke Auswirkungen nicht nur auf die Katalanen, sondern auch sie selbst hat. Es verwundert daher nicht, dass die kritische Auseinandersetzung mit jener Zeit nur sehr langsam Form annimmt. Aber hier in diesem Teil von Katalonien ist sie sehr präsent – und auch durchaus kritisch, ganz im Gegensatz zum Rest von dieser Nation.
