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Obwohl die Einsiedelei und die Schützengräben von Berrús in keinem direkten geschichtlichen Zusammenhang stehen, so lässt sich ihre Verbindung zueinander nicht ignorieren. Die Einsiedelei der heiligen Maria Magdalena von Berrús befand sich ursprünglich im Tal in der Ortschaft mit dem Namen Berrús. Als Ende der sechziger Jahre der nahe gelegene Damm erbaut wurde, um den Ebro vorrangig als Wasserkraft-Energiequelle zu nutzen, war absehbar, dass das zu jener Zeit verlassene Dorf in den Fluten versinken würde. Ahnen der ehemaligen Bewohner, die nach Vilalba dels Arcs, Riba-roja d’Ebre oder Pobla de Massaluca weg gezogen waren, bauten jene wunderschön einfach gestaltete Kirche, die im 14. Jahrhundert auf den Grundfesten eines römischen Tempels durch die Templer, welche vor allem die heilige Maria Magdalena verehrten, errichtet wurde, Stein für Stein ab und weit oben, wo der Ebro niemals hin kommen würde, wieder auf. Das alte Dorf, ursprünglich zwischen Riba-roja und Fayon gelegen, wurde erstmals 1294 erwähnt. Es lag an dem Zusammenfluss verschiedener Seitenarme und dem Ebro in einem ehemals sumpfigen Gebiet, aber an einer wichtigen Handelsroute. Mehrmals – im 9., 10. und gegen Anfang des 19. Jahrhunderts – wurde Berrús aufgegeben, die genauen Gründe dafür sind nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass mehrere schwere, durch das Sumpfgebiet verursachte Epidemien grosse Teile der Bevölkerung dahin raffte. Die Überlebenden wanderten in die genannten Ortschaften in der Umgebung ab und dennoch wurden weiterhin Wallfahrten in diese Kirche Jahr für Jahr abgehalten, die vorrangig die Hinterbliebenen wieder zusammen bringen sollten. Heute führen von den drei Orten die Wallfahrten in grossen, sehr umfangreichen und komplexen Prozessionen auf den Hügel, der einen fantastischen Ausblick von Fayon bis nach Riba-roja d’Ebre bietet. Je nachdem, aus welchem Ort die Nachfahren der alten Familien von Berrús herbei strömen, führen sie Prozessionen mit Ritualen durch, die sich von Ortschaft zu Ortschaft unterscheiden. Auf dem Hügel angekommen verbringen sie viel Zeit miteinander, es wird viel „kirchliches“ zelebriert und gemeinsam an eigens installierten Picknickplätzen gegessen. Aber dieser Ort wird inzwischen auch als Möglichkeit genutzt, die katalanischen Interessen zu besprechen und in den vergangenen Jahren wuchs somit die Teilnehmerzahl bei jenen Prozessionen konstant an. Bedauerlicher Weise konnte ich keine Fotografien vom Innenraum dieser kleinen, sehr kompakt gebauten, vollkommen fensterlosen Kirche machen, in welcher ein besonders schönes Holzkruzifix hängen soll. Sie war verschlossen und leider konnte ich auch niemanden auftreiben, der sie für mich öffnen würde. Aber auch so strahlte dieser sehr einfache Kirchenbau etwas zutiefst „religiöses“ aus. Ich blieb eine ganze Weile da oben stehen, strich mit meiner Hand über die sonnengewärmten groben Steine der Fassade und atmete mehrmals tief den feinen, kaum wahrnehmbaren Duft der Pflanzenwelt ein. Obwohl niemand ausser mir in jenem Moment anwesend war, erschien mir insbesondere jene Kirche irgendwie „lebendig“.
Kaum hundert Meter entfernt verlaufen die Schützengräben von Berrús, aber man muss wissen, dass sie überhaupt dort sind! Die meisten Gedenkstätten sind am Strassenrand ausgeschildert, hier aber findet sich die typische rostige Metall-Stele, deren Kopf ein stilisierter Stahlhelm schmückt und den Namen der Gedenkstätte ausweist, mitten im Gelände, weiter unten am Strassenrand wird lediglich auf die Einsiedelei hingewiesen. Man lässt das Areal der Picknickplätze neben der Einsiedelei hinter sich und bewegt sich weiter auf einem Feldweg zu jenem Platz, lediglich ein kaum sichtbarer Hinweis deutet in die zu beschreitende Richtung. Immerhin ist der Anfahrtsweg einigermassen als „befahrbar“ zu bezeichnen, da habe ich anderenortes ganz andere Versionen von „Fahrbahn“ vorgefunden! In der Ebro-Schlacht sollten die Soldaten in den Gräben, welche grösstenteils rekonstruiert wurden, die Verbindungsstrasse zwischen Fayon, Riba-roja d’Ebre und Flix schützen, um der Republikanischen Armee den Rückzug über den Ebro zu ermöglichen. In dem umgebenden, sehr unwegsamen Gelände war diese Strasse die einzige Möglichkeit, grosse Menschen- und Materialmassen zu bewegen. Das wussten auch die vorrückenden Franquisten, entsprechend stark war dieser Hügel umkämpft. Der Lageplatz der Gräben war gut gewählt, man konnte jede noch so kleine Bewegung im Gelände sofort sehen, gegen die Bomben der Legion Condor hatten die Soldaten aber nur sehr geringen Schutz, Wassermangel und Materialknappheit verschlimmerten ihre Situation in den letzten Tagen jener Schlacht zusätzlich. Man kann sich das einfach nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen hier gefochten wurde, das will so gar nicht in den Kopf rein!
Obwohl Berrús beim Bau des Staudamms bereits menschenleer war, kann man das unzimperliche Versenken eines ganzen Dorfes zugunsten der Energiegewinnung aber durchaus auch als eine Massnahme der Spanischen Zentralregierung betrachten, mit welcher sie die katalanische Identität gezielt auslöschen wollte. Beim Ab- und Wiederaufbau der Einsiedelei erhielten die Aktiven keinerlei Unterstützung, auch wurde das verloren gegangene Land nicht ersetzt, die Betroffenen erhielten keinerlei Kompensation. Solche Vorgehensweisen waren damals „üblich“, über Jahrzehnte hinweg liess das Franco-Spanien die Katalanen überdeutlich spüren, wer den Spanischen Bürgerkrieg verloren hatte.

