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Wer es zu Lebzeiten der letzten Deutschen Kaiser in Berlin zu etwas gebracht hatte, wohnte vor allem im westlichen Teil der Stadt, vorzugsweise in der Nähe zum Kurfürstendamm oder aber in den hochherrschaftlichen Bezirken Wilmersdorf, Schöneberg, Charlottenburg oder Wannsee. Anhand eines Beispiels einer Berliner Salonwohnung aus dem Bayrischem Viertel, ein kleiner Bereich von Berlin Schöneberg, in welchem alle Strassen nach Ortschaften in dem deutschen Bundesland Bayern benannt sind, möchte ich Ihnen zeigen, was sich hinter den Fassaden jener einstmals gehobenen Wohngegend verbirgt, wie man zu jenen Zeiten lebte, bevor der erste und vor allem zweite Weltkrieg Deutschlands soziales Gefüge vollkommen auf den Kopf stellte. Wohnhäuser dieses Baustils finden sich nahezu in ganz Deutschland, vor allem in den Grossstädten Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Wer hier lebte, hatte so viel Vermögen, um sich nicht nur eine Stadtwohnung leisten zu können, sondern oftmals auch noch einen Landsitz ausserhalb der Stadt. Dieser Wohnhausstil wurde vor allem im Zeitraum vom 1840 bis kurz vor Ende des ersten Weltkrieges (1918) gebaut. Hier lebten zu Zeiten der Kaiser vor allem Angehörige des Preussischen Militärs, Besitzer von Kolonialwaren-Handelsgesellschaften, wohlhabende Geschäftsleute, Firmenbesitzer, Fuhrunternehmer, Bankiers, Politiker – und auch viele säkulare (= nicht-orthodoxe) Juden, die in vergleichbaren Wirtschaftsgebieten es zu Wohlstand gebracht hatten. Vor allem hier kann man auf den Gehwegen viele der so genannten „Stolpersteine“ finden, auf denen Namen von Juden hinterlassen sind, die im Dritten Reich in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Zu Zeiten der deutschen Kaiser hatten sie zwar kaum eine Möglichkeit zur direkten politischen Einflussnahme, aber sie waren fester – und durchaus akzeptierter und willkommener – Bestandteil der Berliner Bevölkerung. Vielerorts gab es Synagogen, heute erinnern an diese fast ausnahmslos nur noch Gedenktafeln. Der preussische Staat profitierte stark von der jüdischen Gemeinde Berlins! Wohnungen dieses Typs, die eine nutzbare Wohnfläche von 120 bis zu 400 Quadratmetern und Raumhöhen von 3 bis zu 4 Metern aufweisen, waren die ersten, die nach anfänglicher Gas-Beleuchtung auf Elektrizität umgestellt wurden, auch gab es in ihnen die ersten privaten Telefon-Anschlüsse und durch Warmwasser gespeisten Zentral-Heizungen. Nach Ende des ersten Weltkrieges sahen sich vor allem die Militärs von Preussen dazu gezwungen, Stadtwohnungen dieser Art zu verkaufen, insbesondere in der Weimarer Republik konnten sich dann auch weniger wohlhabende Künstler, Kulturschaffende, Journalisten und Politiker, sowie auch mittelständische Geschäftsleute solche Wohnungen und Häuser leisten.
Die meisten dieser Wohnungen, von denen vier bis fünf übereinander bis zur so genannten „Berliner Traufenhöhe“ reichen (eine gesetzlich vorgeschriebene Maximalhöhe von Wohnbauten, die bis zum heutigen Tage gültig ist), weisen im Grundriss die Form des Buchstaben „L“ auf. Vier dieser „L“-Wohnungen pro Ebene ergeben den klassischen Grundriss eines Häuserblocks, wobei das „L“ je nach Ausrichtung entsprechend verdreht oder spiegelverkehrt ist. Durch diesen Grundriss entstand immer ein Hinterhof, oftmals gemeinsam genutzt und nicht sonderlich hell. Hier befand sich auch der Dienstboten-Aufgang, meistens ein recht enger Turm mit einer schmalen Wendeltreppe, über welchen Post, Lebensmittel und andere Dinge geliefert wurden. Gut bemittelte Herrschaften beschäftigten oft ein Dienstmädchen, welches 24 Stunden am Tag den Herrschaften zur Verfügung zu stehen und entsprechend alle Lieferungen entgegen zu nehmen hatte. Um den Kontakt zu den Herrschaften im Hause weitestgehend zu minimieren, betraten zwar Lieferanten das Haupttreppenhaus, durchquerten aber dieses über einen eigenen Seitendurchgang zum Hinterhof bis zu jenem Lieferantenaufgang. Der Rest des Treppenhauses, in welchem oft auch ein Fahrstuhl eingebaut war, blieb den gut betuchten Bewohnern des Hauses vorbehalten.
Die jeweilige Wohnung war strikt unterteilt: Der grüne Bereich blieb den Herrschaften vorbehalten, orange hinterlegt ist der Bereich, welcher dem Dienstmädchen zur Verfügung stand (und bei Bedarf auch den Herrschaften…), blau hinterlegt markiert den Bereich, in welchem nahe liegender Weise beide aktiv waren, zuweilen musste das Dienstmädchen oder ein gesondert angestellter Bediensteter den Herrschaften oder deren Besuchern aus der Stadtkleidung helfen. In manchen Wohnungen waren sogar Kommunikationssysteme in Form von Schaltern, Anzeigetafeln und Klingeln installiert. Über die Schalter bestellten die Herrschaften die jeweilige Dienstperson, welche anhand der Anzeigetafel oder jeweiligen Klingel im Dienstbereich der Wohnung erkennen konnte, wohin sie bestellt wurde. Ich kann mich gut an Wohnungen dieser Art erinnern, wo diese Systeme bis zum heutigen Tage noch funktionieren! Ein besonderes Merkmal von Wohnungen dieser Art war, dass man über grosse Schiebetüren die ohnehin schon grossen Einzelzimmer zu grossen Salonfluchten umfunktionieren konnte. So konnten die Herrschaften ohne auch nur eine einzige Tür selbst öffnen zu müssen bis zu vier oder manchmal sogar sechs Zimmer „durchwandeln“. Meistens befand sich in der Nähe jener Einzel-Salons auch das Arbeits- oder Geschäftszimmer des Hausherren, hier im Grundriss ganz oben links positioniert. Die meisten dieser Salons waren mit Fischgrät-Parkett ausgelegt, die Fenster oftmals bis zu 1,80 Meter hoch, die Klinken an den Türen aus hochwertigem Messing, manchmal sogar massiver Bronze. Die nachfolgende Bilderserie zeigt die Räumlichkeiten in dem grünen Bereich, beginnend im Flur über das Arbeitszimmer oben links bis hin rechts zum Schlafzimmer (nach Möglichkeit mehrere Ansichten aus verschiedenen Blickwinkeln pro Zimmer).
Der Bereich des Dienstpersonals war nahe liegender Weise eher funktional denn prunkvoll gestaltet. Das Dienstmädchen wurde zu den entsprechenden Tageszeiten durch zusätzliches Personal unterstützt, welches für die kulinarischen Bedürfnisse der Herrschaften zuständig war, nicht aber in jenen Wohnungen, sondern in den klassischen Arbeiterbezirken wie zum Beispiel Wedding, Moabit oder Mitte lebte. Ein Dienstmädchen hatte keine grossen Ansprüche zu stellen, entsprechend klein war ihr Privatbereich, welcher aus lediglich einem kleinen Zimmer (hinter dem sandbraunen Vorhang im oberen Bereich des Zimmers befand sich ihr Bett) und oftmals nur einem WC und einem Waschbecken bestand. Das Dienstpersonal ging zum Baden oder Duschen mehrmals in einer Woche auf eigene Kosten in öffentliche Badeanstalten, von denen es bis zum heutigen Tage immer noch einige auf Berliner Stadtgebiet gibt. Herrenbesuche waren dem Dienstmädchen strikt untersagt, fanden aber nachweislich mehrfach literarisch in einschlägigen und bekannten Schriftwerken beschrieben statt – unter maximaler Geheimhaltung vor den Herrschaften. Konnte das nicht geheim gehalten werden, so verlor so ein Dienstmädchen umgehend ihre Anstellung. Da man sich in den gehobenen Kreisen Berlins untereinander kannte, war es so einem armen Ding meistens unmöglich, später wieder eine Anstellung als Dienstmagd zu finden, insbesondere dann, wenn sie von so einem Herrenbesuch ein Kind erwartete. Die Literatur der zwanziger Jahre in Berlin beschreibt solche Zustände sehr umfassend und eindrücklich. Bewährte sich aber ein Dienstmädchen entsprechend der Vorstellungen der Herrschaften, so wurde sie in noch bessere Kreise empfohlen und konnte mit etwas Glück eine Anstellung in einem Herrschaftshaus des preussischen Adels landen. Nachfolgend Ansichten aus dem Dienstbereich einer solchen Wohnung, im Grundriss mit oranger Farbe hinterlegt (Bilder von der Vorratskammer fehlen, die war einfach zu klein, um sie effektiv fotografieren zu können):
Eine besondere Erwähnung soll dem so genannten „Berliner Zimmer“, dem grössten Raum einer solchen Wohnung zukommen. Insbesondere kurz nach dem ersten Weltkrieg und in den „wilden“ zwanziger Jahren nutzen Kunstschaffende und Intellektuelle diesen grossen Raum, um ihre Werke einem ausgewählten Publikum zukommen zu lassen. Die „Berliner Salons“ sind aus der kulturellen Geschichte Berlins jener Zeit nicht weg zu denken, zahlreiche heute international bekannte Schriftsteller und Künstler begannen ihren Weg in solchen Räumlichkeiten. Hier nochmals die Ansichten jenes Berliner Zimmers:
Heute finden sich solche grossen Wohnungen nur noch selten in der wie hier gezeigten Form, die meisten von ihnen wurden im Laufe einer kompletten Haussanierung in viel kleinere unterteilt und somit veränderte ich nach dem zweiten Weltkrieg auch in jenen einstmals hochherrschaftlichen Bezirken von Berlin das soziale Gefüge. Aufgrund der Lage innerhalb Berlins sind selbst diese kleineren Wohnungen nur auf einem sehr hohen Preisniveau erhältlich. Standen sie bis gegen Ende der 90er Jahre noch als Mietwohnungen zur Verfügung, so sind die meisten von ihnen inzwischen zu Wohneigentum umfunktioniert worden, entsprechend haben sich auch die Namen an den Klingelschildern verändert, heute sind es in dieser Gegend vor allem wohlhabende Russen, die in solche Wohnungen leben. In diesem Zusammenhang möchte ich noch eine Anmerkung los werden: Sollten Sie vermuten, dass ich ursprünglich aus einer sehr wohlhabenden, wenn nicht gar ehemals reichen preussischen Adelsfamilie stammen sollte, so muss ich Sie enttäuschen! Bis Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrtausends lebte meine Familie ursprünglich nicht in Wilmersdorf, sondern weiter südlich in Steglitz, sechs Menschen auf – wenn ich mich recht entsinne – kaum mehr als siebzig Quadratmetern, die alle vom Gehalt eines Beamten der Stadt Berlin lebten. Es war nur eine Frage der Zeit, wann diese Bleibe zu klein sein würde und meine Eltern suchten lange nach einer neuen, niemand wollte Kinder im Haus haben, erst recht nicht gleich vier davon! Nach zahllosen Absagen platzte vor allem meiner Mutter der Kragen, wie man so schön in Berlin sagt. Bei einem direkten Gespräch mit einem potentiellen Vermieter wurde sie so „deutlich“, dass jener zutiefst beeindruckt von der Entschlossenheit meiner Mutter uns diese Bleibe im ehemals so wohlhabenden Bezirk von Berlin überliess. Wann immer ich in Berlin weile, durchstreune ich „mein“ altes Revier und erinnere mich an zahlreiche Begebenheiten in vergleichbaren Salonwohnungen, wie die meiner Eltern.

