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- Der Kleine Prinz und seine Welt

In Bangkok und Dubai gibt es bereits ein „Haus der digitalen Kunst“, seit einiger Zeit aber auch eines in dem beschaulichen Ort Romanshorn am Bodensee. In einem wunderschön hergerichteten alten Kornspeicher wird Kunst serviert – aber keine herkömmliche, sondern eine vergleichsweise junge Form der Kunst, Kunst erschaffen von oder mit Unterstützung von Computern. Natürlich wird es wieder einige geben, die das, was hier gezeigt wird, nicht Kunst nennen würden, aber mittlerweile hat sich der Computer als Hilfsmittel oder Handwerkszeug fest in der Kunst etabliert. Eben jener Erscheinungsform von Kunst widmen sich die die „Houses of Digital Art“. Von Zürich aus erreicht man das in Romanshorn innerhalb von wenig mehr als einer Stunde mit dem Zug, man muss auch nicht weit laufen, das „Kornhaus Romanshorn“, in welchem dieses Kunsthaus untergebracht ist, liegt sehr nahe am Bahnhof, direkt an der Hafenmole von Romanshorn. Unter der Woche ist hier nichts los, das beschauliche Örtchen wirkt fast schon wie ausgestorben. Wenn Sie das Angebot im Kornhaus in Ruhe geniessen wollen (und das empfehle ich Ihnen sehr), dann sollten Sie entsprechend unter der Woche hierher kommen. Dann steht einem niemand im Bild und man kann diese Art der Darstellung in Ruhe geniessen.
Derzeit werden zwei „Ausstellungen“ (eigentlich besser: „Projektionen“) gezeigt, wovon die eine eine gute Stunde in Anspruch nimmt, die andere lediglich 25 Minuten. Im grösseren Segment werden Kunstwerke namhafter Künstler neu beleuchtet, digital animiert, zusammen gesetzt oder aufgelöst. Werke von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Edvard Munch, Robert Delaunay, Juan Gris, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Gaugin, Georges Seurat und Claude Monet werden auf grossen Wandflächen zerlegt, verschoben, neu komponiert. Dieser Teil wird von Zitaten jener Künstler begleitet, so manches Mal kann man sich vorstellen, wie und warum dieses oder jenes Werk entstanden ist. Hier wird also nicht neue Kunst erschaffen, sondern altbekannte Kunst neu aufbereitet – mit den technischen Möglichkeiten, die ein Computer zu bieten hat, durchaus mit künstlerischem Anstrich. Der meines Erachtens weitaus interessantere Teil, der noch bis in den Herbst 2021 hinein hier zu sehen sein wird, nennt sich „Colours X Colours“, ein Gemeinschaftskunstwerk von Thomas Blanchard und Antoni Oilhack.
Diese knapp 25 Minuten dauernde Projektion ist ein wahrer Leckerbissen für das Auge und die Seele! Wer sich noch nie mit digitaler Kunst befasst hat und sich dieses Werk anschaut, wird sich vielleicht an „Bildschirmschoner“ erinnert fühlen. Dieser Vergleich ist gar nicht einmal so weit her geholt, denn „Bildschirmschoner“, die einst verhindern sollten, dass Röhrenmonitore „einbrennen“, waren von je her sehr künstlerisch anmutende Werke, zumindest viele von ihnen. Ich selbst habe immer gerne an solchen Dingern herum gewerkelt, Software ausprobiert, mit denen sich vergleichbares hat herstellen lassen können, guten Bildschirmschonern habe ich länger zugesehen, als so manch einer Fernsehsendung. Heute braucht es solche Schoner nicht mehr, dennoch werden sie immer noch produziert, um ein Handy, Tablet oder einen Computer in einem bestimmten, verkaufsfördernden Licht erscheinen zu lassen. So mag es auch nicht verwundern, dass Thomas Blanchard, ein französischer Künstler, seine Kunst bei der Entwicklung von Apple’s „iPhone X“ hat einfliessen lassen und tatsächlich erinnert so manch eine Sequenz aus diesem Kunstwerk entfernt an die Präsentationsvideos aus der Zeit, als das „iPhone X“ auf dem Markt erschien. Lassen Sie diese Präsentation auf sich wirken! Ich empfand sie nicht nur als ausgesprochen schön und farbenfroh, sondern auch als sehr „ausgleichend“ (ich mag den ach so modernen Begriff „entschleunigt“ einfach nicht!). Gut, derzeit bin ich ohnehin für derartiges besonders empfänglich, aber generell ist es faszinierend sehen zu dürfen, was dieses Künstlerduo mit Hilfe von Computern aus Farben und Formen stetig neu erschafft.
Wem das auf Dauer zu viel der digitalen Künste werden sollte (was ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen kann!), der sollte im Anschluss einen kleinen Rundgang durch das schöne Romanshorn machen! Auch wenn es zur Zeit hier aufgrund der herrschenden Pandemie – sehr diplomatisch formuliert – äusserst bedächtig zugeht, so lohnt sich so eine kleine Tour allemal, denn Romanshorn gibt sich viel Mühe, seine eigene Vergangenheit und den Werdegang einem interessierten Publikum nahe zu bringen. Und wem selbst das zu viel sein sollte, der kann sich immer noch – je nach Wetterlage – am Ufer des Bodensees ein klein wenig „natürlich“, ganz frei von jedwedem Computerzeugs, entspannen.
