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In grösseren Abständen verschlägt es mich in das Kunsthaus Zürich, wenn dort sehenswerte Ausstellungen statt finden, so derzeit „Gerhard Richter – Landschaften“. Dieser deutsche Maler hat einige wirklich faszinierende Werke erschaffen, Abbildungen von nicht real existenten Landschaften oder Stadtbildern, die – obwohl sie zum Teil extrem fotorealistisch wirken – allesamt gemalt sind. Richter hat die Art seines Schaffens im Laufe vieler Jahre mehrfach abgeändert, erst zum zweiten Mal überhaupt wird ein gesamthafter Überblick über seine Arbeit geboten, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten! Diese Ausstellung wird im alten Gebäude des Kunsthauses von Zürich angeboten, welches ab Herbst 2021 über einen sehr sehenswerten Erweiterungsbau bereichert wird, aber dazu später mehr. Das Kunsthaus verfügt über Werke verschiedener Künstler vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart und ist mit rund 19.000 Mitgliedern in der „Zürcher Kunstgesellschaft“ Sitz eines der grössten Kunstvereine Europas. Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass das Kunsthaus Zürich eine sehr bedeutende Institution ist, die sich der Kunst, Information und Auseinandersetzung mit Kunst auf unterschiedlichsten Ebenen verschrieben hat. Ausnahmslos alle Ausstellungen werden von sehr gut konzipierten Informationen in Form von „Audio-Guides“ begleitet, derzeit finden aufgrund der Pandemie bedauerlicher Weise keine der ebenso sehr empfehlenswerten Führungen statt. Die Ausstellung zu Gerhard Richter scheint beliebt zu sein, selbst unter der Woche herrscht hier ein gewisser Andrang, aber das sollten Sie in Kauf nehmen, eine Kunst, wie sie Gerhard Richter erschaffen hat, findet sich in vergleichbarer Form praktisch nirgendwo anders, schon gar nicht in dieser konzentrierten Form. Bis zum 25.7.2021 haben Sie noch Zeit für einen Besuch vom Kunsthaus & Erweiterungsbau, bevor letzterer dem regulären Ausstellungsbetrieb übergeben wird.
Hauptgrund meines Besuches aber war der Erweiterungsbau, erschaffen von dem Architekten David Chipperfield. Genau genommen wird dieses schlichtweg fantastische Gebäude erst im Herbst 2021 seiner eigentlichen Funktion zugeführt, jedoch kann man bereits jetzt dieses Bauwerk erkunden – fast ohne Kunst! Und ich empfehle Ihnen wärmstens, diese Gelegenheit wahr zu nehmen! Man kann diesen Erweiterungsbau losgelöst von den derzeit statt findenden Ausstellungen besuchen, insgesamt günstiger wird das aber in Kombination mit einer Ausstellung im alten Gebäude. Die Kombination aus „Gerhard Richter – Landschaften“ und jenem hoch interessanten Neubau sollten Sie sich nicht entgehen lassen!
Wie bereits angemerkt wird im Erweiterungsbau derzeit nahezu keinerlei Kunst dargeboten, lediglich eine „Klanginstallation“ aus verschiedenen Glocken ist derzeit zu begutachten, aber auch diese Installation ist einen Besuch wert. In den beiden oberen Etagen des Erweiterungsbaus sind jene in mehreren Räumen an recht massiven Holzträgern befestigt und werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschlagen. Ihr Klang erfüllt das gesamte Gebäude und je nachdem, wo man sich selbst in jenem Bau gerade aufhält, kann man auch akustisch die schlichtweg verschwenderischen Ausmasse der Räumlichkeiten erahnen. Einige dieser Glocken sind derart Klangstark, dass nicht nur Boden und Wände, sondern auch die Raumluft fühlbar vibriert, aus diesem Grunde liegt an an verschiedenen Stellen im Bauwerk kostenloser Gehörschutz bereit. Lassen Sie diese Klanginstallation auf sich wirken, sie ist sehr eindrücklich!
Das Bauwerk selbst ist eine nahezu masslose Untertreibung in Sachen Ästhetik, zutiefst elegant, ansprechend und für meine Begriffswelt sehr gelungen. Ich bin normaler Weise kein grosser Freund von Beton, Glas und Metal, davon hat Zürich bereits viel zu viel, aber dieser Bau verschiebt sämtliche bekannten Massstäbe und architektonischen Gewohnheiten. Ganz entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen wirkt er ausgesprochen warm, obwohl sehr viel der bereits genannten Materialien verwendet wurde. Selbst die extrem schlicht gestalteten, zum Teil riesigen Räume strahlen eine sehr angenehme, ruhige Atmosphäre aus und ginge es nach mir, müsste hier keinerlei Kunst ausgestellt werden. Die Wirkung der Räume, die derzeit teilweise absichtlich nicht ausgeleuchtet sind, ist zutiefst beeindruckend. Sie werden das in dieser Form so schnell nicht wieder zu sehen bekommen! Als besonders gelungen empfinde ich die Auswahl der Materialien und deren Bearbeitung. Der Beton, der streckenweise fast wie Sandstein wirkt, ist grossflächig poliert worden und fühlt sich sehr angenehm an. Zahlreiche Geländer, Türplatten, Griffe und andere Elemente bestehen aus Messing, die Kabinen der Fahrstühle sind sogar vollflächig mit Messingplatten gestaltet worden. In Verbindung mit einem hellen, sehr wahrscheinlich gewachstem oder geölten Holzboden wirkt die Kombination aus jenen drei Hauptmaterialen sehr edel – aber auch nicht im geringsten protzig. Für mich war es ein Genuss, diese sehr grosszügigen Räumlichkeiten entdecken und erleben zu dürfen. Ich kann Ihnen nochmals nur wärmstens empfehlen, es mir gleich zu tun. Wenn im Herbst dieses eindrückliche Bauwerk seinem hauptsächlichem Bestimmungszweck zugeführt wird, dürfte es wohl vorbei sein mit jener einzigartigen Wirkung. Bedauerlicher Weise kann derzeit der kleine zum Bauwerk gehörige Garten noch nicht aufgesucht werden, an seinem Haupteingang in der Rämistrasse aber befindet sich eine weitere Installation, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten…
