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Im Gegensatz zu meiner sonst üblichen Angewohnheit, möglichst früh zu Jahresbeginn die Pässe der Schweiz mit dem Motorrad zu erkunden, habe ich damit erst jetzt im Juni begonnen. Ein sehr schwerer „Arbeitsunfall“ hatte anfangs Februar es mir lange Zeit unmöglich gemacht, Motorrad zu fahren, schon gar nicht anspruchsvolle Pass-Strecken. Dennoch zog es mich von Woche zu Woche immer mehr raus, ich nahm mir vor, mich wieder an meine Passion zu gewöhnen, indem ich einen schönen Pass fahren würde. Ein Kollege empfahl mir den Kunkelspass, als er meine Schwärmereien vom Pragelpass vernahm und so informierte ich mich vorab über jenen Pass und die möglichen Anforderungen – und das war gut so, aber dazu später mehr. Der Kunkels verbindet die Ortschaft Vättis im Kanton Sankt Gallen und Tamins im Kanton Graubünden. Mit gerade einmal 13,5 Kilometern Länge ist der Kunkels ein kleiner, kurzer Pass, der bis auf 1357 Metern über den Meeresspiegel klettert und keine absurden Steigungen oder Gefälle aufweist – auf den ersten oberflächlichen Blick also eher unspektakulär anmutet, aber das ganze Gegenteil ist der Fall! Der Kunkels führt mitten durch die schönsten Ecken der Tektonikarena Sardona bis ins Bündner Rheintal, fantastische Landschaftsansichten sind (gutes Wetter vorausgesetzt) garantiert! Selten habe ich einen Pass befahren, der derart viele „Postkartenmotive“ zu bieten hat. Man nimmt an, dass dieser Pass als Saumpfad bereits von den Römern verwendet wurde, sein Name leitet sich von dem lateinischen „concha“ („Muschel“) ab. In späteren Zeiten war dieser Pass vor allem für das Kloster Pfäfers im Kanton Sankt Gallen wichtig, welches zahlreiche Besitztümer in Graubünden hatte. Trat dort der Rhein über seine Ufer oder aber erhoben die Zoll-Stationen im Rheintal zu hohe Zölle, umging man diese „Schwierigkeiten“ durch Nutzung des Kunkels. Die wirklich spektakuläre Tunnel-Galerie-Passage wurde im ersten Weltkrieg errichtet, ansonsten hat der Kunkels keine grössere historische Bedeutung.
Bisher war ich der festen Überzeugung, dass der Klausen- und der Splügenpass die höchsten Anforderungen an das eigene Fahrvermögen stellen – der kleine Kunkels aber steht diesen grossen namhaften Pässen in nichts nach! Für einen kurzen Moment dachte ich daran, die Passfahrt abzubrechen. Nach der langen erzwungenen Pause erschienen mir die Anforderungen vor Ort streckenweise als zu hoch, um sich wieder an eine Passion zu gewöhnen, aber ich biss mich durch und bezwang nicht nur jenen Pass, sondern auch meine Sorgen und Ängste, die jener Unfall in mir hinterlassen hatte. Und dafür wurde ich mit einem wunderschönen Pass belohnt, wenn nicht gar dem schönsten kleinen Pass der gesamten Schweiz! Ein wahres Schmuckstück – aber mit teilweise sehr hohen Anforderungen. Wenn Sie gedenken sollten, jenen Pass zu befahren, rate ich Ihnen dazu, die weitaus anspruchsvollere Teilstrecke, die von Tamins in Graubünden auf die Passhöhe führt, bergauf zu fahren, nicht bergab! Beginnen Sie die Fahrt in Tamins, nicht in Vättis, insbesondere dann nicht, wenn Sie a) kein wirklich versierter Motorrad-Fahrer sind, b) Sie eine sehr schwere und unhandliche Maschine mit Reifen für Strassenbeläge fahren und c) nicht in der Lage sind, ein Motorrad mit schleifender Kupplung im ersten Gang extrem langsam fahren zu können. Warum das? Die Strecke zwischen Tamins und der Passhöhe weist bestenfalls den Charakter eines Feldweges auf, ist an zahlreichen „kritischen“ Stellen nicht asphaltiert, sondern ähnelt mehr einer Schotterpiste. In der Nähe der Passhöhe hat man es seit kurzer Zeit sogar mit Rollsplit zu tun. Wer hier ohne halbwegs geländegängige Reifen hinauf fährt, hat schlicht und ergreifend selber Schuld! Spitzkehren mit Schotteruntergrund bringen ein schweres Motorrad sehr schnell zum Schmieren und Schwimmen, wer hier das Fahren mit „ausgestellten“ Beinen nicht beherrscht, hat verloren! Sollten Sie gar gedenken, mit einer kraftvollen Rennmaschine hier fahren zu wollen: Lassen Sie das! Schlagen Sie sich das sofort wieder aus dem Kopf! Sollten Sie gerade erst das Motorrad-Fahren erlernt haben: Üben Sie auf anderen Pässen! Sie könnten hier die Freude am Fahren sehr schnell verlieren! Darüber hinaus ist es auf der Graubündner Seite dieses Passes nahezu unmöglich, an einem PW vorbei zu kommen, selbst mit einem entgegen kommenden Motorrad wird es oft sehr eng und rückwärts auf einer Schotterpiste mit Spitzkehren bergab zu rollen, damit das vortrittsberechtigte bergab fahrende Fahrezug irgendwann mal an Ihnen vorbei kommt, ist eine hochgradig unlustige Angelegenheit – die maximale Breite des befahrbaren Weges beträgt lumpige 2 Meter und 30 Zentimeter! Eine besondere Erwähnung soll die bereits angemerkte Tunnel-Galerie-Passage erhalten. Diese Passage ist bestenfalls so breit, wie ein normaler PW, mit einem SUV kann man hier wohl kaum hindurch fahren. Besonders „prickelnd“ wird eine Durchfahrung, wenn einem in jenem Tunnelsegment jemand entgegen kommt: Wanderer, Velo-Fahrer, Motorrad- oder PW-Fahrer. Da dieser Tunnel nicht beleuchtet ist (und auch nicht asphaltiert ist) und obendrein er einer Kurvenlinie folgt, kann man noch nicht einmal erahnen, ob einem selbst jemand entgegen kommt. Fahren Sie hier besonders langsam! In der Dunkelheit entsprechend „unbunt“ gekleidete Wanderer zu erkennen, ist teilweise reine Glückssache! Aber ich verspreche Ihnen: All diese Mühen lohnen sich sehr! Die Sankt Galler Seite jenes Passes ist recht einfach in Bezug auf die Anforderungen, hier kann man über weite Strecken vollkommen entspannt die Aussicht geniessen und die Maschine mit Motorbremse bergab rollen lassen. In diesen Wochen werden sie auf der Sankt Galler Seite zur Zeit mit wahren Blütenmeeren belohnt, sehr feine und schöne Düfte ziehen hier durch die Luft. Jetzt ist es hier oben wohl die schönste Zeit.
Wenn Sie schon den Kunkels befahren, sollten Sie nach Ankunft in Vättis noch einen kleinen „Abstecher“ machen. Von Vättis aus schlängelt sich das höchst wild-romantische Calfeisental in die Tektonikarena Sardona, an dessen Ende sich ein Gasthaus, ein grosser Stausee und an dessen Ende wiederum die winzige Ortschaft Sankt Martin befindet, alle drei sehr beliebte und schöne Ausflugsziele (vom Stausee und Sankt Martin sind hier keine Fotos hinterlegt, dafür fehlte mir die Zeit). Hier in diesem Tal sind die Strassen hervorragend ausgebaut und somit auch für Anfänger hervorragend zum Üben geeignet. Die gesamte Region um Vättis herum hat sehr viel zu bieten! Aber darüber berichte ich Ihnen zu gegebener Zeit, wenn ich diese Sehenswürdigkeiten (Drachenloch, Taminaschlucht und andere) selbst aufgesucht habe. Eine letzte Anmerkung: Die Befahrung des Kunkels ist nicht kostenlos, sondern „Maut-pflichtig“. Auf beiden Seiten des Passes wird man durch entsprechende Schilder darauf hin gewiesen. Bezahlt werden kann mit einer eigens zur Verfügung stehenden App oder per SMS und Bestätigungsmitteilung. Die Befahrung kostet für Motorräder 10 Franken, für PWs 20 Franken. Aber auch hier ein gut gemeinter Rat: Sollten Sie gedenken, mit einem PW hier herauf fahren zu wollen, machen Sie das von Vättis aus und machen Sie auf der Passhöhe eine Kehrtwende. Die Graubündner Teilstrecke mit einem PW befahren zu wollen, wenn man diese Strecke nicht in- und auswendig kennt, erscheint mir als wahnwitzig. Und noch etwas: Auf der Sankt Galler Seite gibt es einen Bauernhof, der auch die von mir so geliebten Esel beherrbergt, hier gibt es auch eine als „Campingplatz“ ausgewiesene Abstellfläche, direkt an den Ufern der wilden Rus. Die Region um den Kunkels ist ein Paradies für Naturfreunde und Wanderer! Verhalten Sie sich als Motorrad-Fahrer also entsprechend, bitte! Die Befahrung des Kunkels, so hohe Anforderungen er auch an mich gestellt hat, hat mir gezeigt, dass ich wieder fahren kann. Allein schon aus diesem Grunde wird der Kunkels für mich von heute an immer eine besondere Bedeutung haben – ganz abgesehen von seiner wirklich unbeschreiblich schönen wilden Romantik!
