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Im Süden Deutschlands liegt ein kleiner, sehr romantischer Ort: Harburg. Zugegeben: Auch ich wusste lange Zeit nichts von der Existenz jenes Ortes, aber Harburg ist geradezu ein Paradebeispiel für die Geschichte Deutschlands in dieser Region. Zuweilen erstaunt es sogar mich, wieviel Geschichte sich an einem so pittoreskem Ort wie Harburg zugetragen hat, Geschichte, die zum Teil bis zum heutigen Tag in Europa nachwirkt. Aber dazu später mehr.
Harburg liegt an dem Fluss „Wörnitz“ – und nein, man muss auch diesen Namen nicht unbedingt kennen. Aber nur ein Hinweis am Rande: Nicht weit von Harburg entfernt liegt die Ortschaft Donauwörth. Dort entspringt die Donau, einer der längsten Flüsse Europas. Ich habe nie so recht verstanden, warum der Rhein, der nun einmal in der Schweiz entspringt, „der“ deutscheste aller deutschen Flüsse sein soll. Da erscheint mir die Donau doch als die weitaus passendere Wahl. Aber egal, das sind rein subjektive „staatsrechtliche“ Sichtweisen meinerseits.
Es ist nicht mit absoluter Sicherheit belegt, wann genau Harburg gegründet und unter diesem Namen fortan geführt wurde, früheste Vermutungen reichen bis in das Jahr 1093 zurück. Die Burg, die oberhalb des wunderschönen Ortskerns thront, gehört ab 1150 zum Deutschen Reichsgut. Ob man es nun glauben mag oder nicht: Harburg war lange Zeit eine sehr wichtige Ortschaft an der „Via Imperii“, der über viele Jahrhunderte hinweg wichtigsten Handelsstrasse zwischen der Deutschen Reichsstadt Augsburg und der Republik Venedig, ein Grossteil des Handelsverkehrs, der sich seinerzeit über die Alpen in das „Heilige römische Reich Deutscher Nationen“ bewegte, führte durch Harburg hindurch weiter in Richtung Norden, aber auch als Pilgerweg wurde diese Verbindung über lange Zeit hinweg genutzt. Aber Harburg ist noch in vielerlei anderer Hinsicht ein besonderes Beispiel nicht nur für die Geschichte Deutschlands, sondern auch für die Geschichte Europas. Über viele Jahrhunderte hinweg lebten hier Katholiken, Protestanten und Juden Tür an Tür, noch heute kann man in Harburg die seit langer Zeit nicht mehr als solche genutzte Synagoge erkennen. Zeitweise betrug der Anteil der Juden unter der Bevölkerung Harburgs bis zu dreissig Prozent. Es gab also durchaus auch im eher konservativen Süden Deutschlands Zeiten, in welchen „Religionsfreiheit“ nicht nur propagiert, sondern auch umgesetzt wurde. Während der Reformation wurde Harburg evangelisiert, dann katholisiert und erneut evangelisiert. Während des Dreissigjährigen Krieges interessierte das kaum jemand, wer welcher Religion angehörte, die Schweden, die bis nach Harburg vorgedrungen waren, plünderten diese Region ohne Rücksicht auf Verluste, kein geringerer als Gustav Adolf selbst, König der Schweden, liess es sich nicht nehmen, seine Macht in Harburg zu demonstrieren. Um 1645 starb nahezu die Hälfte der Bevölkerung Harburgs an der Pest. Zu diesem Zeitpunkt hatte Harburg bereits einige „Erfahrungen“ mit Seuchen gesammelt, 1591, als in dieser Region nicht die Pest, sondern die Lepra grassierte, gab es hier ein so genanntes „Leprosium“, ein Pflegehaus für an Lepra erkrankter Menschen, später zu zu einem Krankenhaus für arme Menschen umfunktioniert und erst 1903 aufgelöst. Harburg ist ein typisches Beispiel nicht nur für dezidiert deutsche, sondern auch europäische Geschichte.
All das vermutet „man“ nicht, wenn man Harburg heutzutage einen Besuch abstattet. Erstaunlicher Weise ist viel von Harburgs architektonischer Entwicklung nahezu unverändert erhalten geblieben, nur sehr selten habe ich bei meinen Streunereien einen solch in sich unverändert erhalten gebliebenen Ortskern sehen dürfen. Somit verwundert es auch nicht, dass Harburg sogar „Schauplatz“ für einen der bekanntesten Maler der Spätromantik und des beginnenden Biedermeiers war, hier suchte kein geringerer als Carl Spitzweg nach „Eingebungen“ für seine neuesten Arbeiten. Recht hatte er! Harburg ist nicht im allerbesten Zustand, einige Gebäude stehen zum Verkauf, andere werden seit offensichtlich sehr langer Zeit nicht mehr in Schuss gehalten, aber dennoch ist Harburg bis zum heutigen Tag eine sehr sehenswerte Ortschaft in einer einzigartigen, wunderschön-wilden Auenlandschaft, geschaffen von dem kaum bekannten Fluss mit Namen „Wörnitz“.
