
Zürich hat sehr viel zu bieten, wenn es um das Thema „Ausgang & Nachtleben“ geht. Bedauerlicher Weise haben sich in den achtzehn Jahren, die ich hier gelebt habe, viele Orte verändert, sich den Bedürfnissen der Nachtschwärmer angepasst. Abgesehen von der „Roten Fabrik“ gibt es praktisch kaum noch einen Ort, der keine Verwandlung durchgemacht hat, um mehr und vor allem andere Kundschaft anzuziehen, als ich es in der Anfangszeit hier in Zürich kennen gelernt habe. Einstmals von mir geliebte Lokalitäten wie zum Beispiel das „Les Halles“ am Schiffbau sind im Laufe der Jahre unerträglich für mich geworden oder mussten wie das „X-Tra“ am Limmatplatz dauerhaft schliessen . Vielleicht liegt das an meinem Alter oder an den tiefgreifenden Veränderungen beruflicher Natur insbesondere in den vergangenen zwei Jahren, vielleicht aber liegt es auch an jener vermeintlichen „Selbstverständlichkeit“, mit welcher sich an diesen Orten die Kundschaft ausbreitet, mit welcher ich von je her Mühe hatte. Ich kann einfach nicht mehr so gut sinnentlerte und oberflächliche Gespräche, wie sie vielerorts geführt werden, überhören, ich suche zunehmend eher ruhige Orte, an welchen sich für meine Begriffswelt normale und „entspannte“ Menschen versammeln, die sich selbst nicht so wichtig nehmen und nicht tonnenweise wahrhaft unwichtiges Zeug in die gesamte Umgebung posaunen.
Einer dieser Orte, der im direkten Vergleich zu anderen Etablissements in dieser Stadt noch eher neu ist, ist das Restaurant „Nordbrücke“ im Quartier Wipkingen. Es ist ein gut besuchtes Restaurant mit abends intensiv frequentiertem Bar-Bereich, aber auch tagsüber finden sich – noch – viele jener Menschen ein, die ich nicht unbedingt zu den typischen Vertretern von Zürichs Nachtschwärmern zählen würde. Es ist ein lauschiges Ding mit sehr schönen Aussenbereichen, der eine zum Röschibachplatz hin gelegen, der andere zum Gleiststrang der SBB, der in Zürichs Herz führt. Vor allem in den Sommermonaten kann man hier gut die Seele baumeln lassen. Der Innenbereich ist sehr angenehm gestaltet, fügt sich gut in die alte Substanz jenes ehemaligen Bahnhofgebäudes ein, allerdings kann es am Abend auch hier zuweilen recht laut zugehen, dann braucht es schon eine kräftige Stimme, um gehört zu werden.
Sollten Sie der Nordbrücke einen Besuch abstatten wollen, so empfehle ich Ihnen wärmstens, auch die Umgebung ein klein wenig zu erkunden. Erfreulicher Weise haben sich in Wipkingen viele kleine Läden über Wasser gehalten oder sind neu entstanden. Hier gibt Zürich ein ganz besonderes Bild von sich selbst ab, weit entfernt von jenem Glas-Beton-Wahnsinn, der vor allem in der Innenstadt tobt und sich immer weiter ausbreitet. Hier ist noch klein wenig von dem schönen Zürich erhalten geblieben, was mir fehlen wird, wenn ich gegen Ende diesen Jahres diese Stadt dauerhaft verlassen werde, aber sicherlich wird die Nordbrücke noch länger ein Ort sein, an welchem ich mich mit guten Menschen treffen werde, wenn ich wieder zu einem Besuch hierher komme. Ich hoffe sehr, dass sich der Charme der Nordbrücke und des umgebenden Quartiers halten und nicht verändern wird!
