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In der eisernen Hand: GPX | PDF
Länge: 6,05 Kilometer
Höhenunterschied: 153 Meter
(?)
Noch in Zürich lebend knöpfte ich mir vor längerer Zeit die Landkarte von Basel Stadt und Basel Landschaft vor, ich wollte vorab wissen, was mich erwarten würde und was es zu entdecken gäbe, Landkarten liefern unglaublich viele mögliche Ausflugsziele, insbesondere die hervorragenden Karten, die man in der Schweiz bekommen kann. Recht schnell fiel mir eine Besonderheit am nordöstlichen Rand von Basel Stadt auf: Eine Dornen-artige Ausbuchtung im Verlauf der Landesgrenze, die vom Schweizerischen Riehen wie eine Nadel zwischen die Deutschen Gemeinden Lörrach Stetten, Salzert und Inzlingen ragt. Solche eigenartigen Landesgrenzverläufe können höchst unterschiedliche Ursachen haben und somit zuweilen recht absurd anmuten (genau das ist, was mich interessiert), eine der absurdesten Verläufe war zu Zeiten der Berliner Mauer wohl die Exklave „Steinstücken“ am südwestlichen Rande von Berlin. Heute sind dort die Grenzen verschwunden, die einst nicht nur absurd anmuteten, sondern auch viel Leid verursachten. Der Dornen-artige Verlauf an der nordöstlichsten Ecke Basels steht dem in nichts nach, nur ereigneten sich hier zu einer anderen Zeit schlimme Dinge, über die die Schweiz bis zum heutigen Tage gerne schweigt oder zumindest nicht gerne redet, wenn es nicht sein muss. Ich vermutete nicht unbedingt das, was ich auf jener kleinen Wanderung, vorab und hinterher alles über diese Region erfuhr, aber es erstaunte mich auch nicht sehr, mittlerweile habe ich schon recht viel über den zutiefst zweifelhaften Umgang der Schweiz mit Flüchtlingen aus Deutschland zu Zeiten des Nationalsozialismus erfahren. Meine Ahnung, dass diese Entdeckung auf der Landkarte etwas besonderes sein würde, bestätigte sich. Aber erst einmal zur Wanderung an sich…
Ausgangspunkt jener Wanderung bildet die Endhaltestelle der BVB Buslinie 32 „Rotengraben“, von dort geht es auf überwiegend gut begehbaren Wegen in jenen geopolitischen Dorn hinein, vorbei an einem Biobauernhof. Man bewegt sich im Prinzip an den Hängen eines Hügels entlang, der auf 481 Metern über den Meeresspiegel klettert. Die Wege, die man hier beschreitet, bilden die Grenze, den Grenzverlauf zwischen Deutschland und der Schweiz an sich, sind als offizieller Wanderweg ausgewiesen. Die Wege variieren zwischen aspahltierten Strassenabschnitten, breiten geschotterten Waldwegen und recht matschigen Trampelpfaden. Es gibt keine absurden Steigungen und Gefälle, dennoch sei gutes Schuhwerk empfohlen, denn insbesondere bei schlechten Wetterlagen kann der lehmige Boden sehr rutschig werden. Den meisten Teil der Zeit bewegt man sich durch einen lichten Mischwald, es gibt nur wenig „spektakuläre“ Aussichten, wenn man vom Blick auf Klein-Basel mit seinen Roche-Türmen und Sankt Chrischona absieht, dafür kann man hier unter der Woche viel Ruhe und Abgeschiedenheit geniessen. Natürlich gibt es auch am Wegesrand die obligatorischen Feuer- und Verweilstätten. Diese kleine Wanderung stellt keine absurden Anforderungen und genau deswegen kann sie besonders schön sein.
Aus historischer Sicht aber bewegt man sich hier auf einem „besonderem“ Grund. Warum diese so speziell geformte Ausbuchtung in dem Verlauf der Landesgrenze überhaupt existiert, entzieht sich meiner Kenntnis, ich konnte keine näheren Angaben dazu finden. Nun ist mir aber bewusst, dass Wälder von je her in Bezug auf Grundbesitz wichtiger waren, als Ackerflächen und Viehweiden, Holz war und ist seit vielen Jahrhunderten ein sehr wichtiger Rohstoff. Ich vermute daher, dass dieser Wald auf dem Rücken dieses Hügels schon seit sehr langer Zeit zum Grundbesitz eines von einem Römer hier gebauten Hofes gehörte, welcher aus was für Gründen auch immer irgendwann einmal viele Jahrhunderte später dem Territorium der Confoederatio Helvetica zugerechnet wurde – und nicht dem Deutschlands. Ein klein wenig mehr Informationen konnte ich zu der Begrifflichkeit „In der eisernen Hand“ finden. Es ist nicht ganz klar, ob diese Begrifflichkeit einen Ort, eine Region oder einen Weg beschreibt, es wird angenommen, dass eine „eiserne Hand“ einst als Wegweiser diente. Die Römer benutzten über lange Zeit Feldzeichen, längere Holzstäbe, an welchen Symbole aus verschiedenen Materialien gefertigt befestigt waren, als Orientierungshilfen, manchmal aber auch als Grenzzeichen, es würde mich daher nicht verwundern, wenn einst eine aus Metall gefertigte Hand als ein eben solches Zeichen diente. Tatsächlich wurden in der Nähe des Gipfels dieses Hügels nach Ausgrabungen Hinterlassenschaften der Römer gefunden, so unter anderem Scherben, Knochen und Reste von Handwerkszeugen, die in einem Scheunen-ähnlichen Bauwerk untergebracht oder in dessen Nähe genutzt wurden. Vielleicht ist aber auch ein ganz anderer Umstand Grund dafür, warum diese Region jenen eigenartigen Namen trägt. Schaut man sich die Umrisse des Grenzverlaufes an, so kann man mit einiger Phantasie eine im Profil dargestellte nehmende oder etwas stützende Hand sehen, eine starke, eine „eiserne“ Hand, in deren Handinnenfläche man sich selbst gerade befindet. Aber wie das so ist: Der genaue Ursprung dieser Begrifflichkeit wird wohl niemand mehr einwandfrei ermitteln können. Sollten Sie sich hin und wieder fragen, ob Sie sich nun in der Schweiz oder aber in Deutschland befinden: Die zahlreichen am Wegesrand aufgestellten Grenzsteine geben Ihnen Auskunft. Wieviele es genau sind, kann ich Ihnen hier nicht mitteilen, ich habe sie nicht gezählt, aber es sind auffällig viele! Über einen aber bin ich „gestolpert“: Der eingemeisselte Krummstab weist seine Krümmung nach rechts aus, was wiederum Das Wappenbild des Halbkantons „Basel Landschaft“ ist – und eben nicht nach links, wie es auf allen anderen hier aufgestellten Grenzsteinen, die den Halbkanton „Basel Stadt“ ausweisen, ersichtlich ist.
Es ist aber die jüngere Geschichte dieser Region, die diese Grenzwanderung so besonders macht. Mit Beginn der Machtergreifung der Nationalsozialisten im benachbarten Deutschland mussten vor allem – aber nicht ausschliesslich! – die Juden um ihr eigenes Leben fürchten. Deutschland „sicherte“ die Grenze unter anderem zur Schweiz mit Zäunen, aus was für einem nicht mehr vollends rekonstruierbarem Grund wurde aber um jenen Dorn auf der Landkarte kein Zaun gezogen, die Schweiz profitierte nachweislich von den Beziehungen zu Nazi-Deutschland, wollte aber auch keine geflüchteten Juden aufnehmen, für die Schweiz waren diese Menschen zu dieser Zeit keine anerkannt „verfolgten“ Menschen. Der Umstand, dass es hier am Dorn in der Nähe zum Schweizerischen Riehen eine so genannte „grüne Grenze“ gab, sprach sich herum. Wieviele Juden hier ihr Schicksal zu verändern suchten, ist nicht dokumentiert, aber es waren sicherlich nicht wenige. Man muss sich das mal vorstellen: Hier, in diesem so friedlich anmutenden Wald gab es ein Schlupfloch. Aber es sollte für viele letztlich doch der Weg in den sicheren Tod werden, denn zahlreiche Schweizer Grenzbeamte mit Hunden waren hier Tag und Nacht unterwegs, um Juden aufzugreifen – und ohne grosse Umschweife diese den Deutschen wenige Meter entfernt zu übergeben, die üblichen Verräter und Linientreuen taten den Rest. Tage- wenn nicht Wochenlang waren Juden zuvor aus ganz Deutschland und vielleicht auch aus Frankreich in diese Region gewandert, mussten sich immer verstecken, konnten auf keinerlei Hilfe hoffen. Dann kamen sie in diesen Wald, diese grüne Grenze, hatten Basel als ersten Zufluchtsort vor Augen, konnten ihn vielleicht sogar wie ich heute schon sehen. Und dann wurden sie letztlich doch nach Maidanek, Treblinka, Auschwitz, Strutthof-Natzweiler und all die anderen Lager gebracht, nur um zu sterben. Nicht alle Schweizer, die damals hier lebten oder von Amtes wegen hier eine Funktion ausübten, waren mitverantwortlich, mitschuldig an dem unausweichlichen Schicksal, wenn ein Jude aufgegriffen wurde. Es ist bewiesen, dass die Besitzerin des Gutshofes, auf dessen Grund heute ein Bio-Bauernhof steht, flüchtigen Juden zumindest Nahrung gegeben hatte – sie aber auch nicht aufnahm, wie so viele hatte auch sie Angst vor den schweren Strafen, die die Schweizer Regierung seinerzeit auf derartige Hilfen aussetzte. In diesem Wald entlang des Wanderweges „In der eisernen Hand“ haben sich menschliche Tragödien abgespielt, auf beiden Seiten der Grenze. Denken Sie bitte daran, wenn Sie entlang wandern. Es gibt sonst keine Hinweise auf diese Geschehnisse aus einer sehr dunklen Zeit am Wegesrand.
