- Weihnachtliches Basel
- Messe-Areal
- Kleine Neujahrsstreunerei
- Basler Fasnacht
- Am Rhein entlang
- Botanischer Garten Basel
- Naturschutzgebiet Wiesenmatt
- Stadt Bligg – Basel im Kaleidoskop
- Badischer Bahnhof
- Dreiländereck
- Stadtkommando Basel
- „Wenn Steine sprechen“ – Ein Rundgang
- Kannenfeldpark
- Basels „Mobiliar“ – Eine Rundfahrt
- Wenkenhof
- Sportplatz Landhof
- Gartenstadt „Im Vogelsang“

Vor sehr vielen Jahren nahm mich mein Vater auf meine Bitte hin auf eine Art Spaziergang in einem bestimmten Gebiet von dem damals noch geteilten Berlin mit. Ich wusste nicht viel über seine Jugend und Vergangenheit, er sprach aus mir nicht vollends bekannten Gründen nur sehr selten über dieses Thema, aber auf diesem Spaziergang erfuhr ich mehr über eine Zeit, in der ich noch nicht geboren war, die aber bis zum Mauerfall und weit darüber hinaus Auswirkungen auch auf mein Leben haben sollte. Wir schlenderten durch die Bezirke „Schöneberg“, „Wilmersdorf“ und „Schmargendorf“ (ein Bezirk von Berlin, den es heute nicht mehr gibt, er wurde in „Wilmersdorf“ integriert). An manchen Stellen blieben wir stehen und mein Vater erzählte mir davon, wie er als kleiner Junge die letzten Kriegstage und die ersten Friedenstage und -jahre im damals zerstörten Berlin erlebte. Auf mich wirkten jene Erinnerungen vollkommen absurd. Wir standen dort in schönster Spätsommer-Wärme in den wunderbar grünen Seitenstrassen jener Bezirke, Kinder spielten, alte Menschen flanierten herum. Ich konnte mir die Bilder, die er an jenen Orten erzählte, sehr gut vorstellen. Nur wollten diese so gar keinen Platz in meinem Kopf finden. Die „Stalinorgeln“ (auch „Katjuschas“, auf LKWs montierte Raketenwerfer), die von der Ecke der Strasse aus, wo er einst mit seiner allein erziehenden Mutter lebte, das Zentrum von Berlin beschossen, die Bombenruinen rund herum, die russischen Soldaten, die Nazis, die von einem Tag auf den nächsten niemals Nazis waren… All das weckte in mir ein besonderes Interesse für die Absurditäten jener Zeit, die in ganz Europa bis zum heutigen Tage sichtbar sind, somit auch in der Schweiz und (nicht nur) in der Stadt Basel, wo zu jener Zeit das „Stadtkommando Basel.
Wer in der Schweiz geboren ist, hat mit den Hinterlassenschaften jener Zeit kaum irgendwelche Probleme. Während „man“ sich in Deutschland zuweilen sehr viel Mühe gibt, jene Relikte systematisch zu beseitigen, so sind militärische Bauten in der Schweiz allgegenwärtig und werden eher selten vollständig entfernt. Zum Teil hat das finanzielle Gründe, ab und an aber sind Bauten aus Beton, die der Landesverteidigung dienten, mittlerweile fester Bestandteil von eigenen Ökosystemen geworden, andere sind zu Museen umgebaut oder zu Zweckbauten in Privatbesitz umfunktioniert worden. Da kann ein ehemaliger, sehr massiver Infanteriebunker heute schon mal als Gartenhäuschen zur Unterbringung von Material und Werkzeug dienen. In der Schweiz sieht man die Präsenz solcher Bauten oftmals sehr pragmatisch, viele Menschen nehmen sie schon gar nicht mehr wahr, wissen nicht einmal mehr, um was es sich handelt, was zum Teil unübersehbar in der Landschaft oder in einem Stadtbild prangt. Mir fallen mittlerweile solche Konstrukte sehr schnell auf, irgendwie habe ich inzwischen ein sehr geübtes Auge dafür entwickelt, solche Relikte auszumachen. Natürlich entdeckte ich im Stadtbild Basels sehr schnell einige dieser Hinterlassenschaften und ich nahm mir vor, deren ehemaligen Sinn näher zu ergründen.
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war Basel der so ziemlich wichtigste Umschlagplatz auf der Nordseite der Alpen für Wirtschaftsgüter aller Art, welche über den Rhein oder verschiedene Eisenbahnanbindungen in die Schweiz importiert wurden. Basel kam somit eine besondere militärische Bedeutung zu, war aber gleichzeitig auch eine geografisch-politisch-militärische Knacknuss. Von 1939 an wurden überall Barrikaden, Verteidigungsstellungen und Beobachterposten errichtet, vorzugsweise auf der Seite von Gross-Basel. Aus rein militärischer Sicht erschien die Verteidigung Klein-Basels als wenig aussichtsreich, insbesondere die Präsenz des Badischen Bahnhofes auf dieser Seite des Rheins als mögliches Einfallstor Deutscher Truppen machte einen Ausbau der Verteidigungslinien hier eher sinnlos. Zwar wurden auch in Klein-Basel verschiedene Stellungen errichtet, man war sich aber bewusst, dass jener Teil der Stadt wohl kaum lange zu halten sei, weswegen man die Bauaktivitäten auf die Gross-Basler Seite konzentrierte. Obwohl man zu Beginn des Krieges Basel regelrecht mit Stellungen aller Art zupflasterte, so war lange Zeit nicht klar, ob man sich überhaupt auf irgendwelche Kampfhandlungen einlassen würde. Strassenkämpfe wären nur unter hohen Verlusten zu führen gewesen, die exponierte Lage Basels an der Grenze zu zwei Ländern erschwerte die Ausgangslage erheblich. Aber Basel gehörte zur Schweiz, eine kampflose Aufgabe dieser wirtschaftlich so wichtigen Stadt hätte erhebliche politische Konsequenzen gehabt. Alle diese Überlegungen und Anstrengungen wurden mit der Niederlage Frankreichs im Sommer 1940 hinfällig. Basel wurde zur „offenen Stadt“ erklärt, die bei einem Angriff Deutschlands auf die Schweiz nach lediglich „den Verlauf verzögernden“ Kampfhandlungen übergeben worden wäre. Zu jenem Zeitpunkt hatte die Schweiz bereits auf einen neuen militärischen Kurs eingeschwenkt: Die „Reduit-Politik„, den Rückzug in die schwer anzugreifenden Alpen. Von 1941 an wurde nun in den Bergen eine massive Verteidigungsstellung nach der anderen erbaut, die in Basel und anderen Städten wie zum Beispiel Zürich bereits errichteten, verloren schlagartig ihren Sinn und Zweck.
Ich informierte mich vorab darüber, wo noch Relikte in und um Basel herum zu finden sein könnten. Bereits bei meinem Besuch des Wartenbergs fielen mir einige Konstrukte auf, die zum Teil auch in der Karte oben über diesen Zeilen entsprechend markiert sind. Die in der Karte markierten Punkte bezeichnen Stellen, an welchen einige – sehr wahrscheinlich aber nicht alle – Bauten, die zum „Stadtkommando Basel“ gehörten, sich einst befanden. Heute (Stand 2023) sind nicht mehr alle davon erhalten oder so „gut“ modifiziert und umgebaut worden, dass sie schlichtweg nicht mehr erkennbar sind. Oftmals hatte das vergleichsweise „banale“ Gründe. Basel platzt aus allen Nähten, hat wie so viele Städte in der Schweiz kaum noch Platz für Wohn- oder Wirtschaftsbauten. Sehr wahrscheinlich hat „man“ aus diesem Grunde einige jener Bauten entfernt, um Platz für Neues zu schaffen, wie zum Beispiel an der Dreirosenbrücke, wo an der Stelle, an welcher einst ein Infanteriebunker stand, sich nunmehr ein im heissen Sommer diesen Jahres sehr beliebter Kinder-Planschbrunnen befindet. An anderen Stellen stehen diese Dinger herum, als seien sie von der Zeit vergessen worden, dienen als Untergrund für Graffitis und dergleichen, wirken auf mich ähnlich absurd und deplatziert, wie die Raketenwerfer, die 1945 in der Strasse, in welcher mein Vater mit seiner Mutter lebte, den Stadtkern von Berlin beschossen. In Berlin gibt es einige privat getragene und geführte Vereine, die der Deutschen „Geschichtsignoranz“, wie ich das mittlerweile zu nennen pflege, entgegen wirken und Stadtführungen anbieten, die sich unter anderem mit jenen Themen befassen. In Basel – und meines Wissens nach auch in der restlichen Schweiz – scheint es mit Ausnahme verschiedener Zivilschutz- und Festungsmuseen nichts vergleichbares zu geben (ich gestehe aber, dass ich mich hierzu noch nicht eingehender informiert habe). Zwar gibt es zahlreiche Webseiten, mit deren Hilfe man Standorte militärischer Bauten zumindest zum Teil noch rekonstruieren kann, aber Führungen, die sich mit diesem Teil Schweiz-Deutscher Geschichte insbesondere in Basel befassen? Wohl Fehlanzeige, da ist Eigeninitiative gefragt. Auf Spaziergängen dieser Art (meinetwegen auch „selbst erstellte Stadtführungen“) lerne ich meine Umgebung immer noch am besten kennen. Ich weiss inzwischen sehr viel über Basel und die Geschichte dieser Stadt, aber ich bin weit davon entfernt, Basel auch zu kennen…
