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Unmittelbar vor den Toren Basels, im Schatten des „Joggeli“, wie die Basler Bevölkerung liebevoll das Stadion Sankt Jakob, Sitz des mehrfachen Fussballmeisters FC Basel, nennt, liegt ein Paradebeispiel für aktuelle Schweizer Politik, Raumplanung und Bevölkerungsentwicklung: Die Sportanlage „Schänzli“. Nein, es ist definitiv nicht die sehenswerteste Ecke von Basel , „schön“ sieht anders aus, diese Grenzregion zwischen den beiden Kantonen Basel Stadt und Basel Landschaft wirkt zerrissen, auf den ersten Blick vollkommen falsch geplant und umgesetzt, irgendwie in der Zeit stehen geblieben und tatsächlich dürfte das Schänzli bereits jetzt zu den „Lost Places“, den sehr wenigen und seltenen verlorenen Orten in der Schweiz gezählt werden, die verbleibende Lebenszeit dieses Areals ist begrenzt, obwohl die Zukunft alles andere als klar erscheint. Das Schänzli ist ein todkranker Patient. Aber der Reihe nach…
Seinen Namen dürfte das Schänzli von einer Verteidigungsanlage bekommen haben, die hier einst stand, vermutlich handelte es sich um eine Kombination aus Erdwällen und Palisaden, irgendwann im 17. Jahrhundert erbaut. Im „Holländischen Krieg“ (1672 bis 1678) standen sich in diesem Gebiet Österreicher und Franzosen gegenüber. Zu jenem Zeitpunkt gehörte der Kanton Aargau zu Österreich, in welchem auch die Ortschaft Rheinfelden lag. Diese wurde 1678 vom französischen Feldherrn Francois de Crequy (1624 bis 1678) belagert. Um einen Durchmarsch französischer Truppen durch dieses zur Schweiz gehörende Gebiet zu verhindern, errichtete die Stadt Basel, unterstützt von 5400 weiteren Soldaten aus der restlichen Eidgenossenschaft, die Verteidigungsanlage, nach welcher heute die Sportanlage benannt ist. Das Schänzli wurde nie Schauplatz irgendwelcher Kampfhandlungen, obwohl es in dieser Region Europas auch in den Folgejahren immer wieder grössere Kriege gab (Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688 bis 1697 und der erste Koalitionskrieg 1792 bis 1797). Im 19. Jahrhundert wurden die Wallanlagen nach und nach abgetragen, es gab hier keinen Bedarf an militärischen Verteidigungsbauten mehr. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich seitdem hier nicht viel getan, diese Region wies damals noch einen sehr ländlichen Charakter auf, Felder und Bauernhöfe prägten das Bild, wo sich heute zahllose Betonkonstrukte aller Art in den Himmel recken.
Zu Beginn der dreissiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entsteht dann in seiner ersten Erscheinungsform das, woraus sich heute – noch – die Sportanlage Schänzli zusammen setzt. Initiant dieser Anlage war Oberst Heinrich Otto Strub (8.4.1875 bis 4.1.1954), zu jenem Zeitpunkt Kantonstierarzt, Sanitätsrat von Basel Landschaft, Kavallerieoffizier und Pferdestellungsoffizier von Platz Basel und darüber hinaus auch Freund und Förderer des Pferdesports und der Jagd. Auf dem Gelände des Schänzli erinnert noch heute ein Gedenkstein an jenen Offizier, der sich vor allem durch die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche einen Namen gemacht hat. 1926 beginnen auf dem Areal die Bauarbeiten zur Trabrennbahn, mehrfach wird in den folgenden Jahren die Anlage ausgebaut und erweitert. 1969 muss ein Teil der Anlage dem Bau der nahe gelegenen Autobahn weichen, der Kurvenradius der Bahn wird verkleinert, dennoch finden im Laufe der Jahre im Schänzli viele international beachtete Pferdesport-Wettkämpfe statt. Man mag es kaum glauben, wenn man die Anlage heute in Augenschein nimmt, welche dem langsamen Verfall nicht mehr ausweichen kann, aber einst stattete dem Schänzli eine weltweit sehr bekannte, beliebte und geachtete Person einen Besuch ab: Queen Elizabeth die Zweite, Königin von England (21.4.1926 bis 8.9.2022) bestand bei ihrem Staatsbesuch der Schweiz am 1. Mai 1980 darauf, auch im Schänzli vorzufahren (selbstverständlich im königlichen Rolls Royce). Als Garten- und Pferdeliebhaberin war es ihr ausdrücklicher Wunsch, sowohl die zu jenem Zeitpunkt frisch eröffnete Garten- und Landschaftsleistungsschau „Grün 80“, sowie die Trabrennbahn Schänzli zu besuchen. Selbstverständlich ermöglichte der damals amtierende Bundesrat der Schweiz jene Besuche – und schirmte still und diskret in etwa 250 demonstrierende Gegner von der Queen ab.
Heute bietet das Schänzli ein jämmerliches Bild. Obwohl hier immer noch Pferdesport betrieben wird und sich einige andere Vereine auf diesem Areal betätigen (zum Beispiel ein „Hornussen„-Verein, diese nur in der Schweiz bekannte und beliebte Sportart, ein Hundetrainerverein und ein Doppelaxtwerfer-Verein), wirkt dieses Areal leblos. Es gibt hier zwar noch so etwas wie eine Art Verwaltung, in einigen reichlich herunter gekommenen Ställen stehen sogar noch Pferde, dennoch stehen alle Zeichen auf Verfall und Ende. In einigen Ecken sind Vogelnester zu finden, hier und dort fehlen Fensterscheiben, die alten Billet-Häuschen modern vor sich hin, zum Pferdesport dazu gehörige Gerätschaft wird von Unkraut überwuchert und das Restaurant „Crazy Horse“ ist mehr eine Schankstube, als ein Restaurant im klassischen Sinne. Das Areal des Schänzli ist heiss diskutierter Bestandteil aktueller Raum- und Landschaftsplanung. Grundsätzlich scheint (ich bin mir da nicht so sicher, ich konnte hierzu keine gesicherten Informationen finden…) die grundlegende Eigentümerschaft beim Kanton Basel Landschaft zu liegen, das Areal selbst aber verteilt sich auf den Grund und Boden von sage und schreibe drei Gemeinden gleichzeitig: Birsfelden, Münchenstein und Muttenz. Viele Interessengruppen wollen das Schänzli für den Pferdesport erhalten und tatsächlich wird aktuell intensiv darüber diskutiert, wo Pferdeliebhaber in dieser Region überhaupt noch alternative Orte zur Ausübung ihrer Leidenschaft finden könnten (zur Zeit steht die Gemeinde Allschwil am Stadtrand von Basel zur Diskussion). Andererseits wandern immer noch sehr viele Menschen aus der umliegenden Europäischen Union in die Schweiz ein, Wohnraum ist extrem knapp (irgendwas scheint die Schweiz doch besser zu machen, als die EU, hier scheinen die Zukunftsaussichten besser zu sein, da nimmt man knappen und vor allem teuren Wohnraum offensichtlich in Kauf). Demzufolge wird aktuell an der Zukunft des Schänzli-Areals gearbeitet, Wohn- und Naherholungsraum soll entstehen. Aber wie das so in der Schweiz nun einmal ist, haben drei Gemeinden, auf deren Grund sich das Schänzli verteilt, drei zum Teil grundlegend verschiedene Ansichten darüber, wann es wie mit dem Schänzli weiter gehen soll. Typisch Schweiz.
Mir persönlich ist dieses Areal gleich zu Beginn meiner Aus- oder Weiterbildung (je nachdem, wie man es sehen mag, Tram-Fahren hatte ich schon zuvor in Zürich gelernt) zum Tram-Chauffeur bei den Basler Verkehrsbetrieben BVB ins Auge gefallen. Diese Abstell- und Wendeanlage trägt den gleichen Namen, wie die Sportanlage „Schänzli“ und sehr wahrscheinlich diente dieses Teil-Areal eine ganze Zeit lang als Zubringer-Haltestelle für die Trabrennbahn. Heute wird diese Anlage hauptsächlich als Wendeschlaufe verwendet, wenn die Strecke der Linie 14 zwischen Basel und Muttenz aus welchem Grund auch immer nicht befahrbar ist. Finden im „Joggeli“ grosse Veranstaltungen statt, so kehren hier die Sonder-Trams, welche die Besucher hierher bringen oder nach einer Veranstaltung wieder in Richtung Innenstadt. Hin und wieder kann man hier aber auch die Tram-Fahrschule der BVB beobachten, wie sie das An- und Abkuppeln der alten Trams üben oder aber versierte Instruktoren den Aspiranten recht eindrücklich vermitteln, wie viel Platz die alten Trams in Kurven benötigen. Bis 1950 war hier Schluss für das Tram, hier war Endhaltestelle, danach wurde die Verlängerung nach Pratteln gebaut, welche wiederum 1978 „modernisiert“ wurde. Diese Verlängerung verläuft zu grossen Teilen auf der ehemaligen Bahnstrecke Basel – Pratteln, die einst der Basellandschaftlichen Überlandbahn (BUeB) gehörte. Zumindest in Bezug auf den Schienenverkehr wurden irgendwann einmal die Kantons- und Gemeindegrenzen überwunden. Wohl aus Vernunftsgründen. Beim Schänzli ist noch nicht abzusehen, wann sich was auch immer wie weiter entwickeln wird, aber ich bin mir sicher, dass ich noch ein paar Fotos von etwas machen konnte, was bald in Vergessenheit geraten sein wird. Irgendwann werden nur noch ein paar Buchstaben an den Fassenden zweier nahe gelegener Wohnbauten daran erinnern, was hier einst war.
