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- Kannenfeldpark
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Bereits bei meinen ersten Fahrten mit der Tram-Fahrschule der BVB (Basler Verkehrsbetriebe) fiel mir im Vorbeifahren ein Park-Areal auf: Der Kannenfeldpark. Im ersten Moment dachte ich, dass es sich um einen Friedhof handeln müsse und ich nahm mir fest vor, diesem so bald wie möglich einen Besuch abzustatten. Abgesehen von den vielen möglichen Fotomotiven hat es mich von je her immer sehr interessiert, welche Namen man wohl auf einem Friedhof antreffen würde, die in direkter Verbindung zur Geschichte eines jeweiligen Ortes stehen, aber daraus sollte nichts werden, denn seit 1932 wird dieses Gelände nicht mehr als Friedhof (auch „Gottesacker“ genannt) genutzt. Aber man kann die ursprüngliche Funktion noch an vielen Stellen gut erkennen, was diesem seit 1951 schrittweise zum öffentlichen Naherholungspark umgestalteten Areal einen ganz eigenen Reiz verleiht. Ursprünglich war der Kannenfeldplatz eine Weide, ein Rasenfeld, auf welchem der Wirt der nahe gelegenen Gaststätte „Zur Kanne“ seine Enten hielt. Da Basels innerstädtischen Friedhöfe um 1860 aus allen Nähten zu platzen drohten, wurde diese Weide weit vor den Toren der Stadt zu einem Friedhof umfunktioniert. Noch heute erinnert der Name einer nahe gelegenen Strasse an jene Weide, die „Entenweidstrasse“, im Volksmund war jene Weide als „Kannenfeld“ bekannt. Am 3. Juni 1868 wurde dieser Friedhof, der ausschliesslich Angehörigen der beiden christlichen Religionen vorbehalten war, eingeweiht.
Basels Bevölkerung wuchs stetig und so waren die Kapazitäten dieses Friedhofs bereits nach vergleichsweise kurzer Zeit erreicht. Mit der Eröffnung des „Zentralfriedhofes am Hörnli“ wurde der Kannenfeld-Gottesacker 1932 geschlossen. Bis 1951 erfuhr das Kannenfeldpark-Areal bereits einige Veränderungen, verschiedene kleine Weiher wurden zugeschüttet. Einen Friedhof aber zu einem Park umzugestalten war nicht nur eine ungewöhnliche, sondern auch eine heikle Angelegenheit, schliesslich lagen hier immer noch viele Angehörige von Bewohnern Basels. Mehrere tausend Grabsteine wurden bei der endgültigen Räumung 1952 wohl relativ rabiat und lieblos „entsorgt“, da viele Angehörige sich die Umbettung auf den neuen Zentralfriedhof nicht leisten konnten. So landeten unzählige Grabmale, die teilweise wegen ihrer Grösse sogar gesprengt werden mussten, als Baumaterial bei der Erweiterung des Rheinhafens und als Grundmaterial zum Bau des Parkplatzes am neuen St. Jakob-Stadion.
Auch wenn heute der Kannenfeldpark ein Naherholungsgebiet ist, so kann man heute noch an vielen Details erkennen, welche Funktion dieses Areal einst hatte. Abgesehen von den symmetrisch angelegten Wegen und Feldern, der Friedhofsmauer und auch der Bepflanzung haben vor allem zwei Grabmäler die Zeiten überstanden. Das so genannte „Pfludder-Tempelchen“, nur noch aus dem aus Sandstein gefertigten Grundbau mit ein paar Ornamenten bestehend, erinnert an den Kunsthistoriker und Professor für klassische Philologie der Universität Basel Johann Jakob Merian (1826 – 1892), sämtliche Hinweise darauf sind aber entfernt worden. Warum dieses Konstrukt überhaupt noch dort steht, war nicht ermittelbar. Das andere, weitaus grössere Grabmal erinnert (nicht nur) an die Franzosen, die während des deutsch-französischen Krieges 1870 – 1871 in die Schweiz geflohen, dort interniert und in den Lagern aufgrund von Hunger und Krankheit verstorben waren, weiterhin erinnert dieses Konstrukt an die Mitglieder der Französischen Gemeinschaft Basels, die später im ersten und zweiten Weltkrieg gefallen waren. Dieses Grabmal ist nicht nur in gutem Zustand, es wird offensichtlich auch noch öfters „offiziell“ besucht.
