- Weihnachtliches Basel
- Messe-Areal
- Kleine Neujahrsstreunerei
- Basler Fasnacht
- Am Rhein entlang
- Botanischer Garten Basel
- Naturschutzgebiet Wiesenmatt
- Stadt Bligg – Basel im Kaleidoskop
- Badischer Bahnhof
- Dreiländereck
- Stadtkommando Basel
- „Wenn Steine sprechen“ – Ein Rundgang
- Kannenfeldpark
- Basels „Mobiliar“ – Eine Rundfahrt
- Wenkenhof
- Sportplatz Landhof
- Gartenstadt „Im Vogelsang“

Einige von ihnen – fast ausnahmslos in anderen Ländern gelegen – sind weltbekannt, werden in einschlägigen Tourismusführern dezidiert erwähnt, sind oft Motiv in Malereien, Grafiken, Fotografien und Kinofilmen von mindestens ebenso bekannten Künstlern und kreativen Köpfen, ohne sie funktioniert kein ÖV-System welcher Art auch immer, könnten sie sprechen, so würden sie sicherlich viele Geschichten aus unzähligen Menschenleben erzählen können, weitaus mehr als jeder Friedhof, jedes Rathaus oder jedes Arbeitsamt, sie sind hin und wieder temporäre „Wohnstatt“ von Obdachlosen und Randständigen, einige von ihnen haben sogar eine eigene Postanschrift mit Hausnummer (so zum Beispiel in Basel), von einigen will man gar nicht weg, andere suchen wir nicht länger auf, als unbedingt nötig. Glaubt man der Statistik, so verbringen wir mit der Tätigkeit „Schlafen“ in etwa gleich viel Zeit wie mit der anderen mit Namen „auf jemanden oder etwas warten“ – sehr oft an jenen Punkten, die von der Verwaltung der Stadt Basel offiziell unter dem Oberbegriff „Mobiliar“ geführt werden, in der Bedeutung des Namens also als „bewegliches Inventar“ angesehen werden – obwohl sie selbst uns alles andere als beweglich erscheinen und erst dann in unser Bewusstsein drängen, wenn sie verschoben, umgebaut, abgebrochen oder umbenannt werden. Kaum ein Konstrukt, welches der menschliche Geist einst erdachte, wird derart selbstverständlich genutzt, ohne dabei „dauerhaft“ oder „nachhaltig“ in Erinnerung zu bleiben, wie das ominöse Ding mit Namen „Haltestelle“.
Ich habe Haltestellen immer irgendwie gemocht, viel Zeit an ihnen verbracht, habe dem Treiben zugeschaut, die Zeit an dem Ort an mir vorbei streichen lassen, an welchem sie für viele Menschen unersetzlich ist. Früher habe ich das ab und an im Bild fest gehalten (ein paar Beispiele aus Zürich finden sich am Ende jenes Beitrages) und noch immer verbringe ich viel Zeit an Haltestellen, sowohl aus beruflichen, wie auch aus privaten Gründen. Nur kann ich heute nicht mehr fotografieren, was sich um so einen Ort herum tut. Das hat verschiedene Gründe, die hier nicht von Belang sind. So oder so haben Haltestellen noch immer eine besondere Wirkung auf mich selbst, ich bin mit ihnen gross geworden und somit verwundert es wohl nicht, dass mir einige Haltestellen in Basel vom ersten Tag an in Erinnerung geblieben sind, als ich hierher gezogen bin. Basel hat einige sehr interessante und auch schöne Exemplare (selbstverständlich aber auch einige komplette Gegenteile…). Ein paar davon möchte ich Ihnen hier vorstellen.
Markthalle
Wie in vielen anderen Städten wird auch in Basel das Ding mit Namen „Haltestelle“ zunehmend standardisiert. Mit anderen Worten: Alte Versionen jenes Konstruktes, die nicht von namhaften Personen gestaltet und erbaut wurden, die nicht unter Denkmalschutz stehen, die in einem bemitleidenswertem Zustand sind, zu hohe Unterhaltskosten verursachen, nicht behindertengerecht sind oder schlichtweg zu viel Platz einnehmen, werden durch ein Standard-Modell ersetzt. Ein typisches Beispiel für jene ersten Versuche in Sachen Standardisierung ist die Version an der Haltestelle „Markthalle“, Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts von den Architekten R. Furrer und F. Fasnacht erdacht. Diese Version bietet allenfalls Schutz vor Regen und zu sengender Sonne, braucht aber nur minimale Stellfläche, verursachte nur geringe Unterhaltskosten und war bei Bedarf erweiterbar. Wieso war? Wie das mit der Standardisierung nun einmal so ist: Sie neigt dazu, sich selbst durch Optimierung neu zu standardisieren. So wird das meistens amtlich bezeichnet, wenn gewisse Notwendigkeiten bei der Planung entweder vergessen oder schlichtweg ignoriert wurden. Neuere Ausgaben jener Standardisierung bieten ab und an zusätzlichen Schutz vor Wind… Dieses Modell findet man noch oft in Basel. Nein, schön und sonderlich einladend wirkt dieses Ding nicht, es sollte mehr um der Vollständigkeit Willen hier erwähnt sein.
Birsfelden Hard
Wer sich ein wenig diesem Thema widmet, dem wird auffallen, wieviele unterschiedlich erscheinende Haltestellen Basel aufzubieten hat. Natürlich liegt das einerseits an der Entwicklung des ÖV-Netzes dieser Stadt, andererseits aber auch an denjenigen, die diese Bauten erschufen. Es waren nicht immer Architekten, die die Wartehallen entwarfen, sondern zum Teil Mitarbeiter der städtischen Verkehrsbetriebe. So sind die beiden Haltestellen „Birsfelden Hard“ und „Neuweilerstrasse“ das Resultat der Arbeit des Bahningenieurs Gottlieb Graber, der diese kleinen, aber recht feinen Wartehallen um 1927 herum entwarf. Eben jener Graber war es auch, der die Haltestelle mit Namen
Münchensteinerstrasse
entwarf, im Gegensatz zu seinen vorherigen Konstruktionen eine eher einfach und bescheiden anmutende Ausgabe, vollständig in Holz gebaut. Graber ging mit der Zeit, in den dreissiger Jahren, als er jenes Modell entwarf, sollte alles schlichter erscheinen, weniger aufwändig (schon damals spielte das Thema „Standardisierung“ wohl eine gewisse Rolle). Im Stadtbild Basels finden sich noch weitere Ausgaben jenes Entwurfes, unter anderem nahe der Markthalle an der Ecke der derzeit für den Tram-Betrieb gesperrten Margarethenbrücke (die Schweizer Staatsbahnen SBB waren sich wohl bis vor kurzer Zeit um den „musealen“ Zustand jener Brücke nicht vollends bewusst und arbeiten nicht nur an einer Sanierung, sondern auch an einem kompletten Neubau jener Brücke. Hoffentlich bleibt die alte Wartehalle von Graber erhalten…).
Eglisee
Eine der ältesten Wartehallen des Basler Stadtnetzes steht an der Haltestelle mit Namen „Eglisee“. Man mag es glauben oder nicht, aber dieses Ding ist sage und schreibe 116 Jahre alt (Stand: 2024)! Diese Wartehalle, einstmals vom Kantonsbaumeister (!) Theodor Hünerwadel entworfen, steht aber nicht seit 116 Jahren am gleichen Standort. Mit der Erweiterung des nahe gelegenen Freibades Eglisee wurde sie 1931 um 200 Meter stadteinwärts verschoben. Damals ist dieser Prozess sicherlich länger in der Erinnerung der ÖV-Nutzer Basels in Erinnerung geblieben, als es wohl heute der Fall wäre. Ein weiteres, eher einfach anmutendes Holzkonstrukt, aber mit einem Ziegel-Pyramidendach gekrönt. Was diese Haltestelle wohl alles zu erzählen hätte, könnte sie sprechen…
Kannenfeldplatz
Sie sticht aus dem üblichen Bild, was die älteren Haltestellen Basels bieten, allein durch ihre Grösse deutlich heraus. Ihre Grösse erklärt sich dadurch, als dass einstmals in ihr diverse elektrische Anlagen, die für den Betrieb der Strassenbahn seinerzeit notwenig waren, untergebracht wurden. Dieses im so genannten „späten Heimatstil“ errichtete Gebäude wurde 1925 von dem Architekten Herbert Neukomm entworfen (leider habe ich nicht viel über jenen Menschen in Erfahrung bringen können). Heute ist der Kannenfeldplatz nicht nur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, der Kiosk in jenem Gebäude, sowie der nahe gelegene Kannenfeldpark machen diese Station zu einem bei vor allem randständigen Menschen beliebten Platz. Auch das gehört zum ÖV und einer jeweiligen Haltestelle dazu: Sie sind oftmals Anlaufpunkt für diejenigen, die kein Ziel mehr vor Augen haben oder die durch welche Gründe auch immer aus ihrem Leben entwurzelt wurden. Für sie sind Haltestellen eine Zwischenstation auf dem Weg in eine unbekannte Zukunft.
Wettsteinplatz
Die Haltestelle Wettsteinplatz ist insofern in ganz Basel einzigartig, als dass ihr Grundriss kreisrund ist. Bedauerlicher Weise konnte ich nicht ermitteln, wann genau diese Wartehalle von wem entworfen wurde (für Hinweise bin ich dankbar!), aber es dürfte sicher sein, dass die Wartehalle des Wettsteinplatz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges so errichtet wurde.
Schützenhaus
Diese Haltestelle war bei den Baslern lange Zeit vor allem durch die integrierte „Trinkstube“ bekannt. Lange bevor hier ein Kiosk einzog, bot jene Restauration eine besondere Ablenkung beim Warten. Stellen Sie sich das mal vor: Während heutzutage Fahrgäste schon gereizt darauf reagieren, dass „ihr“ Tram vielleicht drei oder fünf Minuten zu spät kommt, gab es nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zeit, in welcher Menschen es alles andere als eilig hatten und hier ein paar Minuten ihrer Lebenszeit in jener Trinkstube zubrachten! Heute muss alles schneller gehen, der Kunde König schneller zufrieden gestellt werden. Da macht sich ein Kiosk doch allemal besser, als eine Trinkstube. Mir ist diese Haltestelle vor allem durch ein Detail in Erinnerung geblieben. Seitdem ich für die BVB Trans chauffiere, prangte an der Aussenwand jenes Gebäudes immer eine Ausverkaufswerbung des nicht weit entfernt gelegenen „Möbelhauses Trachtner“ (Haltestelle „Brausebad“). Zuweilen habe ich mich gefragt, ob jener Aushang nicht vielleicht doch einfach nur eine Werbung, denn ein Hinweis auf einen wirklichen Ausverkauf ist. Das war 2023. Jetzt im 2024 gibt es das Möbelhaus Trachtner nicht mehr. Aber die Werbung hängt immer noch am Wartehäuschen der Haltestelle Schützenhaus (Stand: 2024).
Aeschenplatz
Diese zentrale Haltestelle in Basel ist in etwa gleich alt, wie die am Eglisee, jedoch weitaus grösser, um das hohe Verkehrsaufkommen der Innenstadt bewältigen zu können. 1851 wurde in London zur Weltausstellung der Kristallpalast erbaut, in nur vier Monaten fast ausschliesslich aus Stahl und Glas errichtet. Das Architekturbüro Gustav und Julius Kelterborn orientierte sich an der Gestaltung jenes Palastes in London und erbaute jenen Haltestellenkomplex in astreinem, aber vergleichsweise schmucklosem Industrie-Jugendstil. Die Bauweise des Kristallpalastes in London, die auch hier in Basel am Aeschenplatz angewendet wurde, eignete sich seinerzeit besonders gut für Verkehrs- und kleinere Funktionsbauwerke, da sie schnell zu errichten und im Bedarfsfall auch wieder schnell zu verändern oder rückbaubar waren.
Bruderholz
Die Endhaltestelle der Verbundlinie 15 und 16 der BVB liegt über den Stadtdächern Basels auf dem Bruderholz. Dieses Bauwerk, welchem ein Holzkonstrukt zugrunde liegt, wurde 1937 erbaut, von wem es aber entworfen wurde, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Man sieht es jenem Bauwerk heute nicht unbedingt auf den ersten Blick an, aber für die 30er Jahre war die Konstruktion und Ausführung modern, für damalige Verhältnisse noch als „neu“ zu betrachten. Heute kann man schon deutliche Spuren der Zeit an jenem Konstrukt wahr nehmen, Teile dieses Bauwerkes sind in einem recht bemitleidenswerten Zustand. Obwohl diese Haltestelle in einem als „sehr reich“ zu bezeichnendem Wohnviertel liegt, dient es jetzt im Winter ab und an Obdachlosen und Randständigen als Unterkunft.
Burgfelden Grenze
Auslöser zu diesem Artikel war die ehemalige Tram-Haltestelle „Burgfelden Grenze“, die ich gleich zu Beginn meiner Ausbildung bei den BVB entdeckte. Eine Tram-Wartehalle, die nicht mehr verwendet wird, ein winziger „Lost Place“! 1959 wurde dieses Ding vom Kantonsbaumeister Julius Maurizio entworfen. Mit dem 2017 eröffneten Ausbau der Linie 3 nach Frankreich machte die ehemalige Endhaltestelle mit ihrer Wendeschlaufe keinen Sinn mehr, die Haltestelle wurde verlegt und nennt sich heute „Waldighoferstrasse“, die Gleise für die Schlaufe wurden entfernt. Seitdem hat sich hier nichts mehr verändert, das Schlaufenareal steht ungenutzt und die alte Tramwartehalle dient als gedeckter Parkplatz für Wildparkierer und ist häufig Ziel von Vandalen. Immerhin steht sie seit 2012 auf der Liste des schützenswerten Mobiliars von Basel, da aber keinerlei Zwischen- oder Dauernutzung stattfindet, dürfte der Zerfall wohl noch weiter voran schreiten. Und das wäre sehr schade, wie ich meine.
Wie Sie sehen hätten nicht nur Haltestellen allgemein viel zu erzählen, die von Basel würden sicherlich noch viel mehr zu erzählen haben. Wie versprochen zeige ich Ihnen nachfolgend ein paar meiner Fotografien, die seinerzeit entweder in der Nähe oder aber direkt an Haltestellen in Zürich entstanden sind. Vielleicht entdecken Sie ja irgendeine Haltestelle in Basel für sich selbst? Vielleicht kommt irgendein kreativer Kopf auf die Idee, ein paar Haltestellen in Basel künstlerisch oder geschichtlich aufzuwerten? Zum Beispiel mit Audio-Dateien, die etwas über eine spezifische Haltestelle und ihre vielleicht berühmten Nutzer, die einst in der Nähe lebten, erzählen?
