- DDR Museum
- Museum HR Giger
- Museum für Gestaltung
- Photobastei 2.0
- Bruno-Weber-Park
- Haus Konstruktiv
- Pavillon Le Corbusier
- House of Digital Art
- Fotomuseum Winterthur
- IPF Olten – „David Lynch – Infinite Deep“
- Kunsthaus & Erweiterungsbau
- Museum Franz Gertsch
- Enea Baummuseum
- Historisches Museum
- Haus zum Kirschgarten
- Haus der elektronischen Künste
- Museum Tinguely
- Gedenkstätte für Flüchtlinge
- Freilichtmuseum Ballenberg
- Kunstmuseum Bern – „Chaïm Soutine – Gegen den Strom“
- Bündner Kunstmuseum Chur – „Otto Dix und die Schweiz“
- Vitra
- Pantheon
- Fondation Beyeler
- Swiss Design Collection
- Augusta Raurica
- Der Kleine Prinz und seine Welt

Nachdem ich mich intensiv mit der Bedeutung und Geschichte des Badischen Bahnhofes in Basel befasst hatte, beschloss ich, verschiedene Institutionen mit der Frage anzuschreiben, warum nichts, so absolut gar nichts in jenem Bahnhof und um ihn herum an ein sehr dunkles Kapitel der Geschichte, genauer: Der Funktion der Schweiz im Umgang mit jüdischen Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland während des Zweiten Weltkrieges, erinnern würde, keine Stolpersteine, keine Gedenktafel, einfach nichts. Ich kontaktierte folgende Institutionen: Das Honorarkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Basel, die Deutsche Bundesbahn, den Bundesrat der Schweiz und eine international hoch geachtete Institution der Universität Basel, die sich mit der jüdischen Vergangenheit dieser Region bis zum heutigen Tage intensiv auseinander setzt. Die Reaktionen fielen folgender Massen aus:
Von der Universität Basel erhielt ich gar keine Rückmeldung.
Der Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland, seines Zeichens als Stellvertreter des benachbarten Staates auf Boden der Schweiz agierend, wusste um die Vergangenheit jenes Bahnhofes. Mit dem Vermerk, dass vor einigen Jahren eine gedruckte Publikation erschienen sei, welche sich seinerzeit jener Thematik intensiv widmete, beliess es die Stellvertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit jenes Bahnhofes.
Die Medienabteilung der Deutschen Bahn äusserte Zweifel an der Geschichte, ihr sei nichts von gewissen seit Jahren allseits bekannten und gründlichst dokumentierten Schilderungen aus jener Zeit bekannt. Ich sendete als Antwort ein paar „seriöse“ Links zwecks Wissenserweiterung zurück, aber da kam nichts mehr.
Vom Bundesrat der Schweiz, oberste Regierungsinstanz dieses Landes, dessen Bürger ich einst wurde, erhielt ich bis zum heutigen Tage ebenfalls keinerlei Rückmeldung (was vielleicht auch daran liegen könnte, dass sich dieses Land derzeit aussergewöhnlich viel Mühe gibt, der restlichen Welt „da draussen“ zu verstehen zu geben, dass die Digitalisierung zur Zeit mehr Ressourcen fordert, als das ursprünglich absehbar war…).
Ich denke mir meinen Teil bei alledem.
So oder so wusste ich, dass es in der Schweiz eine Gedenkstätte gibt, meines Wissens nach die einzige in der Schweiz, die sich überhaupt mit jener Thematik, bei welcher sich die Schweiz wahrhaftig nicht mit Ruhm bekleckert hat, beschäftigt: Die Gedenkstätte für Flüchtlinge im Basler Ortsteil Riehen, in unmittelbarer Nähe zu Lörrach in Deutschland gelegen, nicht weit entfernt von der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten und von Jahr zu Jahr mit immer mehr Mitteln geförderten „Fondation Beyeler„. Aber hierher verirren sich nur wenige Menschen. Innerhalb von zehn Jahren gerade einmal 60.000, wie ich einem aufgehängten Banner entnahm. Die „Fondation Beyeler“ dürfte diese Zahl problemlos innerhalb von zehn Monaten erreichen. Ich kann mir solche Einschätzungen erlauben, schliesslich sehe ich, wieviele Fahrgäste aus meinem Tram ab und an aussteigen, um irgendeine Ausstellung in der Fondation zu betrachten. Ich bin wahrhaftig kein Mathematik-Genie, aber grob hoch rechnen kann ich allemal.
Diese Gedenkstätte entspricht nicht dem, was ich bisher zu jener Thematik in Deutschland, Frankreich, Italien und anderen Ländern kennen gelernt habe, es handelt sich nicht um ein weiteres Bauwerk, welches dezidiert errichtet wurde, um sich mit der Thematik der Ermordung von Millionen Juden zu befassen. Die Gedenkstätte ist in einem alten Bauwerk untergebracht, welches bereits in der Zeit des Zweiten Weltkrieges hier stand, ein kombiniertes Gebäude aus Wohnhaus und ehemaligem Stall, nicht weit entfernt vom Bahnhof Riehen gelegen. Dieses Gebäude war und ist ein Zeitzeuge, wie so viele andere Gebäude in jenem Teil von Basel, der sich seit dem Zweiten Weltkrieg nun einmal dankenswerter Weise nicht so verändert hat, wie „man“ das an anderen Orten der Schweiz wahr nehmen muss. Diese Gedenkstätte hat ihren Schwerpunkt nicht nur auf den Umgang der Schweiz mit Flüchtlingen jüdischen Glaubens ausgerichtet. Natürlich sind die massgeblichen Entwicklungen, die „Rahmenbedingungen“, auf der Seite Nazi-Deutschlands und der Schweiz mit ein Bestandteil, der Schwerpunkt aber liegt auf der Dokumentation und Schilderung von Einzelschicksalen, von Situationen, wie sie sich (nicht nur) hier im Ortsteil Riehen, sondern an vielen anderen Orten der Schweiz seinerzeit abgespielt haben. Es werden nicht nur die Schicksale derer beschrieben, die in der Schweiz einen trügerischen Zufluchtsort sahen, sondern auch die Schicksale derer, die entgegen seinerzeit geltendem Schweizer Recht gemäss ihrer eigenen Wertewelt handelten. Auf sehr kleinem Raum trifft man in dieser Gedenkstätte auf ein unglaublich umfangreiches Informationswerk! Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich jemals zuvor derart viel Literatur zu jener Thematik an einem Ort gesammelt angefunden hätte! Und auch in diesem Punkt unterscheidet sich diese Gedenkstätte von allen anderen, die ich bisher kennen gelernt habe: Man kann, darf und soll sich die Zeit nehmen, hier zu lesen! Zu diesem Zweck gibt es mehrere Orte in jener Gedenkstätte, an welchen man sich mit einem Buch eigener Wahl aus einem der zahlreichen Regale hin setzen kann, wenn man das möchte. Allein bei dem Studium der Buchtitel, die man hier lesen und bei Bedarf auch zu sehr zivilen Preisen erwerben kann, erinnerte ich mich an sehr viele Erzählungen aus den Zeiten, als ich noch in Deutschland lebte, an verschiedene Filme, die ich gesehen hatte, Dokumentationen. An diesem kleinen Ort in Riehen flossen für mich sehr viele Informationsfäden zusammen, ergaben die vielen Puzzle-Teile in meinem Kopf zum ersten Mal ein Gesamtbild ab, ein Bild, bei welchem die Schweiz als Staat seinerzeit in einem sehr fragwürdigem Licht erscheint. Für meine Begriffswelt.
Innerhalb jener Gedenkstätte fiel mir ein Ausstellungsexemplar gesondert auf: Vier in nüchternem Schwarz gehaltene Buchbände, allesamt betitelt mit dem Begriff „Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945“, heraus gegeben vom Bundesarchiv Deutschlands (man kann hier online nach Einträgen in jenem Namensregister suchen). In jenen vier Büchern sind Namen, Lebensdaten, Geburtsort und Sterbeort von Menschen fest gehalten, die während dieser Zeit ums Leben kamen. Aus blanker Neugier stöberte ich nach meinem Nachnamen. Wir war vorher bewusst, dass mein Nachname „Liedtke“ in exakt dieser Schreibweise in der Schweiz häufiger anzutreffen war und ist, als in jenem Land, aus welchem ich einst hierher kam: Deutschland. Mir war aber nicht bewusst, dass Menschen mit jenem Namen ganz offensichtlich aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit ermordet wurden. Mütterlicherseits sind meine „Ursprünge“ bestens dokumentiert und weit in die Vergangenheit nachprüfbar. Väterlicherseits sieht das ganz anders aus. Fest steht, dass die Mutter meines Vaters während des Zweiten Weltkrieges eine Sekretariatsfunktion in einem Reichsamt ausübte – und das ging nur, wenn „man“ zuvor den „Arier-Nachweis“ erbracht hatte. Aber diese drei „Liedtkes“, die ich in jenem Buch fand (und mit denen ich meines Wissens nach auch nicht einmal ansatzweise verwandt war und bin), waren vielleicht keine Arier, sondern sehr wahrscheinlich Juden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass es keine Juden, sondern aus politischen oder kriminellen Gründen verfolgte Menschen waren. Der Grund für die Deportation ist in jenem Sammelwerk nicht vermerkt.
Wie bereits angemerkt gibt es hier unglaublich viel zu lesen. Weil es sich vorwiegend um die Schilderung menschlicher Schicksale handelt, können einem selbst die hier dargebrachten Informationen durchaus näher gehen, als ginge es um eher allgemeine, ja unpersönliche Schilderungen aus jener Zeit. Obwohl ich bis zum Besuch. dieser Gedenkstätte davon ausgegangen war, dass ich ein diese Thematik betreffend sehr gut informierter Mensch bin, habe ich hier noch sehr viel Wissen dazu gewonnen, Dinge erfahren, die mir noch nicht bekannt waren. Dennoch waren es die Situationsbeschreibungen, an welchen ich immer wieder länger hängen blieb. Nachfolgend möchte ich Ihnen als Zitat den Inhalt eines doch ungewöhnlichen Polizeiprotokolls aus jener Zeit näher bringen, seinerzeit erstellt von einem Schweizer Grenzbeamten, der für die Ausschaffung und Zurückweisung von geflüchteten Juden aus der Schweiz zuständig war, eben hier in Basel, in jener Region um Riehen und Lörrach herum:
Versuchte illegale EinreiseMittwoch, den 21.November 1958, um 2120, erhielt ich als Offizier vom Dienst vom Riehenposten (Gefr. Randegger), folgende telephonische Meldung nach dem Lützelhof, wo ich einer LuftschutzÜbung beiwohnte: „Soeben berichtet das Zollamt Riehen-Stetten, dass sich an seiner Strassenpassierstelle ca. ein Dutzend jüdischer Emigranten deutscher Nationalität aufhalte. Die Gesellschaft bestehe aus Männern, Frauen und Jugendlichen. Die Leute möchten unbedingt in die Schweiz einreisen, seien zurückgewiesen worden, wollten sich aber dieser Massnahme nicht unterziehen. Das Zollamt ersuche um polizeiliche Intervention, es sei wohl am Besten, wenn die Emigranten von der Polizei abgeholt und nach dem Lohnhof überführt würden. Auf dem Riehenposten haben sich im Laufe des Abends bereits Emigranten eingefunden, denen der Grenz -Übertritt gelungen ist. Diese sind dem Lohnhof zugeführt worden.Auf diese Meldung hin habe ich verfügt:1. Der Riehenposten hat die nach dem Lohnhof geführten Emigranten sofort zurückzuholen und über die deutsche Grenze zu stellen.2. Den an der Passierstelle Riehen-Stetten wartenden Emigranten ist polizeilich zu eröffnen, dass ihnen die Einreise unter keinen Umständen gewährt werden kann. Wer es unternimmt, illegal einzureisen, hat mit der Ausweisung aus der Schweiz und mit der Uebergabe an das Bezirksamt Lörrach zu rechnen.Um 2140 gab mir Polm. Frautschi vom Zollamt Riehen-Stetten aus telephonischen Bericht, dass er der Emigrantengruppe meine Verfügung eröffnet habe. Die Leute weigerten sich jedoch, über die Grenze zurückzugehen. Sie hätten sich z.T. wohl bis zur eigentlichen Grenzlinie zurückgezogen, versuchten aber durch Schreien und Jammern Mitleid zu erwecken und die Zurückschaffung zu verunmöglichen, indem sie sich im Freien auf den Boden setzten und hinlegten. Anderseits sei zu beobachten, dass die deutsche Beamtenschaft jenseits der Grenze, vor deren Augen sich das missliche Schauspiel abwickle, sich um die Angelegenheit nicht bloss nicht annehme, sondern sich darüber im Gegenteil zu belustigen scheine. Er (Frautschi) halte es für gegeben, dass die Emigranten dem Lohnhof zugeführt werden.Ich beharrte hierauf nachdrücklich auf der Zurückweisung und erklärte Polm. Frautschi, dass im vorliegenden Falle nicht der Wunsch der Emigranten, sondern der Wille der schweizerischen Behörde massgebend sei. Auf die Frage, was zu tun sei, wenn die Leute weiterhin an der Grenze verweilen sollten, gab ich den Bescheid, dass ihre ständige Bewachung angeordnet werden müsste, nötigenfalls würde ich für polizeiliche Verstärkung sorgen, falls die Grenzwache diese Aufgabe nicht allein übernehmen könnte. Da ich den Eindruck erhalten hatte, dass die Zoll- und Polizeiorgane in Riehen der Sachlage etwas unbeholfen gegenüberstanden, erteilte ich dem Postenchef Clara, Korp. Lombardi, den Befehl, sofort mit dem Motorrad an die Passierstelle zu fahren und im Sinne meiner wiederholten Verfügung zum Rechten zu sehen. Unmittelbar nach dieser Anordnung wurde ich von Lt. Straub vom eidg. Grenzwachtkorps angerufen. Er teilte mir mit, er habe die Emigranten auf die Zollwache genommen. Mit der Möglichkeit, dass sie freiwillig zurückgingen, sei nicht zu rechnen. Sie klammerten sich mit Händen und Füssen an den Schweizerboden. Die deutschen Grenzorgane bekümmerten sich um den Vorfall gar nicht. Er schlage vor, ein geeignetes Auto beizuziehen, die Emigranten in dieses zu verladen, dann stadtwärts zu fahren und an geeigneter Stelle kehrt zu machen, um hiernach in direkter Fahrt über die Passierstelle wieder deutschen Boden zu gewinnen und die Emigranten der dortigen Behörde zu übergeben. Ich lehnte diesen Vorschlag, der reichlich nach Uebertölpeln roch, sogleich ab und erklärte, dass ich das Hereinnehmen der Leute auf die Zollwache als unvorsichtig erachte. Ferner fragte ich Lt. Straub, ob nicht der Versuch gemacht worden sei, mit den deutschen Grenzorganen in Verbindung zu treten, damit diese die Emigranten zur Rückkehr von der Grenze veranlassten. Falls dies nicht geschehen sei, möchte ich darum bitten, dass die Intervention der deutschen Grenzorgane nachgesucht werde. Um 2230 berichtete Polm. Frautschi, dass es jetzt gelungen sei, die Emigranten von der Zollwache aus an die Grenze zu stellen. Die Ausschaffung sei mit Schwierigkeiten verbunden gewesen. Ein Mann hätte sich auf den Boden gelegt und habe durch die Polizeizeimänner Frautschi und Lüdi an die Grenze getragen werden müssen. Der Meldung des Polm. Frautschi schloss sich der ergänzende Bericht des Lt. Straub an, dass die Demarche bei den deutschen Grenzorganen Erfolg gehabt habe. Diese hätten sich bereit erklärt, die Emigranten zu übernehmen. Es sei jedoch damit zu rechnen, dass sie im Läufer der Nacht an geeigneter Stelle schwarz über die Grenze kommen oder von der deutschen Polizei überstellt würden. Vie Verstärkung der Grenzbewachung durch Polizei wäre deshalb angebracht. Ich sicherte Lt. Straub auf 24:00 Uhr die Kommandierung von 6 Polizeimännern an die Kreuzung Lörracher-Inzlinger-Weilstrasse zu. Die Orientierung und Verteilung dieses Detachements übernahm Lt. Straub. Anschliessend gab ich dem Wachtchef Lohnhof, Korp. Jaggi, Weisung, die 6 Polizeimänner von verschiedenen Polizeiposten abzurufen und auf den angegebenen Termin nach Riehen zuschicken. Ergänzend sei beigefügt, dass nach meiner Erkundigung der Riehenposten die 5 dem Lohnhof zugeführten Emigranten weisungsgemäss zurückgeholt und der an der Passierstelle Riehen-Stetten wartenden Gruppe zugesellt hatte. Die Ausschaffung ist dann in einem Schub erfolgt. Zeit der Ueberstellung ca. 2220. In der Angelegenheit wurde ich heute Vormittag von der eidg.Fremdenpolizei (Hohl) angerufen. Diese hatte angeblich auf dem Zolldienstwege Kenntnis vom Vorfall erhalten. Ich gab über die Angelegenheit meinen Tatsachenbericht, in dem namentlich folgende Punkte berührt wurden:1. Unsere strikte Zurückweisung der an der Grenze wartenden Emigranten.
2. Die sofort veranlasste Ausschaffung der dem Lohnhof zugeführten Leute.
(…)
4. Die erfolgreiche Demarche bei den deutschen Grenzorganen. Ich teilte ferner der EFP mit, dass die gestrigen Ereignisse in Riehen im Zusammenhang mit andern Wahrnehmungen vermuten lassen, dass es in Südbaden von deutschen Juden, die nach der Schweiz drängen, wimmle. Eine Verstärkung der Grenzbewachung sei angezeigt.
In dieser Gedenkstätte erfährt der Besucher viel über die Mentalität und die Beweggründe des Schweizer Staates zu jener Zeit. Viele der dokumentierten Beweggründe und gesetzlichen Regelungen sind zur Zeit brandaktuell, es sind viele Parallelen wahrnehmbar zwischen der damaligen Zeit und den heutigen Gegebenheiten. Dennoch ist es ausgesprochen irritierend für mich gewesen, die „amtlichen“ Begründungen zu lesen, die nicht selten für eine Abweisung von Juden an der Schweizer Grenze sorgten – und damit den sicheren und unausweichlichen Tod jener Flüchtlinge besiegelten. Da tauchen Begrifflichkeiten wie zum Beispiel „wesensfremd“ auf (was dieser Tage mit der „moderner“ anmutenden Begrifflichkeit „wenig oder gar nicht integriert“ umschrieben wird), oder „arbeitsscheu“ auf. Ganz zu schweigen von zahlreichen anderen Umschreibungen, die allesamt auf die Abschottungs- und Eigensicherungsabsichten der Schweiz zu jener Zeit abzielten: Die hohe Arbeitslosigkeit, die „Überbelegung“ in akademischen Berufen, die hohe Last für die Bürger der Schweiz, die mangelhaften Aussichten auf Integration der Flüchtlinge und und und. An dieser Gedenkstätte sind aber auch die Namen von Menschen zu lesen, die sich alledem bewusst und aus voller Überzeugung widersetzten – und damit vielen Menschen das Leben retteten, die der Schweiz ansonsten spätestens seit 1942 wissentlich und aus blankem Kalkül ohne mit der Wimper zu zucken bestenfalls „lästig“ waren. Nicht von Profit und Vorteil für den Schweizer Staat. Verzichtbare Menschen. Dafür, dass sich die Schweiz wissentlich und teilweise sogar absichtlich mitschuldig gemacht hat an dem Schicksal tausender (!) von Flüchtlingen an den Landesgrenzen, dafür steht diese Gedenkstätte.
Wenigstens gibt es diese eine kleine Gedenkstätte auf Grund und Boden der Schweiz. Wenigstens diese eine kleine.
Man kann die Gedenkstätte natürlich mit dem eigenen Fahrzeug erreichen, allerdings stehen kaum Parkplätze zur Verfügung. Sinnvoller ist es, mit dem ÖV anzureisen, die Tram-Linie 6 der Basler Verkehrsbetriebe BVB (die grünen Dinger, nicht die gelb-roten „Creme-Schnitten“, wie man die Fahrzeuge der BLT hier zu nennen pflegt) führt bis zur Haltestelle „Weilstrasse“. Von dort aus sind es wenige Meter zu Fuss bis zur Gedenkstätte, die täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet ist. Der Eintritt ist frei.
