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1978 wurde bei Brienz im Kanton Bern das wohl bekannteste unter freiem Himmel gelegene Museum der Schweiz eröffnet, das Freilichtmuseum Ballenberg, welches fester Bestandteil der Grand Tour of Switzerland ist. Seither wurde das Areal des Museums stetig erweitert, heute stehen hier über 100 Gebäude, die die verschiedenen regionalen Siedlungsformen in der Schweiz vom ausgehenden 16. bis hin zum beginnenden 19. Jahrhundert spiegeln. Das Museum ist der grösste Arbeitgeber in jener Region, an die 200 Angestellten kümmern sich um den Erhalt und die Versorgung von bis zu 300.000 Besuchern pro Jahr (rückläufig…). Finanziert wird das Museum vor allem aus den Eintrittsgeldern, aber auch durch Fördervereine und kantonale Finanzhilfen. Und damit wäre ich auch schon bei einem wesentlichen Aspekt, den man in Betracht ziehen sollte, will man jenem Museum einen Besuch abstatten: Das geht ins Geld, „billig“ ist der Besuch jenes Areals wahrhaftig nicht. Lohnt sich dann aber eine solche Investition auch? Das hängt sicherlich ein klein wenig davon ab, was man von jenem Museum vorab erwartet…
Ich möchte ehrlich sein: Zwar erfuhr ich bereits recht früh nach meinem Zuzug in die Schweiz von der Existenz jenes Museums, jedoch stand es nie ganz oben auf meiner privaten „To do“-Liste. Nicht, das mich die dargestellte Thematik nicht interessieren würde, das ganze Gegenteil ist der Fall. Für mich als mittlerweile „einheimischen“ Bürger der Schweiz war und ist es aber wesentlich interessanter, die hier zusammengefassten Regionen der Schweiz vor Ort zu erleben – und nicht in einem Museum. Für einen Urlaubsbesucher aber ist dieses Museum sicherlich eine der besten Möglichkeiten sich ein Bild davon zu machen, wie Menschen in der Schweiz in dem genannten Zeitraum lebten, arbeiteten und ihre nicht selten durch Migration geprägte Kultur und ihre Brauchtümer erhielten und pflegten. Was diesen Aspekt anbelangt macht das Freilichtmuseum Ballenberg seine Sache wirklich gut, da hat ein „aber“ meines Erachtens keinen Platz, auch kann das grundlegende Konzept und dessen Umsetzung als gelungen betrachtet werden – mit einigen Abstrichen.
Wie bereits angemerkt finanziert sich dieses Museum zum grössten Teil durch die Eintrittsgelder. Bei rückläufigen Besucherzahlen muss aber die Stiftung, unter deren Schirmherrschaft das Freilichtmuseum Ballenberg betrieben wird, sich ständig um neue Einnahmequellen kümmern – und nicht alle davon haben mich begeistert, auch wenn sie mittlerweile als „selbstverständlich“ angesehen werden. Aufgrund der Grösse des Areals und der grossen Menge an Informationen aus Ausstellungsobjekten sollte man für den Besuch einen ganzen Tag einplanen, zumindest aber viele Stunden. Dementsprechend gibt es an verschiedenen Stellen natürlich auch Sitzgelegenheiten, Spielplätze und verschiedene Erscheinungsformen der Kulinarik. Für Familien mit Kindern ist das natürlich eine gute Sache und tatsächlich trifft man hier auf viele Familien. Und sehr viele Kinder. Eine gewisse Dickfelligkeit kann nicht schaden, vor allem bei Gratisangeboten, bei denen so manch ein Eidgenosse eine der hin und wieder zu beobachtenden Schweizer Uneigenarten unter Beweis stellt: Die Fähigkeit, sich vollkommen schmerzbefreit vorzudrängeln. Egal, wie gut „man“ eigentlich zu Fuss ist oder nicht, da können sich ab und an regelrechte „Heilungswunder“ abspielen…
Ich war ein klein wenig erstaunt, dass hier nahezu gar keine Asiaten anzutreffen waren. Im gesamten Museumsareal gibt es keine Schriftzüge in chinesischer Sprache! Das mag sicherlich auch damit zu tun haben, dass das Freilichtmuseum Ballenberg – noch – in Schweizer Hand ist und nicht wie zum Beispiel im nahe gelegenen Interlaken in chinesischer, wo viele touristische Attraktionen mittlerweile von Besuchern aus jenem Teil der Welt regelrecht geflutet werden. Einerseits freute ich mich über jenen Umstand, andererseits würde ich es begrüssen, wenn diese Touristen durch Besuch jenes Museums ein klein wenig mehr Verständnis für die Befindlichkeiten dieser Nation entwickeln könnten. Die Schweiz besteht nun einmal nicht nur aus Bergen, Seen, Panorama-Zügen und -Gondeln, Schokolade und teuren Uhren. Genau das beweist dieses Museum.
Viele der Gebäude wurden in der jeweiligen Region der Schweiz ab- und hier wieder aufgebaut, andere sind mit originalen Materialien und traditionellen Handwerksformen neu errichtet worden. Auch das kann man dem Museum attestieren: Authentizität ohne den anderenorts typischen Schweiz-Tourismus-Müll. Derzeit wird aber durch eine temporäre Zusatzausstellung auch daran erinnert, dass viel von dem, was hier konzentriert zu entdecken ist, letztlich durch Migration aus anderen benachbarten Ländern, aber auch durch Abwanderung aufgrund Armut zustande gekommen ist. Ja, es sind typische Beispiele für regionales Leben und Arbeiten. Aber es sind schweizerische, nicht vermeintlich typisch eidgenössische. Dennoch kann man in den Besuchermassen sehr wohl diejenigen finden, die das natürlich ganz anders sehen und entsprechend dozieren und auftreten. Auch das sollte man dulden können. Auch sollte man es ertragen, wenn einige Kinder sich hier so verhalten, als wären sie zuhause – und nicht in einem Museum. Es gibt zahlreiche wirklich gute und schöne Möglichkeiten, die eigene Brut zu beschäftigen, daran mangelt es im Freilichtmuseum Ballenberg wahrhaftig nicht. Umso störender empfand ich die Mentalität einiger Eltern, ihre Kinder alles so machen zu lassen, wie die sich das vorgestellt haben. Inklusive hemmungsloses Begrapschen von teilweise recht empfindlichen Exponaten, die definitiv nicht „zum ausprobieren“ platziert wurden.
Das Museum ist schön! Zahlreiche Exponate kannte ich noch aus meiner eigenen Jugend, viel wusste ich bereits aus Literatur und Kunst, in jungen Jahren habe ich selbst ein klein wenig in einem Freilichtmuseum von Berlin mitgewerkelt. Natürlich ist es schön, Handwerk selbst zu erleben und dann eben doch typische Produkte (wie zum Beispiel wirklich guten Käse und Wust aus eigener Produktion) entstehen zu sehen, zu erfassen, wie hart zuweilen das vermeintlich rustikal-romantische Schweizer Alpenidyll-Leben war und auch in bestimmten Regionen immer noch ist. Die Exponate sind wirklich sehr gut dokumentiert, mittlerweile auch vollumfänglich digital, weite Teile des Areals sind bedingt Rollstuhl-tauglich (aber kein einziges der alten Gebäude!), ja, man bekommt ein gutes Gesamtbild von der Schweiz, wie man sie vielleicht vorab im Kopf hat, ein Fehlgriff ist ein Besuch sicherlich nicht. Würde ich aber bedingungslos jedem Besucher dieses Landes einen Besuch des Freilichtmuseums zwingend empfehlen? Wahrscheinlich nicht. Ich ticke nun einmal etwas anders.
