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Lucelle – Fille de Mai – Lucelle: GPX | PDF
Länge: 8,44 Kilometer
Höhenunterschied: 215 Meter
(?)
Eine von einer Hexe in einen Stein verwandelte Frau, eine Grotte, eine sehr eigenwillig verlaufende Staatsgrenze, ein ehemaliges Kloster mit Besitz in zwei Staaten – das ist in dieser Rundwanderung enthalten. Aus rein historischer Sicht bewegt man sich auf höchst geschichtsträchtigem und interessantem Grund – aber vor allem in wunderschöner Natur! Der Anfang jenes Rundweges liegt in dem kleinen Örtchen Lucelle (ehemals auch als „Lützel“ bekannt, gleich lautend, wie der hier hindurch fliessende Wasserlauf). Obwohl man sich hier in unmittelbarer Nähe zum Nachbarstaat Frankreich bewegt und im Kanton Jura hauptsächlich Französisch gesprochen wird, gibt es in dieser Region regelrechte Sprach-Exklaven, einzelne Orte, in denen konsequent Deutsch gesprochen wird. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit hier. Lucelle ist Grenzort, demzufolge steht hier auch ein Zoll-Gebäude der Eidgenossenschaft. Allerdings sieht es nicht danach aus, als würden hier noch Zoll- und Grenzkontrollen durchgeführt, statt dessen dient dieses Gebäude mittlerweile als Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine, Autos mit entsprechendem Nummernschild stehen hinter dem Zoll-Gebäude. Wenn man einen Blick auf die Landkarte wirft, so fällt auf, dass das nördliche Ende des Sees die Staatsgrenze bildet, welche quer zwischen den wenigen Gebäuden des Ortes weiter verläuft. Auf den ersten Blick wirkt das ziemlich willkürlich, aber die Gründe hierfür sind alt, reichen bis zur Französischen Revolution zurück. Im Ort selbst trifft man auf ein paar Hinweise auf eine alte Abtei, allerdings findet sich vor Ort keinerlei Hinweis auf die religiöse Geschichte jenes Fleckchens. Einst stand hier eine Zisterzienser-Abtei, das Kloster Lützel. Obwohl diese Abtei „nur“ eine Art Filiale des Zisterzienserklosters Bellevaux war, so muss diese Anlage einst sehr gross gewesen sein, über weitaus mehr Gebäude verfügt haben. Viel ist davon nicht übrig geblieben. Und das ist der Revolution in Frankreich zu „verdanken“.
Ein auf französischem Boden angesiedeltes Adelsgeschlecht hatte einst die Ländereien um Lucelle herum als Lehen vom Erzbistum Basel angenommen, aber bereits lange zuvor (in etwa um 1123 n. Chr.) wurde dieser Kloster-Ableger gegründet. Die Geschichte bis zur Revolution ist gelinde gesagt „umfangreich“, deswegen beschränke ich mich auf die eher jüngeren Ereignisse. Während der Revolution wurde die Abtei und deren Grundbesitz 1789 zu Staatseigentum erklärt und verkauft, die Abtei selbst aber führte die Klostergeschäfte zunächst weiter, bis die Anlage 1792 geschlossen werden musste und die Zisterzienser-Mönche dazu gezwungen waren, Lucelle zu verlassen. 1801 wurden die Abtei-Gebäude verkauft und grösstenteils abgerissen, Teile der alten Architektur wurden in neue Fabrikbauten in der Umgebung integriert, bewegliche Dinge versteigert. Die Hinterlassenschaften jener Abtei sind weit im Umland verstreut, auch auf Schweizer Seite. Die Ländereien der Abtei wurden ebenfalls aufgeteilt. 1815 wurde der nördliche Teil der ehemaligen Abtei Frankreich zugeschlagen, der südliche der Schweiz – und so gehört seitdem der von den Mönchen einst zur Fischzucht künstlich angelegte See zur Schweiz und die wenigen verbliebenen Abtei-Gebäude zu Frankreich. Stichwort „Fabrikbauten“: Es ist den geologischen Entwicklungen geschuldet, dass bis 1860 ausgerechnet die Region um Lucelle herum für Frankreich von ausserordentlich wichtiger Bedeutung war. In dem Gestein verbarg sich viel Eisenerz – Grundlage für die Waffenschmieden Frankreichs. Keine 40 Jahre später aber war damit bereits wieder Schluss, seither ist es vor allem die Holzwirtschaft, von der diese Region lebt. Die wenigen Anstrengungen, seit Aufhebung der Eisengewinnung Herrbergsbetriebe am Laufen zu halten, wurden spätestens mit der Corona-Krise zunichte gemacht. Die wenigen verbliebenen Bauten der alten Abtei sind in einem jämmerlichen Zustand, das Fisch-Restaurant seit Jahren geschlossen, die Minigolf-Bahn, errichtet auf dem Gelände des ehemaligen Klostergartens, verrostet. Aber der Rasen drum herum wird noch immer gemäht…
Der See von Lucelle war einst fester Bestandteil der Abtei. Von den Mönchen künstlich angelegt, diente er der Fischzucht. Lange Zeit kümmerte sich niemand um diesen See, er drohte zu verlanden. Erst durch die Arbeit eines extra gegründeten Vereins und mit finanzieller Unterstützung verschiedener Organisationen und Unternehmen befindet sich dieser See von Lucelle seit 2014 in dem Zustand, in welchem man ihn derzeit erleben kann. Und trotzdem ist sein Fortbestand alles andere, als gesichert, viele weitere Arbeiten und Investitionen sind notwendig, dieses kleine Juwel in dieser strukturschwachen Grenzregion zu erhalten. Dafür haben sich nur wegen jener Arbeiten hier wieder seltene Pflanzen- und Tierarten angesiedelt, wie zum Beispiel der Eisvogel. Aber da gibt es noch ein anderes aussergewöhnliches „Ding“: Einen Monolithen, eine geologische Eigenwilligkeit, die man bereits von weit her sehen kann, wenn man mit dem Linienbus oder dem eigenen Fahrzeug hierher fährt. „La Fille de Mai“ – Die Tochter des (Monats) Mai ist der Legende nach eine von einer Hexe aus was für Gründen auch immer zu Stein verwandelte Frau. Fakt aber ist, dass dieser 33 Meter hohe Monolith bereits bei den Kelten von besonderer Bedeutung war, als dass dieser Stein für sie die Verkörperung der Erdengöttin Maia darstellte. Warum von dem Ding hier keine Bilder zu sehen sind? Die Antwort ist banal, wenn auch leicht beschämend: Wir sind schlichtweg an dem Abzweig vorbei gelaufen, zu schön war die Stimmung auf dem Weg…
Und damit bin ich bei der Wegbeschreibung angelangt. Grundsätzlich braucht es „nur“ etwas Ausdauer und gutes Schuhwerk, übermässig fordernd ist der Gesamtweg nicht. Aber es geht zuweilen doch steil bergauf und / oder bergab, ab und an ist der Untergrund nicht allzu trittfest, entsprechend trittsicher sollte man schon sein – und das gilt insbesondere für den kleinen Abstecher zu der Grotte am Wegesrand, sowie im Bereich kurz vor der maximalen Höhe dieser Wanderung. Vielleicht hatten wir einfach nur Glück, aber diese Region wird als sehr „nass“ beschrieben, die Winter sind hart und Sonnentage im Sommer sind wohl eine Seltenheit, entsprechend rutschig geht es wohl hier das ganze Jahr hindurch zu. Wenn man es aber langsam angeht und auch ein klein wenig voraus schaut, dann sind die „kritischen“ Abschnitte dieses Weges eine machbare Angelegenheit. Schmutzig werden Ihre Schuhe so oder so, also was soll’s? Die im Jura typischen Hochebenen sind von starken Winden und wenig schützendem Wald geprägt, entsprechend sollte man sich auf Temperaturschwankungen einstellen und vernünftige Kleidung mitnehmen. Es kann auf diesem Weg sehr kühl, aber auch sehr warm werden. Man bewegt sich auf den meisten Abschnitten in wunderschönen Mischwäldern, manchmal verläuft der Weg aber auch auf Grat-Abbruchkanten, hier ist stabiles Schuhwerk klar von Vorteil. Einen grossen Vorzug aber hat die hier beschriebene Rundwanderung: Sie scheint nicht stark frequentiert zu sein! Über lange Passagen hinweg begegnet man nicht einer einzigen Menschenseele, kann dem Rauschen des Windes in den Baumkronen und zahlreichen Vögeln beim Zwitschern ungestört zuhören. Mit Ausnahme der Strasse, über welche man nach Lucelle gelangt und welche offensichtlich bei Motorrad-Fahrern sehr beliebt zu sein scheint, hat man viel Ruhe in dieser eigenartigen Grenzregion zwischen Frankreich und der Schweiz. Den Ausgangspunkt dieser Wanderung kann man im übrigen sehr gut mit der Bus-Linie 8 von MobiJu ab dem Bahnhof von Delémont erreichen, allerdings sollten Sie einen Blick auf den Fahrplan werfen, denn regelmässig getaktet ist diese Linie nicht, im schlimmsten Falle müssen Sie eine längere Zeit an der Haltestelle „Lucelle“ warten…
