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Schmuggler-Wege im Tal des Doubs: GPX | PDF
Länge: 12,50 Kilometer
Höhenunterschied: 93 Meter
(?)
Wenn die Prostitution, das „horizontale Gewerbe“, der Volksweisheit nach das wohl älteste Gewerbe auf der Welt ist, dann ist die Schmuggelei, das Transportieren von normaler Weise mit sehr hohen Zöllen belegten Waren über Landesgrenzen hinweg, sicherlich das zweitälteste. Obwohl die Schweiz auf vielerlei Ebenen irgendwie mit der sie umgebenden Europäischen Union verbunden ist, hat sich bis zum heutigen Tage nichts daran geändert, dass das zweitälteste Gewerbe nachwievor ausgeübt wird. Schmuggelei über die Landesgrenzen der Schweiz hinweg hat fast schon Tradition, insbesondere in der Grenzregion zu Frankreich und ganz speziell im Tal des Doubs, dem wunderschönen Grenzfluss im Jura. Die Anfänge der mehr oder minder professionellen Schmuggelei in dieser Region reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück, als an die 60.000 aus religiösen Gründen verfolgte protestantische Hugenotten sich zum Untertauchen oder zur Flucht in die Schweiz und andere Länder genötigt sahen. Ohne diese Flüchtlinge wäre heute in der Schweiz wohl vieles anders: Sie waren vor allem in der Textil- und Uhrmacherindustrie, für die die Schweiz über lange Zeit weltweit bekannt war (Textilindustrie) oder bis heute noch ist (Uhrmacherhandwerk), die Grundlage für jeden Erfolg – allerdings nicht ganz freiwillig: Um in der Schweiz bleiben und ihr Handwerk ausüben zu dürfen, mussten sie viel von ihrem Wissen preis geben, welches sie einst in ihren „Werkzeugkoffern“ über die Grenze schmuggelten.
In der Region des Doubs-Tals verläuft ein Wanderweg zur Schmuggler-Thematik, der über 60 Kilometer hinweg auf sehr vielfältige Weise über den illegalen Warentransport informiert. 2015 wanderte ein Journalist der deutschen „Zeit“ jenen Weg ab und traf dabei auf Menschen aus jener Region. In einem später von ihm verfassten Bericht stiess ich über eine kurze Passage, ein Gespräch, welches jener Journalist mit einer Herbergsmutter im französischen Morteau führte, die gut verdeutlicht, wie diese Thematik bis zum heutigen Tage „gehandhabt“ wird:
„Seit der Loslösung vom Euro schmuggeln die Schweizer wieder alle wie verrückt“, sagt Pascale und knallt Rösti mit Speck auf den Tisch. „Vor allem Fleisch.“ Neulich sei ein Schweizer Pfarrer erwischt worden, mit 30 Kilogramm im Kofferraum. Ausrede des Scheinheiligen: Grillfest der Gemeinde. „Erlaubt ist nur ein Kilo pro Person pro Woche“, erzählt Pascale. „Deshalb laden sie am Wochenende vom Baby bis zur Großmutter alle ins Auto.“
Es scheint, als hätten besonders Kirchen-Geistliche kein grosses Glück bei ihren Schmuggelversuchen in jener Region gehabt, wie ein weiteres Zitat aus jenem Reisebericht beschreibt:
„Ja, es gab mal einen Pfarrer …“, beginnt eine Frau. Pfarrer-Schmuggelgeschichten scheinen hier beliebt zu sein. „… der hat Spitzenoberkleider aus Frankreich über die Grenze gefahren und in der Schweiz weiterverkauft.“ Das edle Motiv schiebt sie nach: „Um die Renovierung seiner Kirche zu finanzieren.“
Das, was mit den Hugenotten begann, hat also bis zum heutigen Tage immer noch Bestand, letztlich auch „Euro sei Dank!“. In zahlreichen Artikeln aus unterschiedlichen Quellen kann man nachlesen, wie kreativ man in jenem Gewerbe vorging oder vorgehen musste, nicht selten war Schmuggelei gerade im Tal des Doubs eine lebensgefährliche Angelegenheit und das nicht nur während der beiden Weltkriege, wo vor allem Luxus- und Konsumgüter, die beiderseits der Grenze ansonsten nicht oder nur sehr schwer zu beziehen waren, die Besitzer wechselten. Es wurde aber auch versucht, ganze Kuh-Herden von Frankreich in die Schweiz zu schmuggeln! Von je her versuchte (und versucht…) die Schweiz die eigene Wirtschaft zu schützen und so war es unter anderem lange Zeit verboten, bestimmte Kuh-Rassen, die mehr Milch produzierten, als einheimische, zu importieren. Nicht selten wurde noch direkt an der Grenze das beschlagnahmte Vieh geschlachtet. Natürlich wurde insbesondere während des bis 1999 in der Verfassung der Schweiz verankerten Absinth-Verbotes diese seit 1910 verbotene flüssige „Volksdroge“ hin und her geschmuggelt, aber auch als billiger Landwein deklarierter hochwertiger Cognac wurde Tanklastwagen-weise transportiert. Übrigens: Absinth ist in der Schweiz erst seit dem 1.3.2005 wieder vollkommen legal, in Frankreich erst seit dem 17. Mai 2011. Bis zum heutigen Tag wird an der Schweizer Grenze kräftig geschmuggelt und das betrifft wohl alle Kantone, die ihre Grenze mit einem EU-Nachbarn teilen.
Es war nicht das erste Mal, dass ich in dieser Gegend unterwegs war. Nur fuhr ich seinerzeit mit meinem ersten Motorrad in Begleitung eines guten Freundes hier herum und bereits damals war ich von der Ausstrahlung dieses Landstriches an der Grenze zu Frankreich sehr angetan, es war also nur eine Frage der Zeit, wann ich diesen Grenzabschnitt einmal zu Fuss erkunden würde, nur sollte das bei besserem Wetter statt finden, als es bei den Schmuggeleien wohl sonst üblich war. Zahlreichen im Internet und anderswo hinterlegten Informationen nach wurde vor allem in der Nacht und insbesondere bei stürmisch-nasskaltem Wetter in dieser Region geschmuggelt – was nicht bedeuten soll, dass die Schweizer Zöllner wetterscheu gewesen sind, es war nur für sie viel schwerer, die Schmuggler zu entdecken. Diese wiederum bedienten sich teilweise lebensgefährlicher Konstrukte, um die steilen Talwände des Doubs zu überwinden. Manchmal waren es einfache Baumstämme, nur rudimentär mit zusätzlichen Steighilfen in Form von einfachen Ästen versehen, die sie verwendeten. Die konnte man leicht und schnell aufstellen, aber auch ebenso gut in NullKommaNix im dichten Wald an den Ufern des Doubs verstecken. Nicht selten trugen die Schmuggler sogar lebende Tiere auf den Schultern, während sie ihre „Naturleitern“ hinauf und hinab stiegen. Offensichtlich war der Ertrag der Schmuggelei ihnen das Risiko, bei alledem das eigene Leben zu verlieren, wert. Nach dieser Wanderung können Sie sich gut ein Bild davon machen, welchen Gefahren sich die Menschen seinerzeit ausgesetzt haben, man bewegt sich hier in einer sehr wilden, nahezu unkontrollierten Natur.
Die Wanderung, für die man zumindest gegenüber Wasser unempfindliches, wenn nicht gar Wasser abweisendes Schuhwerk, Trittsicherheit und eine grundlegend vorhandene gute Ausdauer benötigt, beginnt in dem unscheinbaren Dörfchen Goumois im Kanton Jura. Goumois selbst hat ausser einer ÖV-Anbindung, einem nicht mehr bedientem Grenzkontrollpunkt auf Schweizer Seite und einem Gasthof-Betrieb nicht viel zu bieten, dennoch ereignete sich hier im Zweiten Weltkrieg eine Besonderheit: Ganze 12.000 Soldaten aus Polen, die an der Seite Frankreichs gegen die Deutsche Wehrmacht kämpften, machten sich auf Befehl ihrer Kommandeure am 20. Juni 1940 auf den Weg in die Schweiz und überquerten hierfür die Brücke, die über den Doubs hinweg den französischen und den schweizerischen Teil von Goumois bis zum heutigen Tage verbindet. Sie wollten sowohl für ihr eigenes Land, als auch für Frankreich gegen die Deutschen kämpfen. Unweit von Goumois am Clos du Doubs aber verloren sie derart viel Munition, dass ihnen der weitere Kampf unmöglich erschien. Die Schweiz nahm die polnischen Soldaten auf, verteilte sie über das ganze Land, wo sie vorwiegend zum Strassenbau (die heute noch als „Polenwege“ bekannten Strassen der Schweiz) eingesetzt wurden. Obwohl zu jener Zeit für internierte Soldaten strenge Regeln galten, wurden die Soldaten offen und freundlich von der Zivilbevölkerung aufgenommen. Mit besonderer Erlaubnis durften sogar Heiraten zwischen den Soldaten und Frauen aus der Schweiz statt finden. Letztere verloren zwar damit automatisch ihre Schweizer Staatsbürgerschaft, konnten diese aber nach fünf oder mehr Jahren erneut wieder erlangen, die verheirateten polnischen Soldaten erst nach mehr als 12 oder mehr Jahren überhaupt beantragen. Die meisten Polen wanderten aus, einige wenige aber blieben in der Schweiz. In Angedenken an jenes Ereignis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde eine entsprechende Gedenkplakette in der Fassade des Schweizer Grenzkontrollpunktes eingelassen.
Von Goumois aus geht es gleich auf die französische Seite des Doubs – und die unterscheidet sich stark von der Schweizer Seite! Die Wegabschnitte hier sind oftmals sehr matschig, schmal und unwegsam, dafür aber umso reizvoller. Hier kann man über lange Abschnitte hinweg nicht nebeneinander gehen, man muss sogar eine alte Metall-Leiter bezwingen, es geht oft steil bergauf oder bergab – typische, wunderschön-wilde Jura-Natur! Hier sollte man einfach gewisse Untergrundszustände ignorieren und darauf hoffen, dass man keine nassen Füsse bekommt, dafür wird man mit ausgesprochen vielen wunderschönen Aussichten auf den Doubs belohnt! Ab und an gibt es Flecken, an denen man länger verweilen und bei Bedarf auch Grillieren kann, Feuerholz wird offensichtlich kostenlos an solchen Orten zur Verfügung gestellt, irgendeine gute Seele pflanzt an einer jener Stellen sogar für diese Region typische Kräuter und Gewürze an. Wenn man seine sieben Sinne benutzt, kann man viele Düfte wahr nehmen, seltenen Vogelstimmen lauschen oder mit blossem Auge sehen, wieviel Leben hier an den Ufern des Doubs sich tummelt. Der französische Teil dieses Weges ist der deutlich anspruchsvollere – aber der auch durchweg schönere!
Auf Schweizer Seite geht es ganz anders zu, deutlich geordneter, überschaulicher und weniger anspruchsvoll. Wer sich die Wildheit des Doubs nicht zumuten möchte, sollte sich ausschliesslich auf Schweizer Seite bewegen, hier sind die Wege gut ausgebaut, geradezu grosszügig dimensioniert und vor allem weitestgehend befahrbar, Schuhwerk sollte gegenüber Wasser unempfindlich sein, besonderes Wanderschuhwerk braucht es aber nicht. Nicht umsonst ist diese Seite des Doubs auch für Mountainbiker gut erschlossen worden. Auf dieser Seite jenes Grenzflusses gibt es aber auch überhaupt Restaurants und Gasthöfe mit Übernachtungsmöglichkeit, auf französischer Seite gibt es das nicht. An dieser Stelle auch gleich noch eine Anmerkung: Soweit ich das erfassen konnte, ist nur in Goumois (Schweizer Seite) ein Trinkwasserbrunnen vorhanden. Nehmen Sie sich also genügend Flüssigkeit für diese Wanderung mit! Generell eignen sich die Ufer des Doubs auf Schweizer Seite durchaus für eine Mehrtagestour zum Beispiel von Goumois bis La Chaux-de-Fonds, es sind genügend Herrbergen auf dem Weg vorhanden, sonderlich hohe Ansprüche an den jeweiligen Unterbringungsstandard sollte man aber nicht stellen. Auf Schweizer Seite gibt es auch mehr Camping-Plätze! Wer das unbedingt will, kann den Doubs auch mit dem Kajak erkunden. Mir für meinen Teil würde es reichen, ein oder zwei Nächte an den Ufern jenes wunderschönen Flusses im Zelt zu verbringen. Hier bin ich nicht zum letzten Mal gewesen!
