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Vor den Toren von Basel in der Schweiz liegt eines der meiner bescheidenen Meinung nach sehenswertesten Museen überhaupt – wenn man sich für Design (genauer: vorwiegend Möbeldesign) interessiert. In der deutschen Stadt Weil am Rhein kann man auf dem Vitra Design Campus den eigenen Hunger nach gutem Design problemlos stillen und bei Bedarf auch das eigene Portemonnaie in NullKommaNix restlos plündern, denn hier kann man sogar Design-Möbel kaufen, neu, wie auch in gebrauchtem Zustand, aber dazu später mehr. Die Geschichte von Vitra beginnt 1937, aber erst 1957 sollte das beginnen, womit Vitra bis zum heutigen Tage bekannt geblieben ist: Die lizensierte Produktion von Möbeln aus der Herman Miller Collection, in der sich auch jene markanten Objekte befinden, die von Charles und seiner Frau Ray Eames entworfen wurden. Vielleicht sagen Ihnen diese Namen jetzt nichts, aber ich bin mir sicher, dass auch Sie irgendwann einmal unwissentlich mit irgendeinem Möbel oder Gegenstand aus jener Design-Schmiede in Kontakt gekommen sind, die Eames-Objekte sind sehr weit verbreitet. 1960 beginnt der Gründer von Vitra Willi Fehlbaum selbst mit der Herstellung von Möbeln, der 1967 hergestellte „Panton Chair“ brachte dem Unternehmen jenen besonderen Ruf ein, für das Vitra nachwievor weltweit bekannt ist. Dass der Vitra Design Campus unweit der Nationengrenze zwischen Deutschland und der Schweiz liegt, ist kein Zufall. Keine fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges verlagert Willi Fehlbaum die Produktionsstätten, die einst in Birsfelden in der Schweiz lagen, in das deutsche Weil am Rhein, der Firmensitz aber verblieb in Birsfelden. Vitra ist somit ein Paradebeispiel für grenzübergreifende Zusammenarbeit.
1981 werden die Produktionsanlagen von Vitra in Weil am Rhein durch einen Grossbrand weitestgehend zerstört. Der erforderliche Neubau von vier Fabrikhallen wird jetzt durch das Gestaltungskonzept „Vitra Design Campus“ erweitert, dem Areal, auf dem sich heute die Ausstellungsräumlichkeiten befinden. Allein diese Bauwerke lohnen einen Besuch jenes Campus, selten habe ich eine derartige architektonische Vielfalt auf einem einzigen Gelände gesammelt angetroffen! Der Hauptbestandteil des Campus, das „Vitra Design Museum“ wird von Frank Gehry entworfen und 1989 eröffnet, der besonders auffällige Betonbau, der wie ein Keil in die Landschaft ragt, wird von Zaha Hadid entworfen und 1993 als Feuerwehrhaus eröffnet. Im gleichen Jahr wird der Konferenzpavillon eröffnet, der als erstes Bauwerk von dem japanischen Architekten Tadao Ando überhaupt ausserhalb von Japan errichtet wird. Welche Bedeutung Vitra aber als privat getragene Kulturinstitution in der Welt mittlerweile hat, belegt der Umstand, dass das Vitra-Haus von keinem geringeren Architekturbüro als Herzog & de Meuron entworfen und 2010 auf dem Campusgelände eröffnet wird, 2016 wird das ebenfalls von Herzog & de Meuron entworfene Schaudepot eröffnet. Sehr viel Design! Für offensichtlich sehr viel Geld. Für Architekturfreunde wie mich aber ein regelrechter Spielplatz, um das eigene fotografische Auge mal wieder so richtig auf Trab zu bringen.
Der Schwerpunkt von Vitra liegt eindeutig bei Sitzmöbeln und Leuchtelementen, aber ganz generell hat sich dieses Unternehmen dem für meinen Geschmack sehr ansprechenden Design von so ziemlich allen Möbelarten verschrieben, die unsere Lebensbereiche in einem Haus oder einer Wohnung begleiten. Ja, es ist ein schlichtes, manchmal sogar sehr nüchternes Design, aber eines, welches nie kalt und abweisend wirkt. Es ist eine wahre Freude, durch speziell dieses Bauwerk zu wandeln und jene Lebensbereichgestaltung zu erleben. Man darf sich all das nicht nur anschauen, viele Möbel kann man selbst ausprobieren. Wie das mit Design so ist, ist aber nicht alles wirklich „funktional“ oder meinetwegen „praktisch“, es ist klar, dass so manches Mal das Design den Zweck formte – und nicht umgekehrt. Mir persönlich hat das Badezimmer besonders gut gefallen. Meine weibliche Begleitung aber hat das nahe liegender Weise aus einem ganz anderen Blickwinkel erfasst und mindestens ebenso nahe liegender Weise als zumindest „fragwürdig“ erachtet, was da als Badewannen-Waschbecken-Kombination aus rosa Marmor gefertigt im Raum stand. Aber mal ganz ehrlich: Wer so viel Geld für eine derartige Architektur und ein solches Innenraumdesign ausgeben kann, hat in der Regel auch das entsprechende Personal um die Spuren des „normalen“ Lebens an Designstücken entfernen zu lassen…
Gutes, nachhaltiges und vor allem hochwertiges Design ist nun einmal eine kostspielige Angelegenheit. Diese Tatsache spiegelt sich auf dem Vitra Design Campus in vielen Details. Man kann hier gebrauchte Möbelstücke erwerben, die vor dem Wiederverkauf gegebenenfalls noch mal aufgearbeitet wurden. Wer allerdings glaubt, in jenen Gebrauchtausgaben ein Schnäppchen machen zu können, der irrt. Und zwar grundlegend! Zum Teil sind die Preise für gewisse Kombinationen immer noch im Bereich eines eines gut ausgestatteten Mittelklassewagens angesiedelt. Wer es nun lieber bei einem Traum von alledem belassen und sich mit einer Miniaturausgabe eines Traum-Sessels oder Stuhls begnügen will oder muss, sollte sich mit dem Umstand arrangieren, dass der Preis für eine solche Miniatur lediglich in dem Bereich proportional verkleinert wurde, wie die Dimensionen des Original-Möbels zur eigentlichen Miniatur. 200 bis 400 Euro sind für gewisse Mini-Designstücke hin zu blättern. Sie sind gewarnt! In einem gewissen Sinne muss ich Sie auch in Bezug auf den Eintrittspreis zu zwei Gebäuden auf dem Campus warnen, den beiden wichtigsten. Erwachsene Personen bezahlen satte 25 Euro! Nun gut, die Preise erklären sich durch die private und meines Wissens nach in keiner Art und Weise subventionierte private Trägerschaft, aber solche Eintrittspreisregionen schrecken nun einmal die ab, die sich sehr wohl für Design interessieren – aber auch den Euro oder den Franken unter Umständen drei Mal umdrehen müssen. Man kann selbstverständlich auf jenem Campus auch den eigenen Magen verwöhnen. Aber auch hier die nachdrückliche Warnung: Auch das wird alles andere als billig! Ob es wenigstens gut ist, was dort angeboten wird? Keine Ahnung, wir haben das nicht getestet.
Ebenso haben wir uns nicht die Sonderausstellung zu Gemüte geführt, die sich mit dem Design des amerikanischen Sportartikelherstellers „Nike“ befasst. Wir beide haben es nicht so mit den USA im Allgemeinen und speziell mit dieser Marke. Wenn ich mir unansehnliche Sneaker ansehen will, dann muss ich nur meinem Hauptberuf nachgehen, da bekomme ich das sogar noch bezahlt. Wirklich sehenswert ist aber die derzeit laufende Ausstellung „Science Fiction Design„. Ich habe mich vorab nicht darüber informiert, welche Ausstellungen auf dem Vitra Campus derzeit überhaupt angeboten werden, umso erfreuter war ich, speziell in diesem Bereich so viele Dinge wieder zu entdecken, die mir vor allem aus Filmen wie „Blade Runner„, „Dune„, „2001: Odyssee im Weltraum„, „Mon Oncle“ (eine französische Komödie mit dem von mir so geliebten Jacques Tati) und anderen bekannt waren und sind. In jedem Fall ist der Besuch des Vitra Design Campus eine ausgesprochen interessante Angelegenheit! Denken Sie bitte daran, Ihre ID oder Ihren Reisepass mitzunehmen, insbesondere, wenn Sie mit der Tram-Linie 8 der BVB anreisen, es wird immer noch sehr intensiv an der Nationengrenze kontrolliert (Stand: Januar 2025). Und natürlich bitte ausreichend Geld mitnehmen. Sollten Sie sich keinen Designsessel leisten können (auch nicht in einer Miniatur-Ausgabe), so können Sie immer noch es all den Einkaufstouristen aus der Schweiz gleich tun und ihren Frust über schlichtweg angemessen teures Design in den örtlichen Einkaufszentren anderweitig kompensieren…
