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Wer deutsche Geschichte nicht nur, aber vorwiegend jüngeren Datums, sowie teilweise hochaktuelle Entwicklungen auf der ganzen Welt verstehen will, kommt früher oder später nicht darum herum, sich sowohl mit dem Holocaust, der Ermordung und Vertreibung von anders denkenden und lebenden Menschen, Antisemitismus, Wiedererstarken von nationalistischen Tendenzen, Verklärung der Geschichte und zahlreichen anderen Themen zu befassen. Zugegeben: Der Spagat, den man machen müsste, um alle zugehörigen Aspekte und Themenbereiche abzudecken, wäre riesig und vor allem sehr fordernd. Dass das aber sehr wohl machbar und vor allem unaufdringlich möglich ist, beweist das Jüdische Museum in der Lindenstrasse 9 – 14. Selten habe ich ein Ausstellungsangebot als derart aktuell und wichtig empfunden und ich habe mich in meinem Leben sehr oft und intensiv mit alledem befasst.
Ich kann mich nicht entsinnen, wann genau ich in diesem Museum bereits vor vielen Jahren schon einmal war, es liegt aber mehr als sechs Jahre, dem Zeitraum meines letzten Besuches in Berlin, zurück. Seinerzeit hatte ich keine wirklich brauchbare Kamera, somit sind damals auch keine Bilder entstanden, die ich hier mit verarbeiten könnte. Ich mag mich darüber hinaus daran erinnern, dass seinerzeit nicht alle Bereiche jenes Museums begehbar waren und es auch bei Weitem nicht derart viele Exponate gab, wie man sie dieser Tage in jenem hoch interessanten Bauwerk vorfinden kann. Vielleicht habe ich jenes Museum einst kurz nach dessen Eröffnung besucht, was dann entweder 2001 oder 2002 gewesen wäre, aber eben, ich kann mich nicht mehr entsinnen. So oder so werde ich den diesjährigen Besuch sehr wahrscheinlich noch lange in Erinnerung behalten, so informativ und wertvoll empfand ich das, was im Jüdischen Museum gezeigt wird.
Entgegen durchaus berechtigter Vermutungen befasst sich jenes Museum aber nicht allein mit der Verfolgung und Ermordung von Juden im Dritten Reich, vielmehr umspannt das Jüdische Museum einen riesigen Zeitraum, der irgendwo um 1100 nach Christus beginnt und bis zum heutigen Tage reicht und vorwiegend die Geschichte jüdischen Lebens und Kultur vorwiegend (aber nicht ausschliesslich) im deutschen Raum umfasst. Es werden sehr viele verschiedene Themenbereiche angeschnitten. In ihrer Gesamtheit vermitteln sie genau das, was bedauerlicher Weise bis zum heutigen Tag offensichtlich immer noch nicht von sehr vielen Menschen angenommen und akzeptiert wird – und wohl leider einmal mehr auch immer weniger akzeptiert wird, Wahlergebnisse in Weissrussland, Polen, den Niederlanden, Italien, ausgerechnet einmal mehr in Deutschland als auch in noch vielen weiteren Nationen dieser Welt spiegeln die beängstigenden Entwicklungen, die wider jede Erfahrung einmal mehr salonfähig werden. Antisemitismus als eine Form der Ablehnung unbekannten oder anderen Lebens tritt immer öfter und offener auf. Die Ausstellungsthemen dieses Museums versuchen durch Information, Richtigstellung und letztlich auch durch Aufklärung solchen Entwicklungen entgegen zu wirken. Ob das etwas bringen wird, solange diejenigen, die solche Entwicklungen befeuern, sich solche Ausstellungen nicht ansehen, obwohl das meines Erachtens nach dringend notwendig wäre und im Falle von Politiker-Ausgaben im Stil einer A. Weidel meines Erachtens zwingend gesetzlich vorgeschrieben werden müsste, möchte ich bezweifeln. Ich hoffe sehr, dass sich gewisse Teile der Geschichte nicht wiederholen, insbesondere die, die ab 1933 verstärkt ihren Lauf nahmen. Es waren Menschen, die mit dem Leben bezahlen mussten, wofür sie einstanden, woher sie kamen oder woran sie glaubten. Das Jüdische Museum erinnert nicht nur daran, es lädt zum Entdecken und Verstehen von etwas ein, was gar nicht einmal so anders ist, wie viele andere Weltanschauungen, Überzeugungen und Lebensweisen – wenn man es mit aufgeklärten und vernünftigen Menschen zu tun hat. Und nicht mit Hetzern wie eine A. Weidel und andere.
Was aber dieses so wichtige und hervorragend konzipierte Museum zu diesem Zweck zu bieten hat, müssen (und sollten…) Sie schon selbst entdecken. Das Argument, dass ein etwaig erhobener Eintrittspreis zu hoch sei, ist vollkommen überflüssig. Der Eintritt ist kostenlos, einen „echten“ Grund dafür, sich das Informationsangebot dieses Museums nicht zu Gemüte zu führen, gibt es meines Erachtens nicht, es sei denn, man gehört zu jener voreingenommenen, intoleranten, vorverurteilenden, meistens unwissenden und somit brandgefährlichen Sorte Mensch, denen derzeitige politische Rechtsbewegungen auf der ganzen Welt sehr entgegen kommen.
Bereits bei meinem ersten Besuch war ich von einem Kunstwerk im Jüdischen Museum sehr angetan und ergriffen und auch dieses Mal hatte jenes Kunstwerk eine sehr starke Wirkung auf mich. Irgendwo im unteren Bereich des vom Architekten Daniel Libeskind entworfenen und umgesetzten Neubaus des Jüdischen Museums befindet sich jenes aussergewöhnliche Werk des israelischen Künstlers Menashe Kadishman, eine begehbare (!) Installation aus zehntausend grob bearbeiteten schwergewichtigen Metallplatten unterschiedlicher Stärke, die schmerzverzerrte oder zumindest traurige Gesichter zeigen und die sich auf einer Länge von mehr als zwanzig oder dreissig Metern über den Fussboden eines kargen Schachtraumes ergiessen. Das Kunstwerk mit Namen „Shalechet“ („Gefallenes Laub“) ist dem Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewalt gewidmet, also nicht nur Juden. Vielleicht sollten sich dieses Werk dieser Tage auch mal ein paar „Staatsmänner“ anschauen, insbesondere der derzeitige Präsident des Landes, aus welchem der Künstler stammte. Dringend notwendig wäre es meines Erachtens nach.
Es ist unmöglich, geräuschlos über jene Gesichterfläche, die sich aus einem dunklen Loch, welches sich am Ende des lang gezogenen Schachtraumes befindet, über den Boden ergiesst, zu gehen. Ich denke, dass das auch beabsichtigt ist, der Ton der aneinander schlagenden schweren Metallplatten ist bereits von weit her zu hören. Die Tatsache, dass man beim Begehen jenes Raumes auf und in Gesichter tritt, wirkt auf mich besonders beklemmend. In seinem stark reduziert daher kommenden Erscheinungsbild besitzt jenes Kunstwerk eine ausgesprochen starke Wirkung auf sehr vielen Ebenen – wenn man für derartiges einen Sinn hat, gänzlich unbeeindruckt wird aber wohl kaum jemand jenen Raum wieder verlassen haben.
Der Neubau fügt die Exponate und Informationen auf sehr spezielle Art und Weise zusammen. Auf Höhe des Kellers, welches undefinierbar in das Erdgeschoss über gehen zu scheint, weist keinerlei rechten Winkel auf, weiterhin besteht der Boden aus geschrägten Ebenen. Erst mit Aufstieg im Gebäude wandeln sich die schrägen Ebenen und Linien in „normale“ Architektur, bekannte Raumdimensionen und dennoch scheinen auch hier die geltenden Gesetze jener Kunst immer wieder durch schräg verlaufende Elemente aufgehoben zu werden. Das gesamte Gebäude scheint ein in Beton verewigtes Sinnbild für die zerrissene Geschichte (nicht nur) der Juden in Europa und insbesondere in Deutschland zu sein und dennoch überschattet diese sehr eigene symbolträchtige Architektur nicht die Wichtigkeit der Exponate, weder in der Dauerausstellung, noch in den zeitlich begrenzten Themenausstellungen. Bringen Sie Zeit mit! Es sind fast schon zu viele Informationen, die hier dargeboten werden, dafür laufen Sie im Jüdischen Museum nicht Gefahr, nur oberflächlich und touristisch abgefertigt zu werden, wie das zum Beispiel im DDR Museum der Fall ist, auch haben Sie hier weitaus mehr Raum und Ruhe, diese beeindruckende Sammlung wider dem Vergessen zu studieren. Für meine Begriffswelt ist dieses Museum fast schon ein Pflichtteil auf einer Berlin-Besuchsliste.
Man mag argumentieren, dass es in Berlin bereits zahlreiche Ansätze im Stadtbild gibt, die sich vorwiegend mit der Verfolgung und Ermordung (nicht nur) von Juden in der Zeit des Dritten Reiches befassen. Tatsächlich gibt es kaum eine Region in dieser Stadt, in welcher man nicht über entsprechende Hinweise stolpert. Derart umfangreich, zusammenhängend, stringent und vor allem objektiv wie im Jüdischen Museum werden Sie aber nirgends vergleichbar viel über das erfahren, was sich seit vielen Jahrhunderten immer wieder in Europa abgespielt hat und sich erneut abzuspielen droht, wenn man nicht den Anfängen wehrt. Ich empfand es als ausgesprochen wohltuend fest stellen zu dürfen, dass die Schulklassen, welche sich am Tage unseres Besuches im Museum aufhielten, meistens sehr diszipliniert und vor allem interessiert zeigten, sich offensichtlich bewusst mit dieser so schwierigen und sperrigen Thematik befassen wollten. Aufgefallen ist mir, dass es aber vergleichsweise wenige Besucher gab, die meiner Altersgruppe entsprachen – obwohl Wochenende war und obendrauf eher schlechtes Wetter war. Die grösste Gruppe aber bestand aus älteren Generationen. Ich könnte lange darüber spekulieren, wie es wohl zu jenem Ungleichgewicht im Besucherspektrum gekommen sein mag, vielleicht war es nur Zufall, vielleicht aber auch nicht.
