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- Wirtschaftsfaktor „Weihnachtsmarkt“

In einem Punkt unterscheidet sich die Schweiz wenig bis gar nicht von seinen europäischen Nachbarn: Weihnachtswahnsinn. Insbesondere die grossen Städte wie Bern, Zürich, Basel, Sankt Gallen, Baden und andere ziehen in der dunklen Jahreszeit zahlreiche Gäste an, nicht selten auch viele aus fernen Ländern. Im Dreiländereck von Frankreich, Deutschland und der Schweiz ist der Basler Weihnachtsmarkt nahe liegender Weise der Magnet schlechthin, oder wie es eine Mitarbeiterin von „Basel Tourismus“ jüngst in einer Zeitung beschreib: „Ein Wirtschaftsfaktor“. Während hier mobile Sperren und ein aufgestocktes „Sicherheitsdispositiv“ das Fest der Liebe schützen, feiern Schweizer, EU-Bürger, US-Amerikaner, Russen, Ukrainer und andere diese Zeit – während gleichzeitig sich britische Fussballfans mit Glühwein und anderem sehr „weihnachtlichem Getränk“ für das bevorstehende Fussballspiel im „Joggeli“, wie Herr und Frau Basler ihr Stadion nennen, aufwärmen. Apropos „Sperren“: Wohin diese „Sicherheitsmassnahmen“ führen können, zeigte jüngst die Stadt Augsburg im benachbarten Deutschland, innerhalb kürzester Zeit bereits hier und hier parodiert…
Lassen Sie sich nicht täuschen! Mit nahezu gebetsmühlenartig anmutender Beständigkeit wird in diesem Land vorab irgendein Weihnachtsmarkt als der schönste der Schweiz, wenn nicht der ganzen Welt angepriesen – nur um wenige Tage später von einer sehr ähnlich lautenden „Richtigstellung“ einer anderen Ortschaft abgelöst zu werden. Zumindest in keiner der grösseren Ortschaften der Schweiz geht es beim Wirtschaftsfaktor „Weihnachtsmarkt“ noch um das Fest an sich. Gefühlt 80 bis 90 Prozent des Angebotes drehen sich um Fressen und Saufen, zuweilen fahren Schweizerinnen und Schweizer gezielt deswegen in andere Städte. Auch wir sind ein klein wenig in diesen Wirtschaftsfaktor abgetaucht, haben in Augenschein genommen, ob es irgendwelche Unterschiede zu den Orten gibt, die wir bereits zuvor in dieser Jahreszeit besucht hatten. Im Endeffekt reduziert sich die Unterschiedlichkeit der Weihnachtsmärkte in der Schweiz auf das Erscheinungsbild der Ortschaften, in denen sie statt finden. Da hat die Schweiz natürlich gegenüber vielen Metropolen Europas einen grossen Vorteil: Die Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört und somit profitiert jeder Weihnachtsmarkt hier in diesem Land automatisch von einem verstärkenden Ambiente alter Zeiten. Auf das Angebot hat das nur wenig Einfluss, typisches Lokal-Kolorit, regionale Spezialitäten und dergleichen gibt es zwar auch, allerdings ist das im direktem Vergleich zum sonstigen Angebot deutlich in der Unterzahl. Und was in Bezug auf „Dekoration für das Fest der Liebe“ erhältlich ist, stammte nicht gerade selten aus Fernost – und nicht den klassischen Produktionsstätten in Europa, die einst das Erscheinungsbild von Weihnachten überhaupt erst prägten.
Natürlich haben wir uns schlau gemacht, wollten kleinere Märkte in der „Provinz“ der Schweiz besuchen. Im Gegensatz zu den grossen Städten dieses Landes dauern die Weihnachtsmärkte dort aber oft nur einen einzigen Tag, eben einen „Markt-Tag“ – und nicht mehrere Wochen. Aus beruflichen Gründen passte es bisher einfach nicht! So lagen die Termine für jenen einen Tag zum Beispiel in Romont oder Saint-Ursanne mitten in einer Arbeitswoche. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf und suchen weiter. Nach allem, was wir bisher ermitteln konnten, sind Weihnachtsmärkte abseits der grossen Städte bei Weitem noch nicht der Wirtschaftsfaktor, sondern widmen sich diesem Fest immer noch so, wie es einst angedacht war – ganz ohne unweihnachtliche Fresse- und Sauferei direkt nach Büro-Schluss, bis zum Ende eines Wirtschaftsfaktors „Weihnachtsmarkt“ erneut gebetsmühlenartig repetiert und zelebriert. Bis die Bürgersteige hoch geklappt werden und sogar grössere Städte wie Basel wenigstens für ein paar wenige Stunden die Ruhe ausstrahlen, die dieses Fest einst so wichtig gemacht haben. Wird sich an alledem irgendwann mal etwas ändern, diese besondere Form von Konsumschlacht einem schönen Weihnachtsfest weichen? Wohl kaum. Zürich macht es dieser Tage vor, dort soll ab kommenden Jahr der Wirtschaftsfaktor „Weihnachtsmarkt“ in einem neuen Gewand daher kommen, schliesslich muss Zürich seinen Besuchern immer etwas neues bieten (und sei es nicht unbedingt der schönste, zumindest aber im Lande ungewöhnlichste Wirtschaftsfaktor). „Panem et circensis“ im Weihnachtsgewand. Wenig besinnlich.
