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Im Vorfeld unserer fünftägigen Reise nach Praha haben wir natürlich überlegt, was wir alles sehen wollten. Fünf Tage sind alles andere als ausreichend, um den Reichtum dieser Stadt auch nur im Ansatz zu erkunden, umso mehr überlegten wir hin und her, ob wir uns ein ganz bestimmtes Ziel ausserhalb von Praha ansehen wollten, schliesslich würde bei dem Besuch fast ein ganzer Tag für dieses Konstrukt unseres Interesses alleine „drauf gehen“. Dennoch entschlossen wir uns zu diesem Besuch und fuhren nach Terezín, besser bekannt als „Theresienstadt“. Es sollte eine bewegende, alles andere als „touristisch schöne“ Zeit werden und dennoch möchten wir die Erinnerungen an jenen so geschichtsträchtigen Ort nicht mehr missen.
Um es kurz zu machen und denjenigen etwas näher zu bringen, die so gar nichts mit den Ortsnamen Terezín oder Theresienstadt anfangen können, nunmehr eine extrem stark verkürzte, mitnichten allumfassende, geschweige denn „ausreichende“ Erklärung: Während der Besetzung Tschechiens durch die Wehrmacht und zahlreiche angeschlossene nationalsozialistische Organisationen wie zum Beispiel der „SS“ von 1939 bis 1945 diente ein Teil von Terezín als Sammellager für deportierte Menschen aus verschiedensten Gebieten Europas, vorwiegend aber aus Tschechien und dessen ehemals deutsch geprägten Regionen Böhmen und Mähren. Der andere, deutlich kleinere Teil von Terezín diente als Gefängnis der Gestapo für ungenehme Personen unterschiedlichster Staatsangehörigkeiten: Dissidenten, Widerstandskämpfer, Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten – die Liste erscheint unendlich lang. Das Konstrukt „Theresienstadt“ ist und war aber nie ein reines Vernichtungslager (Konzentrationslager), wie es zum Beispiel Auschwitz, Sobibor, Majdanek, Struthof-Natzweiler und so viele andere waren. In Theresienstadt – Terezín – starben zwar ebenso tausende von Menschen, dennoch verfolgte dieses Lager einen anderen, besonders perfide anmutenden Ansatz im Bestreben der Nationalsozialisten, jüdisches Leben vom Erdball zu tilgen.
Das, was heute von Terezín zu sehen ist, besteht hauptsächlich aus Festungsanlagen, die ab 1780 von Österreich-Ungarn zum Schutz vor Angriffen aus Preussen erbaut wurden. Da Terezín nie in irgendwelche Kampfhandlungen verwickelt war, ist die Struktur jener riesigen Anlage weitestgehend erhalten geblieben, befindet sich aber in einem streckenweise erbärmlichen Zustand. Die kleinere Festungsanlage, die als Gestapo-Gefängnis diente, wird offensichtlich gepflegt, ihr Zustand ist deutlich besser, als die Anlagen des Stadtgebietes. Die kleine Festungsanlage wird von zahlreichen Touristik-Unternehmen angesteuert, sie dient als zentraler Ort für Gedenken und Information. In die grössere Anlage, die eigentliche Stadt, die von 1941 bis 1945 als Konzentrationslager diente, verirren sich eher weniger Touristen, obwohl hier weitaus mehr und umfassendere Informationen zu dem Blendwerk „Theresienstadt“ zu finden sind. Wieso „Blendwerk“?
Die Nationalsozialisten verwendeten Theresienstadt dazu, internationale Organisationen wie zum Beispiel das „Rote Kreuz“ und andere zu täuschen. Obwohl die Tötungsmaschinerie bei Inbetriebnahme dieses Konzentrationslagers bereits lief, so sollte der Eindruck erweckt werden, dass vor allem die Juden Europas mit Anstand und Respekt behandelt werden – auch wenn sie getrennt von der restlichen Menschheit dieses Kontinents in Lagern leben mussten. Zu diesem Zweck wurden Delegationen eingeladen, vor allem die Anlagen des Konzentrationslagers in der grossen Festungsanlage von Terezín in Augenschein zu nehmen, zusätzlich wurden sogar Filme mit den Lagerinsassen gedreht, die ein „normales“ Leben vortäuschen sollten. „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ (korrekter Film-Titel: „Theresienstadt – Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet“) sollte den Eindruck erwecken, die Juden könnten mit eigener Verwaltung ein selbstbestimmtes Leben führen – und würden gar nicht massenweise ermordet. Der Film sollte in erster Linie den Deutschen in Kinos gezeigt werden, um Gerüchte ob des Massenmordes an Juden zu entkräften. Mit der Befreiung von Auschwitz und Majdanek konnten aber die Tatsachen nicht mehr verborgen werden und so wurde der Film, von dem lediglich Fragmente erhalten geblieben sind, nie einem grösseren Publikum gezeigt. Einige der erhaltenen Fragmente können in Terezín betrachtet werden.
Es ist nicht möglich, alle Aspekte und Fragen, die ein Besuch in Terezín aufwerfen könnte, hier zu beschreiben. Mir war vieles von dieser gesonderten Thematik „Theresienstadt“ bereits vorab durch umfassende und gute Schulbildung, sowie zahlreicher Bemühungen vor allem meines Vaters bekannt, nur war es mir nicht gegeben, Terezín bereits früher zu besuchen und mir ein halbwegs realistisches Bild von diesem Ort zu machen. Ich empfehle jedem – vor allem Bürgern der Bundesrepublik Deutschland! – Terezín einen Besuch abzustatten. Es liegt in der Verantwortung (insbesondere in der der genannten Bürger!), dass die Vorgänge nicht nur um „Theresienstadt“ nie in Vergessenheit geraten und sich wiederholen, insbesondere in Zeiten wie diesen, in welchen Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Rechtspopulismus und dergleichen wieder aufflammen. Terezín ist ein sehr bewegendes Zeitzeugnis dafür, was Menschen anderen Menschen antun können und wohin Populismus, egal, ob von links oder rechts, führen kann.
Es gibt zahlreiche Unternehmen, die Fahrten zum Beispiel von Praha aus nach Terezín anbieten, allerdings sind diese Fahrten mit 80 bis 100 Euro recht teuer. Ziehen Sie die Möglichkeit in Betracht, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, damit kommen Sie erheblich günstiger weg. Für eine Wegstrecke von 80 Kilometern ab Praha, die in knapp 1 1/2 Stunden über das Umland nach Terezín führt, zahlt man in etwa 4 Euro. Bei einer solchen Fahrt mit einem regulären Linienbus kann man sich auch ein gutes Bild davon machen, wie gross der Unterschied zwischen dem touristisch brodelnden Praha und dem Umland ist, ich fühlte mich streckenweise stark an die DDR kurz nach dem Fall der Mauer erinnert! Die Linienbusse steuern auch Haltestellen in der grösseren Festungsanlage an. Fahren Sie auch dort hin und schauen Sie sich um! Hier leben Menschen, Tschechen, hier, wo einst an einem einzigen Tag hunderte Menschen an Krankheit, Hunger oder durch die Brutalität von SS-Personal ums Leben kamen. Terezín wirkt Trost- und seelenlos, leer. Zahlreiche Gebäude stehen leer, sind stark von Hochwassern der Elbe in Mitleidenschaft gezogen worden. Einige Gebäude wurden wieder instand gesetzt und mit frischer Farbe gestrichen – wobei zahlreiche Hinweise auf das Konzentrationslager einfach rücksichtslos überpinselt wurden. Vor zwei Jahren publizierte der Bayrische Rundfunk eine sehr (!) sehenswerte Dokumentation zu Theresienstadt („Theresienstadt – Eine Geschichte von Täuschung und Tod“ auf YouTube). Wir haben einige der Örtlichkeiten, die in jener Dokumentation zu sehen waren, wiedererkannt, aber vieles sah bei unserem Besuch auch ganz anders aus. „Geschönt“ dürfte die diplomatischste Bezeichnung dafür sein…
An dieser Stelle noch eine abschliessende Empfehlung zu Terezín. Wie bereits angemerkt kann man zu recht gepfefferten Preisen Fahrten von Praha aus nach Terezín buchen, mit oder ohne bis zu drei Stunden dauernde Führung durch die „Kleine Festung“. Wir haben uns dem nicht ausgesetzt, sondern sind einen anderen Weg gegangen, der auch vor Ort angeboten wird: Die „SmartGuide“ App für iOS und Android. Mit dieser App Stehen Ihnen Informationen auf Ihrem Handy zur Verfügung und so können Sie sich frei und unabhängig von geführten Gruppen bewegen. In Anbetracht der Örtlichkeit von Terezín empfehle ich aber aus Gründen des Respektes diese Informationen via eigenem Kopfhörer zu konsumieren und nicht, wie man das leider auch beobachten muss, mit sehr laut aufgedrehtem Lautsprecher. Für diese App stehen zahlreiche Reiseführer zur Verfügung, somit ist das keine Eintagsfliege. Zu gegebener Zeit werde ich das mal sehr genau unter die Lupe nehmen und entsprechend berichten. Bitte beachten Sie, dass der hier empfohlene Reiseführer ausschliesslich das ehemalige Gestapo-Gefängnis umfasst, nicht aber die grössere Ortschaft!
