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Chapelle du Vorbourg: GPX | PDF
Länge: 6,33 Kilometer
Höhenunterschied: 272 Meter
(?)
Wenn man von Basel mit den SBB in Richtung des Kantons Jura fährt, so durchquert man in nördlicher Richtung kurz vor Delémont (Delsberg) eine für das Jura typische schmale Schlucht, die von der Birs ins Gestein geschnitten wurde. Auf der einen Seite der Schlucht befindet sich eine Sperrstelle aus dem Zweiten Weltkrieg, auf der anderen hoch oben über den Bahngleisen eine Kapelle, die Chapelle du Vorbourg, sowie die Ruinen der ehemaligen Burg von Delsberg. Schon lange hatte ich mir vorgenommen, diese Ecke etwas näher zu erkunden und so haben wir diese Absicht nunmehr in die Tat umgesetzt. Hauptziel war ursprünglich die Burgruine, aber zu der gelangten wir nicht, später mehr dazu. Statt dessen nahmen wir die Chapelle du Vorbourg etwas näher in Augenschein.
Die Chapelle du Vorbourg, die sich in Besitz des Benediktiner-Ordens befindet, ist für die katholische Kirche von grosser Bedeutung. Abgesehen davon, dass diese Kapelle an sich ein Wallfahrtsort ist, ist sie gleichzeitig ein Bestandteil des Jura-Pilgerweges, welcher wiederum Teil des Jakobsweges ist. Die Namensgebung mag eigenwillig erscheinen, mutet sie doch gleichzeitig deutsch, wie auch französisch an. Die Erklärung hierfür ist aber unspektakulär: Die Kapelle wurde auf den Grundmauern der der Hauptburg vorgelagerten kleineren „Vorburg“ von Delsberg errichtet. Da in unmittelbarer Nähe zu Delémont die Sprachgrenze zwischen Französisch und Deutsch verläuft, ist die Namensgebung entsprechend angepasst worden. Die Ursprünge der Burganlage von Delémont sind unklar. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie im zehnten Jahrhundert, ist somit also eine der ältesten Burganlagen in dieser Region. Wahrscheinlich – aber das ist nicht vollends gesichert – wurde sie von dem Rittergeschlecht Telsperg oder Telsberg erbaut. Die tiefer gelegene Burg wurde vermutlich irgendwann zwischen 1150 und 1350 errichtet. Angeblich wurde 1049 die in diesem Teil der Anlage gebaute Kapelle von Papst Leo dem IX geweiht – aber auch das ist nicht vollends gesichert. Die Kapelle selbst ist für Normaltouristen nicht zugänglich, das bleibt Pilgern und Gläubigen vorbehalten. Verhalten Sie sich entsprechend rücksichtsvoll.
Von der ehemaligen Hauptburg ist nicht viel übrig geblieben. Wie so viele andere Konstrukte wurde auch sie beim grossen Erdbeben von Basel 1356 zerstört, später neu errichtet und aus verschiedenen Gründen noch viel später dem Verfall preisgegeben. Das, was heute von der alten Burg noch zu sehen ist, besteht aus dem Areal um die Kapelle, der Chapelle du Vorbourg. Zu den Ruinen der Hauptburg führt kein offizieller und entsprechend mit Wegweisern ausgeschilderter Weg. Wer da hoch gelangen will, muss sich wohl oder übel selbst den Weg durch das Unterholz suchen. An dieser Stelle daher die Anmerkung: Wer unbedingt meint, die Ruinen der Hauptburg in Augenschein heben zu müssen, macht das vollumfänglich auf eigene Gefahr! Lassen Sie es sich gesagt sein: Hier gibt es Felswände, die senkrecht abfallen und nicht als solche sofort erkennbar sind!
Die Wanderung beginnt und endet am Bahnhof SBB von Delémont und eignet sich somit auch als Tagesziel aus etwas weiter entfernt gelegenen Regionen der Schweiz. Offiziell ist sie als „leicht“ oder meinetwegen auch „moderat“ eingestuft, aus gutem Grund aber sehen wir das grundlegend anders und möchten Ihnen hiermit ein paar Ratschläge mit auf den Weg geben. Weite Abschnitte des Weges sind bewaldet, man kann diesen Weg also durchaus auch bei eher hohen sommerlichen Temperaturen und viel Sonnenschein ablaufen. Da es aber zum Teil stramm bergauf oder bergab geht, fordert dieser Weg durchaus etwas Kondition. Zwar gibt es keine Passagen, an denen man stärkeren Winden ausgesetzt sein könnte, allerdings kann der Weg insbesondere bei nassen Wetterbedingungen sehr schwierig werden, hier und dort sind entsprechend auch Warnhinweise am Wegesrand platziert. Trittsicherheit und vor allem griffiges Schuhwerk ist unseres Erachtens nach zwingend erforderlich! Darüber hinaus kann man sich durchaus verlaufen, den „falschen“ Weg wählen, derart zugewachsen sind einige Abschnitte des Weges. Hat man diese Ausgangsvoraussetzungen im Hinterkopf, bietet der Wanderweg Chapelle du Vorbourg aber einige sehr schöne Aussichten auf das so schöne Schweizer Jura und die Umgebung von Delémont.
