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Zu Beginn der 1990er Jahre veränderte sich die Landkarte des östlichen Europas grundlegend. Die Unabhängigkeitserklärung der Teilrepublik Slowenien vom sozialistisch-föderativen Jugoslawien am 25. Juni 1991 leitet neben der von Kroatien den endgültigen Zerfall des einst von Tito regierten Ostblock-Staates unwiderruflich ein. Während dieser Zerfall für andere Teilrepubliken jenes Staates alles andere als friedlich verlief, musste Slowenien „nur“ 10 Tage kriegerische Auseinandersetzungen erdulden, bevor es ein eigenständiger Staat und 1992 schliesslich vollwertiges Mitglied der UNO werden konnte. Heute leben in diesem aufstrebenden Staat, welcher kleiner als die Schweiz ist, etwas mehr als zwei Millionen Menschen. Als Mitglied der Europäischen Union hat sich Slowenien innerhalb kurzer Zeit zu einem Staat gemausert, dessen wirtschaftliche Transformation und politische Entwicklung im Vergleich zu den anderen ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens als überdurchschnittlich positiv bewertet wird.
Nachdem wir im März diesen Jahres bereits der Tschechischen Republik und deren Hauptstadt Praha einen Besuch abgestattet hatten, entstand in uns die Idee, nach und nach alle Hauptstädte Osteuropas zu besuchen. Aus nahe liegenden Gründen fallen derzeit ein paar davon durchs Raster, Kiev und Moskau lassen sich derzeit einfach nicht so besuchen, wie wir uns das vorstellen, aber es gibt ja noch mehr als genügend andere und so fiel unsere Wahl auf Slowenien mit seiner Hauptstadt Ljubljana.
Natürlich hatten wir uns vorab ein paar Ziele heraus gesucht, die wir uns zu Gemüte führen wollten, aber so manches mal sind wir auch ohne jedes konkrete Ziel los gezogen und haben ein paar Ecken dieser Nation für uns entdeckt, die man nicht unbedingt in irgendwelchen Reiseführern findet. In Slowenien werden nahezu ausnahmslos „nur“ zwei Sprachen gesprochen: Slowenisch und Englisch. Da Slowenien aber aus dem ehemaligen Jugoslawien hervor gegangen ist, kann – vorausgesetzt, man beherrscht diese Sprache – auch ab und an Serbokroatisch bemüht werden. Da meine bessere Hälfte diese Sprache beherrscht, hatten wir nahezu keine Verständigungsprobleme. Allerdings sollte man sich darauf vorbereiten, dass in diesem Land eine etwas andere Mentalität herrscht, als „man“ das aus den älteren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union kennt. Der „Balkan-Charme“ ist zuweilen für Unwissende durchaus gewöhnungsbedürftig, aber auch hier hatten wir den grossen Vorteil, diese Mentalität zu grossen Teilen aus unserem beruflichen Umfeld bereits zu kennen – mit allen Sonnen- und Schattenseiten.
Im direkten Vergleich zur Tschechischen Republik erschien uns Slowenien als deutlich offener, freundlicher und irgendwie „leichter“. Wenn man so wie wir jeder auf seine Weise mit dem Zerfall der ehemaligen Ostblock-Staaten des Warschauer Paktes aufgewachsen ist, so trägt man Erinnerungen an die Zeiten in sich, wie es vor dem Zerfall aussah und in einem jeweiligen Staat zuging. Solche Erinerungen lassen sich nicht einfach mal eben so löschen, Menschen unserer Generation begegnen einem Staat wie Slowenien anders, als jüngere Generationen. Entsprechend haben wir uns auch mit den Überbleibseln befasst, die an jene Zeit erinnern und die die Zeit der Transformation von der Teilrepublik Slowenien zum eigenständigen Staat Slowenien irgendwie überdauert haben. Solche Überbleibsel sind in keinem Touristenführer zu finden, die muss man schon selbst suchen. Auch wenn Slowenien sich auf den ersten Blick kaum noch von so manch einem anderen Staat in Europa unterscheiden mag, so kann man immer noch hier und dort gut erkennen, dass diese Transformation nicht abgeschlossen ist und einige Begleiterscheinungen mit sich bringt, die gewissen Zündstoff in sich tragen und noch sehr lange in sich tragen werden.
Slowenien ist innerhalb kurzer Zeit eine sehr beliebte Reisedestination geworden, das lässt sich unschwer an der Menge der Touristen fest machen, die man an den typischen Orten dieses Landes antrifft. Aus eben diesem Grund ist Slowenien auch nicht mehr „günstig“, das Preisniveau bewegt sich auf dem vieler Staaten der Europäischen Union und nicht gerade selten auch durchaus auf Schweizer Niveau. Dennoch kann man – noch – in Slowenien gut die Seele baumeln lassen, ohne dafür vollkommen überrissene Preise zahlen zu müssen. Dieses Land ist sehr reich an sehenswerten Dingen und man muss sicherlich nicht den „üblichen“ Empfehlungen in Reiseführern folgen, um die Schönheit dieser Nation entdecken und erleben zu können. Aber auch diesbezüglich ist eine gewisse „Dickfelligkeit“ gegnüber der ab und an auftauchenden Balkan-Mentalität durchaus angeraten. In nachfolgenden Beiträgen möchten wir Ihnen unseren Blick auf dieses Land präsentieren und Ihnen auch ein paar kleine Ratschläge mit auf den Weg geben, wenn Sie diesem Land und seiner Hauptstadt Ljubljana einen Besuch abstatten wollen. an dieser Stelle noch eine Anmerkung: Obwohl Slowenien in seiner heutigen Form aus dem ehemaligen Jugoslawien hervor gegangen ist, wird die Staatssprache jenes ehemaligen Staates (Serbokroatisch) de facto nicht mehr verwendet und ist auch kaum noch anzutreffen. Auch in diesem Punkt hat sich Slowenien von seiner jüngeren Geschichte emanzipiert. Auch wenn Serbokroatisch kaum noch in Erscheinung tritt, so beherrscht vor allem die Generation über 30 in grossen Teilen jene Sprache, wovon wir ab und an profitiert haben, da meine bessere Hälfte mit jener Sprache aufgewachsen ist.
