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Der Blejsko jezero, der See von Bled, ist eine weitere von Sloweniens touristischen Hauptattraktionen. Ich musste sehr schmunzeln, als eine langjährige Kollegin in Zürich, welche in Slowenien geboren oft zwischen ihrem Heimatland und der Schweiz hin und her pendelt, unseren Besuch an jenem See mit folgenden, auf das maximal machbare Minimum an reduzierbaren Worten kommentierte:
Bled (blöd)
So viel zum Thema „Balkan-Charme“. Aber sie, die meiner Erfahrung nach äusserst selten mit derart direkten Äusserungen um sich wirft, hat und hatte recht, ein Besuch des Sees von Bled ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Dieser See, der nach der Ortschaft an seinem Rande benannt wurde (Bled), ist für in der Schweiz lebende Menschen, die halbwegs offenen und interessierten Auges durch die Welt gehen, nichts aussergewöhnliches. Seen wie der bei Bled gibt es in der Schweiz viele, nur muss man sich in der Schweiz mit der Tatsache auseinander setzen, dass viele dieser Seen nicht so ohne Weiteres besuchsbar, geschweige denn voll umrundbar sind. Mit anderen Worten: Sollten Sie in Ihrem Leben noch nie einen See zu Gesicht bekommen haben, der von pittoresker Bergwelt umgeben in schönsten Blau- und Türkistönen vor sich hin schimmert, so sollten Sie sich zum Blejsko jezero begeben und sich diesen anschauen. Wie Sie mit allen anderen – blöden – Begleiterscheinungen in Folge umgehen, bleibt Ihnen überlassen.
Der Blejsko jezero ist aus Gletscher-Schmelzwasser entstanden und wird bis zum heutigen Tage aus unterirdischen Quellen und Zuläufen aus dem umliegenden Karstgestein der julischeu Alpen gespeist. Seit 1004 nach Christus ist dieser See urkundlich belegt bekannt, weitaus länger, um genau zu sein seit 20.000 Jahren, sind seine Ufer besiedelt worden. Natürlich haben sich lange Zeit die Römer an jenem See ausgetobt, um 560 bis 600 nach Christus liessen sich hier die Slowenen dauerhaft nieder. Heute kann man mit Fug und Recht den Blejsko jezero als Badewanne zahlreicher Touristen und Bewohner umliegender Gemeinden bezeichnen, entsprechend geht es an seinen Ufern zu.
Der Blejsko jezero ist gut mit Linienbussen erreichbar. Bedauerlicher Weise stehen diese Linienbusse in genau dem gleichen Stau, wie alle anderen Fahrzeuge auch, die diesen See ansteuern. Obendrauf muss man damit rechnen, dass die Kapazitätsgrenze der Linienbusse ab Abfahrtsort schnell überschritten ist. Mit anderen Worten: Wenn Sie gedenken sollten, dem Blejsko jezero einen Besuch abzustatten, dann erwerben Sie früh genug entsprechende Tickets und seien Sie noch mehr als früh genug am Abfahrtsort. Wir reden hier von Zeitspannen im Bereich von 30 bis 60 Minuten! Und selbst wenn Sie ein gültiges Ticket erworben haben sollten (was durchaus kontrolliert wird), so ist nicht garantiert, dass Sie auch befördert werden. Einmal mehr gilt: Wer zuerst kommt und sich durchsetzen kann, wird auch befördert. Wer höflich und zurückhaltend auftritt, muss sich mit späteren Abfahrtszeiten arrangieren. Für waschechte Schweizer sollte das kein Problem darstellen, die sind in der Welt nicht gerade selten als Meister der mehr oder minder diskreten Drängelei bekannt, nicht wahr?
Egal. Der Blejsko jezero ist beliebt, bei Touristen, wie auch Einheimischen. Eine volle Umrundung dieses Sees ist allemal an einem leicht ausgedehnten Nachmittag machbar und erfordert weder sonderlich gutes Schuhwerk, noch antrainierte Ausdauer. Die meisten Uferpassagen sind – trotz Hinweis auf Natur- und Vogelschutzgebiete – zugänglich, einmal mehr siegt der Tourismus über Vernunft. Es gibt Vorgaben zur Nutzung dieses Sees, allerdings halten sich nicht alle Besucher an diese Vorgaben und obendrauf scheint das auch nicht sonderlich intensiv kontrolliert und überwacht zu werden. In diesem Punkt lobe ich das zuweilen sehr restriktive Verhalten gewisser Schweizer Behörden! Dem Blejsko jezero würde etwas mehr Kontrolle durchaus gut tun, aber ja, ich habe wenig Ahnung von den Gegebenheiten und Bedingungen vor Ort.
Der Blejsko jezero wird aber eben auch nicht so restriktiv geschützt, wie es zuweilen in der Schweiz der Fall ist. Für einheimische Menschen ist dieser See ein Naherholungsgebiet, für manche von jenen aber auch Rückzugsort auf Nobel-Ebene. Während gut 90 Prozent der Uferbereiche des Blejsko jezero für jedermann zugänglich sind, so gibt es an jenem See auch an die zehn Prozent, die nur sehr wohlhabenden Menschen zur Verfügung stehen. Musikalisch wird das in der Hochsaison entsprechend untermalt. Dem normalen Volk jünger als 28 Jahren dröhnt hier und dort das übliche, sehr unpersönliche „Bumm-Tschigge-Bumm-Zzt-Zzt-Bumm-Tschigge“ irgendwelcher musikalisch mehr oder minder bemittelter „Influencer“ um die Ohren. Unsere Generation darf sich an diesem oder jenem Uferabschnitt noch ehrlich produzierter Musik im Stil von „Everybody wants to rule the World“ erfreuen. In den zehn Prozent der für die oberen zehntausend vermögenden Menschen dieser Welt abgeschlossenen Bereich des Blejsko jezero wurde Frank Sinatras „My Way“ gespielt. Noch Fragen? Dass in diesem See auf einer Insel noch ein Kirchenkomplex und am Rande dieses Sees eine Burganlage zu finden sind, schönt vielleicht noch das selbst (fast ausnahmslos hochkant…) geschossene Handybild, aber all das ändert nichts mehr an der Tatsache, dass an diesem See der Tourismus längst die Oberhand gewonnen hat. Leider.
