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Seit einiger Zeit entwickelt sich Slowenien zu einem waschechten Touristen-Hotspot, insbesondere die Hauptstadt Ljubljana (auch bekannt als „Laibach“ in deutscher und „Lubiana“ in italienischer Sprache) zeugt von dieser Entwicklung. Vor allem jüngere Generationen mit Rucksack oder Rollkoffer fluten dieser Tage (Stand: 2026) das Stadtbild. Spanier, Franzosen, Briten, Deutsche, Italiener, Australier, Österreicher, Amerikaner – nahezu jede Sprache ist im Stadtbild hörbar. Ein klein wenig verwundert mich diese Tatsache, denn sonderlich günstig ist das allgemeine Preisniveau in Ljubljana nicht, vielleicht liegt es aber noch unter dem anderer europäischer Städte. Das ist eine Vermutung meinerseits, ich habe keine Vergleichsstudien hierzu betrieben. Inzwischen ist Slowenien aber auch für Wander-Freunde, Velo-Artisten und Motorrad-Fahrer ausgesprochen interessant geworden. Dieses kleine Land hat viel zu bieten und das gilt auch für die Hauptstadt Ljubljana.
Für mich ist Ljubljana vor allem in einer Hinsicht eine wahre Schatzkiste. Was diese Stadt an Architektur zu bieten hat, ist schon etwas aussergewöhnlich. Insbesondere zwischen den beiden Weltkriegen fand hier ein regelrechter Bau-Boom statt. Hier stehen ausgesprochen schöne Bauwerke, von denen auffällig viele Merkmale des Art Nouveau (auch bekannt als „Jugendstil„) aufweisen. So manches Mal erinnerte mich Ljubljana an das, was wir in Praha zu sehen bekommen hatten, nur wirkt Ljubljana deutlich leichter und heller, meinetwegen auch unbeschwerter. Mitten im Stadtbild Bauwerke entdecken zu dürfen, die die florale Gestaltungsweise jener Kunstrichtung farbenfroh präsentieren und damit so manch einen Plattenbau aus den sozialistischen Zeiten Jugoslawiens mühelos in den Schatten stellen, ist schon eine Freude, aber auch sonst ist der Kern Ljubljanas sehr sehenswert. Im Umfeld der Ljubljanski grad, der Burg von Ljubljana, liegt der Altstadtkern, der hauptsächlich von Bauten aus dem Mittelalter bis hin zum Barock geprägt ist. Hier pressen sich die Touristenströme durch die Gassen, hier konzentrieren sich die Touristenshops und Restaurants mit breit gefächertem Angebot, nicht selten mit typisch slowenischer und / oder österreich-ungarisch geprägter Küche.
Diese Region Europas weist eine sehr umfangreiche Geschichte auf, „Habsburg„, „Österreich-Ungarn“ und zahlreicher anderer Einflüsse sei mal mehr, mal weniger Dank. Umso mehr verwunderte es mich, dass „Erinnerungskultur“ im Stadtbild Ljubljanas eher unpopulär zu sein scheint, es existieren nur sehr wenige Gedenktafeln, Standbilder oder Informationstafeln und von den existierenden sind noch weniger so angepasst worden, dass auch Touristen aus dem Ausland, die die slowenische Sprache nicht beherrschen, diese auch verstehen könnten. So manches Mal musste ich im Internet herum suchen, um die Aussage dieser oder jener Tafel verstehen zu können, zu einigen war schlichtweg nichts (mehr) zu finden. Man muss mit weit geöffneten Augen durch Ljubljana gehen, um überhaupt derartiges zu entdecken. Und wenn wir schon beim „aktiv umsehen“ sind, an dieser Stelle gleich noch ein Hinweis: Schauen Sie auch nach oben! Obwohl letztlich auch der Zugehörigkeit zur Europäischen Union sei Dank sehr viel Geld in die Restaurierung historischer Bauten gesteckt wird, kann man selbst im Altstadtkern von Ljubljana noch viele waschechte Beispiele für Potemkinsche Dörfer vorfinden, man muss nur genau hin schauen. Oftmals ist lediglich das Erdgeschoss eines alten Bauwerkes „aufgehübscht“ und mit einem „Showroom“ aufgewertet worden, die Stockwerke darüber wirken oft unbewohnt und dürften nicht gerade selten aufgrund ihres maroden Zustandes auch unbewohnbar sein. Hier und dort konnte ich hinter einer schön hergerichteten Fassade sogar nahezu vollständig eingestürzte Dach-Konstruktionen ausfindig machen. Obwohl offensichtlich bisher sehr viel in Slowenien und seiner Hauptstadt Ljubljana gemacht wurde, bleibt immer noch sehr viel zu machen. Bis dahin behilft man sich unter anderem mit Absperrungen, damit Menschen nicht von herunter stürzenden Bauwerkteilen getroffen werden…
Ljubljana bietet im direkten Vergleich zum Beispiel zu Praha deutlich mehr Plätze zum Verweilen, viel Grün in Form von Bäumen und Parkanlagen lassen sich im Stadtbild erkennen. Allein schon aus diesem Grund wirkt Ljubljana deutlich einladender, als andere Hauptstädte, die wir bisher in Augenschein genommen haben oder aus unserer Jugend kennen. Das Bild wandelt sich etwas, sobald man den Altstadtkern verlässt, dann reiht sich manch ein Plattenbau aus dem Vorgängerstaat Jugoslawien an den nächsten. In Ljubljana wird aber derzeit auch viel gebaut, Glas- und Betonkonstrukte werden im Eiltempo aus dem Boden gestampft. Immerhin wird hier und dort alte Architektur in neue integriert. So werden derzeit alte Bestandteile des Hauptbahnhofes von neuen Dachkonstruktionen überspannt, der alte Eingangsbereich des städtischen Schwimmbades wurde auf die gleiche Art und Weise integriert und bewahrt. Irgendwann wird Ljubljana den Status erreichen, den andere Städte Europas schon besitzen: Hoch interessant für die Standard-Touristen aus aller Welt, aber nicht mehr unbedingt eine Stadt, in der für die normalen Einwohner ein normales Leben noch finanzierbar ist. Ab und an habe ich mal nachgefragt, was diese oder jene Person im Monat verdienen würde. Fast stereotyp beinhaltete die jeweilige Antwort auf meine Frage die Aussage, dass man sich mit dem jeweiligen Lohn ein Leben wie die Touristen es in Slowenien sich leisten, nicht einmal im Ansatz leisten könne, schon gar nicht in Ljubljana selbst. Auch das ist „Entwicklung“.
Es dürfte letztlich auch an der für ehemalige Ostblock-Verhältnisse ungewöhnlichen Form des Sozialismus liegen, den Josip Broz Tito als Staatschef des ehemaligen Jugoslawiens proklamierte, dass Slowenien im Allgemeinen und Städte wie Ljubljana im Speziellen bei Weitem nicht so erscheinen, wie man das vermuten dürfte und auch im Osten Europas immer noch vorfinden kann. Entsprechend findet man im Stadtbild Ljubljanas auch eher wenige „typische“ Zeitzeugen im Stil des „Brutalismus„, wie er im Ostblock lange Zeit üblich war, man kann aber bei Bedarf Stadtführungen absolvieren, die sich mit diesem Teil der Geschichte Sloweniens und Ljubljanas intensiv befassen. Die Spannungen zwischen den Volksgruppen des ehemaligen Jugoslawien sind oberflächlich kaum wahrnehmbar, dennoch findet man im Stadtbild hier und dort Graffities, die diese Problematik zum Teil überdeutlich zum Ausdruck bringen. Die meisten Touristen dürfte diese Thematik aber kaum interessieren, dazu präsentiert sich Ljubljana berechtigter Weise als sehr offen für Menschen aus aller Welt – und auch oftmals deutlich freundlicher, als „man“ das aufgrund hin und wieder aufflackernden Balkan-Charmes vermuten dürfte. Alles in allem ist Ljubljana unseres Erachtens eine schöne und somit sehr sehenswerte Stadt, der man einen Besuch abstatten sollte, solange das noch in einem vernünftig finanzierbaren Rahmen liegt.
