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Zugegeben: Sonderlich tief schürfend haben wir uns vor Antritt unserer Reise nach Slowenien nicht über das Transportmittel informiert, das uns bis ins Zentrum von Ljubljana bringen sollte, den ÖBB Night Jet, ein Teilunternehmen der österreichischen Bundesbahnen mit Sitz in Wien (weswegen die Karte oben im Bild auch nicht irgendeinen Ort in Slowenien anzeigt, sondern den Sitz der ÖBB am Hauptbahnhof in Wien). Die wenigen Berichte, die wir uns vorab zu Gemüte führten, schilderten oft kurzfristige „Umbuchungen“ seitens der ÖBB von Liegefläche zu Sitzplatz und andere Horrorszenarien unterschiedlichen Ausmasses. Dennoch buchten wir aus nahe liegenden Gründen dieses Transportmittel, da es einerseits deutlich umweltfreundlicher als das Flugzeug ist und man sich nicht jenem zuweilen äusserst nervigen Flughafenterror aussetzen muss, abgesehen davon liegen viele Bahnhöfe deutlich näher an einem jeweiligen Stadtzentrum, als zahlreiche Flughäfen. Wir nahmen uns die Zeit, entspannter an unser Ziel zu gelangen, dennoch war jene Erfahrung zum Teil „speziell“, wie man das in der Schweiz auszudrücken pflegt.
Die Informationen zu „unserem“ Nachtzug nach Ljubljana waren und sind in mancherlei Hinsicht etwas lückenhaft – diplomatisch ausgedrückt. Auch wenn man einen ÖBB Night Jet via ÖBB, SBB oder dergleichen bucht, so bedeutet das noch lange nicht, dass man auch in einem Schlaf- oder Liegewagen der ÖBB transportiert wird. In unserem Falle fuhr der Night Jet von Zürich bis zum Hauptbahnhof in Zagreb in Kroatien (auf dem Rückweg fährt er bis nach Stuttgart in Deutschland). Die erste Überraschung begegnete uns bereits in Zürich. „Unsere“ Wagen stammten nicht aus dem Bestand der ÖBB, sondern aus dem der kroatischen Eisenbahnen HŽPP. Worin dieser Umstand begründet ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf den Punkt reduziert bedeutet dieser Umstand, dass man sich mit einem etwas anderem „Komfort“ arrangieren muss, als dass das in den Wagen der ÖBB der Fall ist. Interessanter Weise finden sich auf der Webseite des ÖBB Night Jets weder umfangreichere Informationen, noch Bildmaterial zu jenem Rollmaterial, daher beschreibe ich Ihnen das in diesen Zeilen etwas näher.
Ein wichtiger Hinweis: Wenn Sie so wie wir nach Slowenien oder Kroatien mit dem ÖBB Night Jet reisen wollen, so müssen Sie sich Ihr Ticket vorab ausdrucken! Fertigen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit von jenem Ausdruck auch eine Kopie an und speichern Sie – wenn möglich – diese Tickets auch auf Ihrem Handy, Tablet oder Laptop, damit Sie diese zur Not am Reiseziel noch nachträglich ausdrucken können. Rein digitale Versionen des Tickets werden nicht akzeptiert! Auch hier kann ich Ihnen keine Erklärung für diesen Umstand liefern, es ist so, wie es ist. Das Rollmaterial der HŽPP besteht aus Wagen, die in den 80er Jahren gebaut und nachträglich etwas aufgehübscht wurden. Grundsätzlich werden im Liege- und Schlafbereich ausschliesslich 4er-Abteile angeboten – auch wenn die Abteile dieser Wagen im Grunde genommen aus 6er-Plätzen zusammen gesetzt sind. Wahrscheinlich ist das irgendwelchen Vorgaben der ÖBB geschuldet, aber das ist nur eine Vermutung. Somit lassen sich zwei Liegeflächen als Ablage für das eigene Gepäck nutzen, ansonsten würde es im jeweiligen Abteil noch enger zugehen, als ohnehin schon. Ich hätte Ihnen gerne Bildmaterial von so einem Abteil zur Verfügung gestellt, da aber bereits Plätze belegt waren, habe ich aus Gründen der Achtung der Privatsphäre darauf verzichtet, den Auslöser zu betätigen. Stellen Sie sich einfach darauf ein, dass man in so einem Abteil ziemlich herum zirkeln muss, bevor man auf einer gepolsterten Fläche (Liegewagen) oder einer gepolsterten und gefederten Fläche (Schlafwagen) zur Ruhe kommen kann. Wundern Sie sich auch nicht über das zuweilen etwas krude Deutsch auf Hinweis- und Warnschildern.
Die Tickets werden bald nach Fahrtbeginn vom Zugpersonal einkassiert und verwaltet, man bekommt keine irgendwie „entwertete“ Version oder Quittung zurück (allein schon aus diesem Grunde sollten Sie vorab eine Kopie anfertigen). Die Fahrt an sich führt durch die Schweiz und Österreich bis nach Ljubljana in Slowenien. Auf der Strecke hält der Zug mehrfach in Ortschaften, deren Namen mir grösstenteils vollkommen unbekannt waren. Im österreichischen Villach werden die Wagen der HŽPP von denen der ÖBB mitten in der Nacht abgekoppelt und fahren von hier an „allein“ durch Slowenien bis nach Zagreb (die umgekehrte Fahrtrichtung bedeutet ein nächtliches Ankoppeln an bereits wartende ÖBB-Wagen in Villach). Dieser Vorgang lief sehr ruhig ab und stört „gute“ Schläfer kaum. Ich komme grösstenteils mit wenig Schlaf gut aus, deswegen störte es mich nicht sonderlich, dass die Härte der Liege meinen Schlaf verkürzte. So konnte ich einige schöne Ansichten aus den Fenstern im recht engen Gang des Wagens geniessen und war bei unserer Ankunft in Ljubljana einigermassen ausgeschlafen und erholt (dennoch haben wir im Hotel etwas Schlaf nachgeholt).
Offiziell sollten wir ein Frühstück bekommen. Ob man das, was wir im Endeffekt erhielten, wirklich Frühstück nennen kann, mag dahin gestellt bleiben. Mir reichen jedenfalls eine lauwarme Flasche stillen Wassers aus Kroatien und ein undefinierbares Chemie-Croissant aus der Aufreisstüte nicht, um einen Tag zu beginnen. Auf dem Rückweg bekamen wir aber immerhin zusätzlich frisch aufgebrühten Nescafe von einem recht freundlichen Zugbegleiter. Warum das auf dem Hinweg nicht der Fall war, entzieht sich ebenso meiner Kenntnis, aber dort wies das Personal deutlich mehr von jenem „Balkan-Charme“ auf, an den man sich auch erst einmal gewöhnen muss. Der Rückweg gestaltete sich aber noch in weiterer Hinsicht anders, als erwartet. Wir waren in Ljubljana überpünktlich am Bahnhof. Aus uns unbekannten Gründen fuhr unser Zug aber schon mit 20 Minuten Verspätung ein (generell gibt es nur sehr wenige Durchsagen im Zug selbst, auch das sollten Sie im Hinterkopf behalten). Im Bahnhof wurde dann ausserplanmässig noch ein Wagen in den Zug eingefügt, wahrscheinlich hatte jemand in Zagreb die Kapazitäten falsch berechnet, aber auch das ist wieder nur eine Vermutung. Somit fuhren wir mit sehr deutlicher Verspätung aus Ljubljana ab. Wie auch immer der ÖBB Night Jet das hin bekommen hat, so erreichten wir Zürich zur angegebenen Zeit. Vielleicht war es ganz gut, dass wir gewisse Fahrweisen schlichtweg verschlafen haben…
Auf den Punkt reduziert war der ÖBB Night Jet eine recht eigenwillige Erfahrung, dennoch haben wir den Nachtzug als mögliches Transportmittel für unsere zukünftigen Reisen nicht grundlegend aus unseren Überlegungen gestrichen. Das nächste Mal sind wir sicherlich besser vorbereitet und vor allem informiert. Apropos „informiert“: Das Zugpersonal weckt Fahrgäste früh genug, bevor der jeweilige Zielbahnhof erreicht wird. Auf dem Hinweg wies dieser Weckdienst auch gewisse Seiten des berüchtigten Balkan-Charmes auf, auf dem Rückweg lief das deutlich diskreter und freundlicher. Auch sowas sollte man einmal in seinem Leben erlebt haben!
