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In Ljubljana muss man nicht hungern und ob man es nun glauben mag oder nicht, so gibt es selbst in dieser aufstrebenden Stadt noch Etablissements, in welchen man sich nicht dumm und dämlich zahlen muss, nur um etwas sehr Gutes serviert zu bekommen. Das Čad, etwas ausserhalb des Zentrums von Ljubljana gelegen, ist ein gutes Beispiel für diese Tatsache. Dieses Gesamtkonstrukt aus Bistro, Hotel und Gasthaus wird seit vielen Jahren als Familienbetrieb geführt und erfreut sich einiger Beliebtheit auch über die Landesgrenzen Sloweniens hinaus. Auf den ersten Blick wirkt das „normal“, wenn man sich aber eingehender mit der Geschichte Sloweniens und dem Zerfall des Vorgängerstaates Jugoslawien befasst hat, so sollte man den Fortbestand jenes Familienunternehmens seit den 1990er Jahren in einen anderen, meinetwegen auch angemesseneren Licht sehen.
Im ehemaligen Jugoslawien war es mehr oder minder egal, wer wo auch immer in jenem Land ein Etablissement im Stil des Čad aufbaute. Seinerzeit war „man“ mehr oder minder Jugoslawe, seit den Balkan-Kriegen der 90er Jahre aber spielte es immer wieder und vor allem mehr eine Rolle, welcher ethnischen Gruppe man in jenem Staat zugehörte. Das hat sich bis zum heutigen Tage nicht geändert, je nach Region in diesem Teil Osteuropas spielt es aus was für zum Teil unergründlichen Gründen immer noch eine Rolle, ob „man“ aus Slowenien, Kroatien, Serbien, dem Kosovo, Albanien, Montenegro oder Bosnien und Herzegowina stammte. Solche Entwicklungsprozesse benötigen zum Teil sehr viel Zeit…
Die Vorfahren, die das Čad um 1989 begründeten, entstammen der Volksgruppe der Serben. Mit dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens mussten die verschiedenen Volksgruppen viel leiden – je nach Region und ethnischer Zugehörigkeit. Gemäss der Sparte „Familiengeschichte“ auf der Webseite des Čad wurde die Familie für erlittenes Unrecht entschädigt, woraus genau aber das Unrecht bestand und inwiefern diese Familie entschädigt wurde, wird nicht erwähnt. So sehr ich Verständnis für Vorgänge dieser Art aufbringen kann, so wenig kann ich es nachvollziehen, dass dezidiert darauf hin gewiesen wird, selbst so viele Jahre nach Ende der militärisch ausgetragenen Konflikte in dieser Region Europas. Das Čad ist ein Dienstleistungsunternehmen. Das war es vor den Jugoslawienkriegen und ist es immer noch. Gäste aus fernen Ländern kommen nicht hierhin, um regionale Geschichte nachvollziehen zu können. Als in Slowenien lebender Mensch mit Wurzeln in Serbien aber dürfte das Čad als passender Versammlungsort genehmer und gemeinsamer Ansichten und Interessen dienen.
So oder so ist das Čad ein sehr empfehlenswerter Ort, um balkanische Küche in sehr schöner Umgebung zu geniessen und je nach gewünschter Speise bewegt sich all das in einem bezahlbaren und angemessenem Rahmen. Man kann mit dem eigenen Fahrzeug hier her gelangen oder Bus Linien benutzen, wer es etwas gemächlicher angehen will, kann durch den Tivoli-Park von Ljubljana zu Fuss zum Čad laufen. Auf jenem Weg bewegt man sich gegebenenfalls auch durch das Botschaftsviertel von Ljubljana. Auch das kann ein sehr aufschlussreicher Spaziergang werden, wenn man einen Sinn für derartiges hat.
