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- Baden in Piran

An unseren Besuch in Ljubljana haben wir noch ein paar Tage am Meer angehängt, genauer: In Piran. Meiner besseren Hälfte war diese Region schon aus früheren Zeiten bekannt, ich selbst bin seit sehr vielen Jahren nicht mehr am Meer gewesen, schon gar nicht an den Küsten des Mittelmeeres, für uns beide bedeuteten diese Tage eine Zeit geprägt von Müssiggang und Genuss ein klein wenig jenseits bekannter Grenzen. Sloweniens Küste ist kurz, was hauptsächlich der Geschichte dieser Region geschuldet ist. Das benachbarte Kroatien klotzt im direkten Vergleich mit Küstenkilometern und entwickelt sich zu einem immer teurer werdenden Ferienregion. Piran und umliegende Gemeinden scheinen den gleichen Weg zu gehen, jedoch dürfte das Preisniveau hier zumindest teilweise unter dem von Kroatien liegen (ich kann mich hier aber auch täuschen, noch habe ich jenem anderen Land keinen Besuch abgestattet).
Die Wurzeln von Piran liegen nicht, wie man das vielleicht vermuten könnte, bei den Römern, sondern den Griechen. Die Römer eroberten diese Region in etwa um 177 vor Christus, im 7. Jahrhundert steht Piran unter der Herrschaft der Byzantiner, in dieser Zeit wird jene Siedlung auch erstmals namentlich erwähnt. ab 925 gehört es zum heiligen römischen Reich. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts fällt die Region um Piran an die Venezianer, die von dort an überall ihren prägenden Stempel hinterliessen. Ganze vier Jahre unterstand Piran der Herrschaft Napoleons, ab 1813 gelangte es in den Besitz der Habsburger. Mit Ende des Ersten Weltkrieges wurde Piran Italien zugesprochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stritten sich Italien und Jugoslawien um dieses Gebiet, für eine kurze Zeit gehörte Piran zu einem abenteuerlich anmutenden Staatskonstrukt mit Namen „Freies Territorium Triest„, welches 1954 aufgelöst und zwischen Italien und Jugoslawien aufgeteilt wurde, Piran ging an Jugoslawien. Eine bewegte Geschichte, die ihre Spuren hinterlassen hat und noch stark nachwirkt. Auch wenn viele Italiener nach dem Zweiten Weltkrieg Piran verliessen, so hält sich hier eine italienische Minderheit, im Stadtbild ist oft die Nationalflagge jenes Nachbarstaates zu sehen.
Nahe liegender Weise hat Piran viel italienischen Flair zu bieten, die Strassennamen sind zweisprachig, Motorroller sind hier populärer, als normale Autos (was in den Nachbargemeinden ganz anders aussieht). Vom ehemaligen Jugoslawien ist hier nicht viel übrig geblieben. Zwar gibt es (immer noch) eine Karl-Marx- und eine Friedrich-Engels-Strasse, hin und wieder wird Serbokroatisch zur Kommunikation verwendet, aber ansonsten findet man hier nur wenig aus jener Zeit. Piran hat sich seinen venezianisch-italienischen Fischerdorf-Charme bewahrt – und das betrifft nicht nur das äussere Erscheinungsbild. Die zahlreichen sehr verwinkelten Gassen bieten in der heissen Sommerzeit einen angenehm kühlenden Effekt, ganz im Gegensatz zu den Uferwegen, wo die extrem hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit den Temperaturen erbarmungslos fordernd zuschlägt. Allerdings stauen sich in diesen Gassen auch „Düfte“, an die man sich erst einmal etwas gewöhnen muss. Fischgeruch ist normal (einige genüsslich herum lümmelnde Katzen bestätigen diese Behauptung), die Müllabfuhr ist unübersehbar-, hör- und riechbar präsent (andere Lösungen sind aufgrund der schmalen Gassen einfach nicht machbar), in Gebäuden kann ein leicht muffiger Kellergeruch wahrgenommen werden, die Wirkung selbst guter und starker Parfums verpufft nach wenigen Minuten. Lassen Sie es sich gesagt sein: Für einen uralten Ort wie Piran ist das vollkommen normal, da sollte man einfach keine eigenen Massstäbe anlegen und einfach mal dazu lernen und Unbekanntes neu geniessen. Zumindest wir machen das oft so und haben viele gute Erfahrungen damit gemacht.
Nahe liegender Weise ist Piran ein beliebter Ort zum Baden, allerdings muss man sich auch diesbezüglich mit ein paar Gegebenheiten arrangieren. Die meisten Uferabschnitte sind gesäumt von grossen Steinen, von denen einige zu Kunstwerken gemeisselt wurden. Strand-ähnliche Uferabschnitte sind eher kurz und vor allem schmal, aber es geht trotz zeitweise hoher Auslastung friedlich und gesittet zu. Hier hat Piran den Charakter einer Weltstadt, hier kann man zahlreiche Sprachen hören und unterschiedliche Badegewohnheiten aus aller Welt beobachten, auch unter queeren Menschen ist Piran als Urlaubsort offensichtlich bekannt. Am Morgen und frühen Mittag geht es in Piran beschaulich und je nach Region sogar gemächlich zu. Sobald die zahlreichen Touristen in den vielen Hotels und Air B&B Unterkünften ans Tageslicht gekrochen kommen, wandelt sich das Bild schnell, aber vor allem am kühlenden Abend und in der Nacht ist manchmal viel los, wenn Touristen aus den Nachbarorten auch in Italien scharenweise mit Kleinbussen hierher gekarrt werden. Dennoch findet man immer ein ruhiges Plätzchen, um einen Sonnenuntergang geniessen zu können. Bei guten Wetterlagen mit wenig Dunst am Himmel kann man problemlos die Küste Italiens auf der anderen Seite sehen. Trotz ansteigendem Tourismus wirkt Piran – noch – nicht vollkommen überlaufen.
Mit Linienbussen ist Piran gut von nahezu jeder Ecke Sloweniens aus gut erreichbar, innerhalb von zwei Stunden gelangt man ab Ljubljana zum kleinen Busbahnhof am Ortseingang, einen näher gelegenen Anschluss an das Bahnnetz von Slowenien gibt es aber nicht. Am Ortseingang befindet sich auch eine Kontrollstelle, nicht jedes Fahrzeug kann hier einfach so hinein fahren. Da Piran keine „grossen“ Geschäfte bietet, müssen einige Dinge des täglichen Bedarfs in Nachbarorten eingekauft werden, wo sich die Konsumzentren manchmal dicht aneinander reihen. Mit Regionalbuslinien sind auch diese gut und schnell erreichbar. Selbstverständlich gibt es aber Geschäfte des Detailhandels, in denen Grundnahrungsmittel gekauft werden können. Wir haben unsere wenigen Tage in Piran sehr genossen – auch wenn wir deutlich mehr und länger schwitzen mussten, als in Ljubljana (trotz gleich hoher Temperaturen). Wir waren oft und lange im Wasser, noch nie in meinem Leben habe ich derart klares Meerwasser gesehen! Ich für meinen Teil hoffe sehr, dass Piran auch in Zukunft dem überbordenden Tourismus Grenzen setzt, es wäre sehr schade um jenen so schönen Ort an der Küste Sloweniens.
